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  349 - Züge nach Bayern
 

 

Reiter. Jellachich, von dem man vernahm, dass er über Wasserburg sich der bayrischen Hauptstadt nähere, sollte wenigstens eine Eskadron abgeben. Hätten wir die gehabt, so meint Oberstleutnant Vejder, so würden wir vieles ausgerichtet haben, vielleicht würde selbst ein Anschlag auf Augsburg geglückt sein. 1) Am Morgen des 16. verteilte Taxis, seiner Instruktion gehorchend, seine Leute: eine Divison Devaux mit den

1) Vejders Journal a. a. O. So auch Chasteler an E. Johann, 5. Mai. Über den Anschlag auf Augsburg spricht Hormayr in seiner „Species facti" zu seiner Rechnungslegung (M. St.) also: „Kaum waren Chasteler und ich in Innsbruck angelangt, als von den Mitverbundenen und Gutgesinnten in Schwaben wiederholt Boten mit Nachrichten bei uns eintrafen. Die Hauptsache lag in dem glücklichen Umstand, dass gerade in Augsburg, im französischen Hauptdepot und Waffenplatz, von wo aus Gefangenentransporte nach Kehl und Straßburg instradiert und meist von badischen Eskorten übernommen wurden, das vorzüglichste Mitglied unseres Bundes, der jetzt (1815) so viel besprochene, von Montgelas so wütend verfolgte Graf Karl August Reisach, Generalkommissär war, also in voller Kenntnis aller feindlichen Absichten und Operationen und daher auch in der Lage, die französischen Gegenanstalten zu lähmen und uns unzählige unschätzbare Warnungen zur rechten Stunde zu erteilen. Chasteler muss sich noch eines auf Reisachs Wink entworfenen Anschlags erinnern, Augsburg mit allen seinen Vorräten und samt den französischen Generälen und Behörden zu überrumpeln und aufzuheben, wobei einem aller Gelegenheiten kundigen Kapuziner die Hauptrolle zugedacht war, als mehrere Tage lang nur das einzige Regiment Portugiesen diesen Platz bewahrte, welchem sich unsere Streifkommanden in den letzten April- und ersten Maitagen bis auf wenig Stunden genähert hatten."

Hier äußert sich Hormayr noch über andere Verbindungen, die er angeknüpft haben will: „Neben dem Grafen Reisach verdienen als vorzügliche Beförderer und Leitsterne unserer vertrauten Boten genannt zu werden der frühere burgauische Oberamtsrat Baron Osterberg, der Freiherr v. Ulm, der frühere reichsritterschaftliche Syndikus Gasser, der Traubenwirt in der Stadt Kempten, ein sicherer Baron Leoprechting, mir nur dem Namen nach und durch Menschenfreundlichkeit gegen die österreichischen Verwundeten rühmlich bekannt. Die Hauptfirma, an welche ich adressierte und von welcher wieder, selbst ohne mein Wissen, wie in einer geheimen Gesellschaft weiter adressiert wurde, war Andreas Spohn, Vater und Sohn, in Augsburg und Memmingen. Das ganze Fürstenbergische schien von dem Geiste der vortrefflichen Fürstin Vormünderin beseelt; Konstanz, Stockach, Günzburg, Echingen, Altdorf, Weingarten waren Hauptsammelpunkte." Für die glückliche Flucht österreichischer Gefangener (sog. Ranzionierter) bemühten sich nach Hormayr besonders Jakob Fickler von Konstanz und Matthias Hahn von Urnau, welche Graf Reisach „und der mit ihm in engster Verwandtschaft und Verständnis stehende Baron Osterberg, sowie der frühere Postmeister in Lindau, Baron Haysdorf" nach Innsbruck geschickt habe, von wo sie nach einer Besprechung mit Chasteler und von Hormayr mit 1600 G. entlohnt am 10. Mai auf verschiedenen Wegen zurückgesendet worden seien. Endlich gedenkt Hormayr noch eines Helfers, den er gewonnen habe: „Zum Empfang von Nachrichten von der Münchener Straße, vom berüchtigten Korps Arco und allen fremden Zeitungen bediente ich mich des bayrischen Landrichters Karl zu Mittenwald (Garmisch), welcher aus Tarasp gebürtig war und den Rückersatz seiner Auslagen und, wenn Tirol österreichisch bliebe, Beförderung für sich und seinen damals in Nauders dienenden jüngeren Bruder ausbedungen hatte. Ich hatte die diesfallsige Unterredung mit ihm am 12. Mai und gab ihm für Ankauf fremder Zeitungen und für Botendienste nicht mehr als 270 G. Nach der Wichtigkeit des Gegenstandes schickte er seine Boten" entweder direkt an mich oder an Johann Dietrich, Postmeister in Lermoos."

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 349
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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