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  430 - Dipauli in der Deputation
 

 

besiegt und aufgehoben werden könnten, wodurch wenigstens für einige Zeit alle Gefahr beseitigt wäre?" Eine Antwort auf diese Frage, die gewiss die brennendste war, verzeichnet das Protokoll nicht. 1) Solcher Unentschlossenheit zu Hilfe zu kommen, unternahm mit Erfolg ein Mitglied der provisorischen Regierung, Rat Trentinaglia. Einem der Deputationsmitglieder redete er eifrig zu, man solle schnell eine Gesandtschaft, worunter rechtschaffene Bauern und Geistliche, in Teimers Begleitung zum Volk im Feld von Vomp schicken, welche demselben die Notwendigkeit einer endgültigen Kapitulation begreiflich machen könnten, sonst sei keine Aussicht auf Rettung. 2) Dieser dringende Vorschlag wurde der Deputation vorgelegt und zeitigte alsbald folgenden Entschluss: „Da infolge des Unglückes der Kaiserlichen vom Erzherzog keine Hilfe zu erwarten ist, dem Lande die Verteidigungsmittel fehlen und selbst ein Sieg den Tirolern nichts helfen würde, so wird einhellig bestimmt, die Sturmmannschaft durch Priester und bäuerliche Abgeordnete besänftigen zu lassen, damit sie ruhig nach Hause gehe; durch eine Gesandtschaft an den Feind aber Vorsorge zu treffen, damit keine weiteren Schädigungen mehr vorkommen." 3) Sogleich wurden zwei bäuerliche Vertreter, Blasius Oberarcher von Natters und der Schupfenwirt Etschmann, 4) dem Teimer nachgesendet, um dessen eilfertige Rückkehr nach Vomp zu betreiben.

Zu Beruhigungskommissären, wenn man so sagen darf, wurden acht Bauern und vier Priester bestimmt. Den Vertrag mit dem Feinde wollte man aber nicht bäuerlichen, sondern gelehrten Händen anvertrauen, und betraute damit eine Vierergesandtschaft: den Vizepräsidenten des Appellationsgerichtes Freiherr v. Welden, Dipauli, einen jungen Grafen Lerchenfeld, Akzessist beim Generalkommissariat, und Atzwanger. Sie sollten aber nicht allein eine Bürgschaft für Sicherheit des Lebens und Eigentums und Gewährung einer Amnestie auswirken, sondern auch die Gewährleistung der katholischen Religion, der Landesverfassung und der Steuerermässigung. Die vier angesprochenen Herren waren nicht entzückt über das in sie gesetzte Vertrauen. Sie lehnten ab: diese Mission sei ihnen zu gefährlich, der Weg zu Wrede gehe nur durch die Landstürmer. Dipauli gab noch den besonderen Rat, zur Besänftigung der Landstürmer sollten nicht

1) Sitzungsprotokoll v. 18. Mai, nachmittag. L. A.
2) Trentinaglia an Stadler, 18. Mai. M. St. Nach Dipauli soll Trentinaglia seinen Rat mündlich in der Deputationssitzung vorgebracht und damit die Umstimmung erzielt haben. Dipauli hat in gleichem Sinn dem Grafen Tannenberg zugeredet. „Dieser sah es auch ein, aber der alte Mann war über das Unglück von Schwaz ganz außer Fassung; bald erschienen auch Bauern, die ihn nach dem Landhaus riefen." Dipauli: „Meine Lage" a. a. O.
3) Sitzungsprotokoll v. 18. Mai, 7 Uhr Ab. L. A.
4) Stadler lässt in einem Schreiben an die Deputation v. 19. an Stelle Etschmanns einen Joh. Dollinger zu Teimer gehen. J. M.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 430
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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