SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  460 - Auszug der Tiroler
 

 

den Gerichten waren vertreten: Passeier mit 3, Lana mit 4, Meran mit 9, Ritten mit 1, Jenesien und Karneid mit 5, Sarnthein mit 1, Kastelrutt mit 5, Klausen mit 10, Schlanders mit 6, Sterzing mit 1, Mühlbach mit 1, Bruneck mit 2 Kompagnien. 1) Ihre Stärke war auf etwa 5000 Mann zu schätzen. 2) Die von Buol beigestellte Hilfe bestand in 13 Infanteriekompagnien zu 1100 Mann, einer Eskadron von 80 Reitern und 5 Geschützen unter den Oberstleutnants Ertel und Reissenfels. Nach einem Akt des Gebetes und nachdem Feldpater Josef Alber die Absolution erteilt, ließ Hofer aufbrechen. Noch lag der Nachthimmel  über den Bergen, unter Fackelschein bewegten sich die ersten Abteilungen auf der Strasse fort. Matrei war der Sammelpunkt. Bald war der Markt überfüllt, seine zahlreichen Gasthöfe konnten die Zahl jener, die sich noch stärken wollten, kaum fassen. An der Strassengabelung, wo die Ellbögener von der Innsbrucker Strasse abzweigt, stellte sich Hofer mit seinen Adjutanten auf, um seinen rechten Flügel zu formieren, welcher über Ellbögen sich der Landeshauptstadt zu nähern hatte. Da Speckbacher mit seinen Leuten von Unterinntal her auf dieser Seite erwartet wurde, trennte der Sandwirt nur 4 von seinen 48 Kompagnien ab: die Villanderser (Hauptmann Gasteiger), die Rodenegger (v. Preu), die Sarntaler (Zöggeler) und die Michaelsburger (Oberrauch). So recht in seiner behäbig patriarchalischen Art wies der Oberkommandant den vorbeidefilierenden Kompagnien ihren Weg. „Beide Hände in seinen Ledergurt gesteckt, erhob er bald den einen oder andern Fuß und begleitete durch diese Gebärde jeden seiner Befehle."  „Ös geats då ausi", kommandierte er dem zuerst abmarschierenden Gasteiger und wies ihm mit dem Fuße die Ellbögener Strasse. „Also sind wir die Avantgarde", meinte darauf der Hauptmann. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, verdeutschte Hofer das Fremdwort: „Ös seids hålt die ersten." Nun hätte Gasteiger gern noch etwas von weiteren Operationsplänen gehört. Auf die Bayern losschlagen, wenn man sie trifft, und sie über den Berg hinunterwerfen, lautete des Sandwirts Antwort, die er auch später noch manchem Aufschlussbedürftigen erteilt hat. 3) Diesen rechten Flügel begleitete Reissenfels mit 500 Mann.

Eine Stunde von Innsbruck, im Schupfenwirtshause seines Freundes Etschmann schlug Hofer das Hauptquartier auf und entsandte zur Ausbreitung auf den Höhen von Mutters und Natters einen linken Flügel,

1) Nach den Standeslisten bei Maretich I, 28.
2) Die Zahl 15 000, welche Buol angibt, ist weit übertrieben. Auch Stadlers Schätzung auf 12 000 ist viel zu hoch.
3) Darüber Gasteigers ebenso lebendige wie glaubwürdige Schilderung a. a. O. Man sieht, dass sich die Bauern mit schriftlicher Fixierung ihrer Operationspläne nicht viel befasst haben werden.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 460
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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