SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  354 - Hormayr in Klausen
 

 

nach Klausen. Wieder gab es großen Zusammenlauf, feierlichen Einzug. Hormayr sparte nicht mit Küssen und Umarmungen. 1) Beim Rösslwirt wurde mit den Bauern Konferenz gehalten. Man feierte die schon bekannten Innsbrucker Ereignisse, und bald wurde die Frage laut, warum Bissons Schicksal nicht auch dem zurückziehenden Lemoine zuteil geworden. Tatsächlich hatte es in diesem Teil des Eisacktales noch an der Organisation gemangelt. 2) Einer der Bauernführer, der Erlacher, gab die Schuld auf einen der dortigen Pfarrer, Nik. Bernward in Barbian, welcher zur Ruhe gemahnt habe. Sogleich wollte Fenner gegen denselben kriegsrechtlich einschreiten, aber die Bauern ließen es nicht geschehen. Dagegen zeigten sich die Landleute sehr aufgebracht über den Stiftungsadministrator Anton Innerhofer, der sich, nachdem er die Kasse vergraben, in eiliger Flucht retten musste. Den Frauen auf Kloster Säben, wo noch in den letzten Tagen Versteigerungen gehalten worden waren, ließ der General die abgenommene Habe zurückstellen. 3) Nach kurzem Aufenthalt wurde die Fahrt nach Bozen fortgesetzt.

In den Frühstunden des 13. April hatte Lemoine die Stadt Bozen verlassen. Eine Stunde später kamen die Burggräfler in hellen Haufen herangezogen. Einige Tausend machten an der Talferbrücke beim Badlwirt halt, andere schlugen alsbald den Weg gegen Kaltern ein. Die Bozener staunten ob des unerwarteten Besuches. Richter Hellriegel ging ihnen entgegen und vernahm aus bäuerlichem Munde, im Auftrag des Erzherzogs Johann habe man sich erhoben. Da blieb nichts übrig als sich mit den Leuten auf guten Fuß zu stellen, sah man ja unter ihnen die geachtetsten Männer des Meraner Bezirkes. Die Stadt zu betreten konnte man ihnen nicht wehren, ihr Kommandant Tschöll schlug bald sein Quartier im Zentrum, beim Mondschein, auf. So viele aber auch hereinströmen mochten, Gewalttaten erlaubten sie sich nicht. Ihre Frage ging nur nach Munition, sie waren zufrieden, wenn sie welche zu kaufen bekamen. Nur die bayrischen Schilde stachen ihnen in die Augen. Wenn man sie nicht freiwillig abnahm, besorgten die Bauern ihre Entfernung. Nicht geheuer war den bekannten Häuptern der bayrischen Partei in der Bürgerschaft. Graf Khuen holte seine österreichische Uniform hervor, um sich in derselben zu zeigen, und Graff vertauschte schnell die

1) Knoflach verzeichnet in seinem Tagebuch: „Hormayr in Klausen, die Bauern ohne Unterschied embrassiert, eine Herablassung gegen diese übermütige Menschenklasse, die gewiss nicht zweckmäßig war." Personalien über Ant. Knoflach s. in Tir. Stimmen 1908 Nr. 109.
2) Von Ritten und Sarntal wurde gemeldet, dass die Leute noch nicht wüssten, was sie tun sollten. Der Anwalt von Wangen meinte: „Ich hab' den Krieg nicht angefangen und will ihn auch nicht ausmachen, ich half nit mit."
3) Innerhofers Bericht. J. St. Aufzeichnungen des Priesters Gruber (damals Kooperator in Villanders), H. M. Forsch, und Mittig. z. Gesch. Tirols II, 57.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 354
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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