SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  359 - Rückkehr nach Bozen, Donnersberg
 

 

verhängt und seine Deportation beschlossen. 1) Gleichzeitig erfolgte die Entfernung der gegen den Willen des Bischofs bestellten Lehrer am Gymnasium, des Studiendirektors und Regens Karl v. Prugger, 2) Anselm Holzers, Wörters und Breitenlechners; das aufgehobene Priesterseminar sollte unter den zurückberufenen Professoren Feichter, Kofler und Norz wieder erstehen. Dasselbe Urteil wie über Aretin wurde über den Forstinspektor Herder gesprochen. 3)

Wieder postierte Hormayr nach 24 Stunden gegen Bozen. In seiner Begleitung war General Fenner. Diesmal gedachte der Intendant mit dem bayrischen Polizeikommissär Donnersberg eine tragische Szene aufzuführen. 4) Er hatte erfahren, dass Donnersberg sich noch immer auf die Amtsverpflichtung gegenüber dem König berufe. Dafür sollte er zittern. Durch eine vorauseilende Stafette befahl er dessen Verhaftung. Abermals wurde Hormayr vom Klerus, Magistrat und vielem Volk vor der Stadt feierlich empfangen. Er zeigte düstere Miene; heute gelte es, so ließ er verlauten, Standrecht zu halten gegen den hochverräterischen Polizeikommissär. Donnersberg war nicht unbeliebt. Geistliche und weltliche Honoratioren legten ihr Fürwort ein, der Intendant blieb unerbittlich. Das erste, was er nach der Ankunft in der Stadt verfügte, war, dass ihm Donnersberg gefesselt unter Bedeckung einer starken Wache von Grenadieren der Bürgermiliz auf dem Gasthause zur Post, wo Fenner abstieg, 5) vorgeführt wurde. Wessen sich der Kommissär unterfangen, so wurde ihm vorgehalten, sei landkundige Meuterei, auf welcher die Todesstrafe stehe; also gleich sei er auf den Musterplatz abzuführen, damit an ihm mit Pulver und Blei ein Exempel statuiert werde. Donnersberg stürzte ohnmächtig zusammen. In seiner Nähe stand Nessing. Derselbe legte hilfreiche Hand an, um den Armen vom Boden zu erheben, und bat um Pardon. Als der Verurteilte wieder zu sich kam, hörte er aus Hormayrs Munde die Worte: „Diesem biedern Tiroler haben Sie Ihr Leben zu danken; sehen Sie, so rächt sich der von Ihnen verfolgte Tiroler." 6) Der Intendant schickte nach vierzehn Tagen den Begnadigten den andern Deportierten nach Klagenfurt nach. 7)

1) Ebenso geschah dem Richter Ludwig Heffels, an dessen Stelle Hormayr den früheren Meraner Richter Wieser berief.
2) Über Prugger s. L. Rapp in Tir. Stimm 1896, p. 240. Die drei andern wurden nach Unterinntal verwiesen.
3) Vgl. über dens. ob. p. 75.
4) Diesen Beweggrund zur Bozener Fahrt gibt Hormayr selbst an in dem ob. zit. Brief an Fenner.
5) Hormayr selbst wohnte wieder bei Giovanelli.
6) Donnersberg hatte Nessing nach dessen Wiener Reise nachstellen lassen.
7) Donnersbergs Unterbeamte, der Polizeioffizial Avelinus Frey, erhielt von Hormayr einen Pass, um nach München zu reisen. Plötzlich wurde er auf Befehl des Intendanten in Innsbruck angehalten und gefesselt nach Bozen zurückgebracht. Es geschehe, wie es hieß, wegen seiner Mitwirkung bei der Konskription. Ein paar Wochen saß er im Kriminalarrest, kam dann als Kranker ins Spital und flüchtete endlich über die Berge nach Bayern. M. K. Mit Donnersberg wurden noch andere Beamte von Bozen deportiert, so der Mautoberinspektor Reuser und Assessor Michael Stautner. Die Gerichtsszene mit Donnersberg nennt Hormayr selbst „eine romantische und großmütige Tournüre, die den Zweck nicht verfehlen konnte, die Bayern zu beschämen und die Tiroler zu ehren". Brief an Fenner a. a. O.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 359
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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