SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  348 - Züge nach Bayern
 

 

In der Form der Schutzdeputation erwachte also die landständische Verwaltung wieder, ohne dass es zu einem Zusammentritt gewählter Stände gekommen ist. Was war denn aber zu verwalten, da keine Fonde oder Gefälle da waren? Ohne landständische Kasse hätten diese Herren „Stände" für die Kosten des verfassungsmäßigen Verteidigungswesens aufkommen sollen. Es blieb dem Kommando und der Intendanz nichts anderes übrig, als der Deputation zunächst einen Vorschuss zu gewähren. Aus demselben reichte sie wieder „Vorschüsse" an die im Feld stehenden Schützenkompagnien, damit sich dieselben nicht aus Mangel am Nötigsten auflösten. Zu den einzelnen Schützenkommanden wurden Schutzkommissäre abgeordnet, welche vor allem zur äußersten Sparsamkeit mahnen sollten, da kein Geld vorhanden. 1) Dieser schwere Missstand bewog die Deputation bereits in ihrer dritten Sitzung am 22. April, an welcher auch der eben eingelangte Unterintendant Roschmann teilnahm, durch die Abgesandten Straub und Huter beim Kaiser Hilfe an klingender Münze erwirken zu lassen. 2)

Bevor noch Chasteler den ersten Schritt tat zur Organisation der volkstümlichen Wehrkraft, bot er schon einen Teil derselben auf und wies ihm eine Aufgabe zu. Vom 15. April datiert sein Aufruf an die Gerichte Hörtenberg und Petersberg, sich dem Freiherrn von Taxis anzuschließen, da es gelte, Streifzüge nach Bayern zu unternehmen, dort Kontributionen einzutreiben und namentlich auch die Verbindung mit der Armee des Erzherzogs Karl zu eröffnen. In unglücklicher Stunde ward dem General dieser Gedanke eingegeben. Die Volksmassen, gleichgültig ob Stürmer oder organisierte Schützen, hatten nur das Zeug, auf heimatlichem Boden zu wirken. Wie sollten sie einen über weite Strecken sich vollziehenden Aufklärungsdienst in fremdem Lande bewältigen? Und dazu noch der Unglücksbefehl wegen der Kontributionen, welcher auf gut Deutsch nichts anderes war als die Aufforderung zum Plündern und zum wilden Beutemachen. Freilich sollten die Tiroler an der Seite des Militärs tätig sein. Aber wie geringfügig war die zugeteilte Militärmacht! Es waren kaum 800 Mann unter Taxis und einige Reiter. Sie im Verein mit den Tirolern sollten streifen von Mittenwald gegen Tölz und Holzkirchen, über Wallgau, Kochel und Benediktbeuren bis gegen München, von Partenkirchen einerseits über Murnau und Weilheim gegen Landsberg, anderseits über Ammergau nach Kaufbeuren. 3) Das alles ward der Handvoll Soldaten und ihren bäuerlichen Begleitern zugemutet. Nur ein kleines Bedenken stieg Chasteler und seinen Offizieren auf. Man hatte vielleicht doch zu wenig

1) So z. B. die Schutzkommissäre Felix v. Riccabona und Josef Kapferer von Innsbruck bei den Kompagnien in Reutte.
2) Selbstbiographie Straubs.
3) Instruktion Chastelers für Taxis vom gleichen Datum, abgedr. bei Hormayr II, 10.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 348
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.