SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  361 - Hormayrs Aufregung
 

 

eine besondere Verschärfung der Strafsentenz bedeuten, dass über ihn nicht sogleich, wie über den Richter Vincenti, die Deportation verhängt wurde, sondern dass ihn Hormayr als Gefangenen nach St. Martin in Passeier verwies, wo Hörmann einst während des Kirchenkonfliktes die militärische Strafexekution geleitet hatte. 1) Den Bürgermeister Buchmair, der sich in den vorausgegangenen Tagen schwankend benommen hatte, entsetzte der Intendant des Amtes, an dessen Stelle berief er Herrn v. Isser und als Richter den Pfleger von Schenna, Johann v. Mörl. Die Versammlung im Bozener Festsaale vertrat in Meran ein Besuch des alten Stammschlosses Tirol, wo Hormayr die anwesende Menge mit „schneidenden Worten aufmerksam machte, wie dieses Heiligtum des Landes kurz vorher an einen Bauern verkauft und alle Denkmäler der Vorzeit und alles, was nicht nagelfest war, verschleudert worden sei". 2) Auch hier verkündete er die Restitution der Landesverfassung „ohne irgend welchen provisorischen Mittelzustand". 3)

Der folgende Tag sah Hormayr wieder in Bozen. Die Ereignisse der letzten Woche, nicht zum wenigsten die theatralischen Prozeduren, die er sich gegen bayrische Beamte und bayrisch Gesinnte erlaubte, steigerten die Erregtheit des Intendanten bis zu einem Grade, dass ihn schon Wahngebilde zu erfüllen begannen. Inhalt und Stil seiner damaligen Äußerungen zeichnen seinen inneren Zustand. „Ich bin zwar sonst", so schreibt er an Fenner, 4) „nicht dafür, dass man den Sieg des Talentes durch geheime Verbindungen erklären will, aber ich habe Beweise von der tätigen Mitwirkung der Illuminatenclique. Ich habe selbst Spuren von Anschlägen gegen meine persönliche Sicherheit. Das ist allerdings bei der Stimmung des Volkes lächerlich. Aber ich habe durch meine anfänglich große Nachsicht gegen die bayrischen Beamten dies verschuldet. Ohne alle

1) Hörmann fürchtete, von den Bauern arg behandelt zu werden. Aber gleich nach der Aburteilung versicherte ihn Hofer, er stehe ihm dafür, dass er nichts zu leiden habe. Und so war es. Hörmann bekennt selbst: „Ich wurde zwar in Passeier streng bewacht, aber ich litt keinerlei Unannehmlichkeiten, nicht einmal Schmähworte auf die bayrische Regierung bekam ich zu hören." Die Zeit der Haft hätte er sich gern mit Lesen verkürzt. Der Pfarrprovisor lieh ihm eine Bibel. Diese duldeten ihm die Bauern nicht. Er könnte, sagten sie, daraus Texte entnehmen, welche den Aufstand verurteilen. Seine Wächter wollte er über die Entstehung der Volkserhebung ausholen. Aber er hörte von ihnen bloß, es sei wie ein göttliches Wunder, dass alles ohne Vorbereitung und ohne Unterschied auf den ersten Ruf hin die Waffen ergriffen habe. Hörmanns Bericht vom 9. Okt. 1809 M. St., Vincentis Bericht an den König vom 2. Okt. M. K. Mém. de Mais. Hörmann trat am 5. Mai die Deportationsreise nach Klagenfurt an.
2) Bayern hatte das Schloss an Baron Hausmann verkauft.
3) Erzählung Hormayrs in seinem Andr. Hofer. II, 3.
4) 18. April.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 361
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.