SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  461 - Die ersten Zusammenstöße
 

 

der sich aus Burggräflern, Vintschgauern, Haspingers Latzfonsern und aus Stubaiern, im ganzen 15 Kompagnien, zusammensetzte. Vom Militär folgten diesem Flügel nur 80 Jäger unter Hauptmann Ammann. Aus dem westlichen Mittelgebirg, von Axams, hoffte man auf Anschluss des dortigen Landsturms unter Georg Bucher.

Dem General Deroy, der mit seiner schwachen Division von Lefebre und Wrede zurückgelassen worden, war die Ansammlung am Brenner nicht verborgen geblieben. Dass es südlich von Innsbruck noch nicht ruhig sei, hatten die Begegnungen der bayrischen Piketts lehren können. Schon während der Nacht des 24. hatte die ganze Division Bereitschaft. Die Brennerstrasse in der Länge von einer Stunde hielten bayrische Vorposten — der äußerste in Gärberbach — in Aufsicht, welche beide Seiten der Chaussee, Iselberg und Blumeskopf, besetzt hatten. Am folgenden Tage sollten größere Abteilungen Aufklärungsdienst machen, eine über den Iselberg und Schönberg, eine andere über Lans und Ellbogen. In Matrei wären sie zusammengestoßen. Bald nach  ihrem Ausmarsch in den ersten Nachmittagsstunden trafen sie auf die herannahenden Tiroler. Vorher war es schon zu Tätlichkeiten auf dem von den Lanserköpfen umrahmten Mittelgebirg gekommen. Speckbacher hatte in der vorausgegangenen Nacht emsig geworben. Zwei Schützenkompagnien, eine von Wilten und eine von den Gemeinden des Gerichtes Sonnenburg (Paul Hilber von Igls) mit Landstürmern von Rettenberg herauf bis Ampass hatten sich unter sein Kommando gestellt. Es waren, da die Leute vom jenseitigen Innufer ausgeblieben, nicht 1000 Mann. Abteilungen davon mussten die Flussübergänge bei Volders und Hall bewachen. Mit den übrigen stand Speckbacher schon zeitlich morgens um Judenstein, um Hofers rechten Flügel zu erwarten. Aber Stunde um Stunde verging. Die Mannschaftsscheide in Matrei hatte viel Zeit beansprucht. Der gewitterschwüle Tag näherte sich seiner Mitte, als die rechte Flügelkolonne erst gegen Patsch herankam: voraus Gasteiger mit den 4 Kompagnien, hinter demselben  die Soldaten unter Reissenfels, welcher den Befehl über die Gesamtheit ausdrücklich abgelehnt und, offenbar unter dem Einfluss Buolscher Weisungen, offensives Vorgehen verweigert hatte.  Den Leuten Speckbachers wurde die Zeit zu lang, sie wollten wenigstens sehen „wie es stünde". So bewegte sich der Haufe, gedeckt durch die Wälder des Patscherkofels, über Sistrans gegen die nach Patsch führende Strasse. Noch immer war von den erwarteten Freunden nichts zu sehen. Dafür erschien eine jener bayrischen  Kompagnien, welche die nachmittägige Rekognoszierung der Ellbögenerstrasse vorzunehmen hatte. 1) Speckbacher konnte die Seinigen nicht mehr zurückhalten, sie eröffneten aus dem

1) Vom 14. bayr. Infanterieregiment unter Oberleutn. Oberkamp. Maretich I, 42.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 461
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.