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  484 - Affären in Unterinntal
 

 

Weg am linken Innufer war mühseliger als auf der Reichsstraße die von Volders an auf der rechten Stromseite lief. Deshalb gedachte der General auf der ersten Brücke, die er traf, den Fluss zu übersetzen. Das wäre in Schwaz gewesen. Dort hatte aber schon Prems Kompagnie die Abtragung besorgt. Ihre schussbereite Aufstellung am Wasser genügte um die Bayern am linken Ufer festzuhalten. Schon bei Vomp war eine Attacke erfolgt und hatte zum Preisgeben zweier Rüstwagen gezwungen. 1) Solche Seitenstösse wiederholten sich. Das Dorf Stans musste mit dem Bajonett geräumt werden, von den Felsenhängen unterhalb Tratzberg beunruhigte der aus Achental herbeigekommene Aschbacher die Abziehenden. So ging der strapazenreiche Marsch unter stetem Gefecht und nicht ohne Verlust weiter. Dabei bekamen die Bauern den Eindruck, dem Feinde mangle es an Munition; er müsse, so hieß es, seine Kanonen mit Steinen laden. In der Nähe vom Angerberg sollen die Bayern vier des schwereren Kalibers nicht mehr weiter gebracht und in den Fluss geworfen haben. 2) Begreiflich, dass die ergrimmten Soldaten die wenigen Orte und Einzelhofe, an denen sie vorüberkamen, nicht eben sachte behandelten. 3) Der Flussübergang bei Brixlegg wurde dem General ebenso vereitelt wie in Schwaz. Er nächtigte daher auf den Gefilden von Achenrain und langte am nächsten Tage unter den Mauern Kufsteins an. Nachdem er die Festung mit Proviant und frischer Mannschaft versehen, betrat er am 2. Juni altbayrischen Boden. Nur seinen Nachtrab hatten Speckbacher und Teimer bei Breitenbach eingeholt und im Verein mit den dortigen Landsleuten geneckt, während aus den Auen des gegenüberliegenden Ufers die Kugeln von Margreiters Wildschönauern herüberpfiffen. Auf diesen Hauptmann Margreiter haben sich damals und später Vorwürfe gehäuft dass er es unterlassen, dem Feinde die Passage am Angerberg und die Straßenenge von Mariastein zu verlegen. 4) Man hat ihm da ohne Zweifel unrecht getan. Margreiter war viel zu spät vom Rückzug des Feindes unterrichtet, und der infolge der Schneeschmelze stark angeschwollene Inn hatte die Übersetzung auf Kähnen - es stand ja keine Brücke -unmöglich gemacht. Und wenn auch auf das linke Ufer gelangt wäre Margreiter mit seinen wenig geordneten und nicht zahlreichen Scharen

1) Nach Lechleitner a. a. O. leitete diesen Angriff der Feldpater Joh. Kienast, Supernumerar von Navis.
2) Aufzeichnungen eines Bauern in Achental.
3) Legationsrat v. Lichtenthurn klagt 14. Dez. 1809 dem E. Johann den schweren Schaden, welchen sein Gut Freundsheim bei Angerberg an diesem Tage genommen (J. M.)
4) So schreibt der zitierte Achentaler Bauer: Die Bayern sind über den Angerberg entkommen „weil die Wildschönauer in Rattenberg hocken geblieben sind“. Ich stimme dem durchaus zu, was Maretich I, 214 zur Rechtfertigung Margreiters beibringt.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 484
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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