SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  332 - Teimer befreit
 

 

kräftiger Stimme suchte er sich Bahn zu machen: „Männer, ich bin Priester, lasst mich vor und hört auf mich!" Aber auf Predigerton war dieser Chor der Wilden nicht gestimmt. „Mier braucha koan Pfåffa, sein a Spitzbuebn gwösn und håbn tån, was d'Boarn gwöllt håbn". Also wurde er gleich unterbrochen. Das Getöse wurde immer ärger, in einer Ecke des Gemaches blies einer ununterbrochen die Schwegel, Atzwanger und Teimer hatten sich längst heiser geschrien. Danei setzte noch mächtiger ein und forderte Gehör: „Ich verpfände euch meine Seligkeit für die Wahrheit dessen, was ich sage; wenn eines meiner Worte falsch ist, könnt ihr mich erschießen". Wieder fuhr man ihm dazwischen: „Ös håbts koa Tiroler Språch!" Nun legte er das Register des Volksdialektes ein und stellte sich als Vintschgauer vor. Auch das schien nicht zu verfangen, ein Oberländer warf ein: „Vintschga? dös wisse mer nuit!" Schnell gefasst entgegnete der Geistliche, sie sollten sich schämen, ein ganzes Landesviertl nicht zu kennen. Und wirklich ging es einem zu Herzen, da er herausfuhr: „Sella wol, håbts öppar nia koane Vintschger bettlen gsöchn ? An Geistla muess mer jå rödn låssn. Wås wöllts denn, miår habn jå d'Seal und d'Seligkeit vun an Geistlichen. Wenn mer'n schu nit kennen, so kennen mer'n decht rödn låssn". Das bot Danei einen willkommenen Anknüpfungspunkt, er rief: „Ist denn keiner unter euch, der den Seiler von Schlanders kennt?" Und richtig war gleich einer zur Stelle mit der Versicherung, den kenne er gut, er habe selbst ihm wiederholt Vorspanndienst geleistet, und die Agnoszierung glücklich fortspinnend, hängte der Sprecher die Frage an: „Seids ös öppar sei geistlicher Sun?"

Jetzt war Danei gewonnen. Man machte ihm eine Gasse, und da er von seinem Romaufenthalt erwähnte, bestürmte man ihn mit Fragen nach dem Papst, ob er den auch gesehen, etwa gar gesprochen habe. Als Danei dies bejahte, war das Eis völlig gebrochen. „Hearts Mander, wås dös für a Hear ist, den Hearn muass ma rödn låssn, tiats d'Hüet oha und schlågts amål d'sella Hund (dem Schwegler) d'Pfeifa as der Goschn." In diesem Ton ging es jetzt her. Feierliche Stille trat ein. Danei begann eine Lobrede auf Teimer, dem man vorzüglich das Rettungswerk zu verdanken, der das Kunststück fertig gebracht habe, Bisson so rasch zur Kapitulation zu bringen; gewiss würde Kaiser Franz jeden strafen, der sich am hochverdienten Mann vergriffe. Das leuchtete allen ein, gerührt dankte Teimer seinem Retter. Allein nun kamen den Leuten doch wieder die heiß erwarteten Österreicher in den Sinn. Danei schnitt das weitere Fragen dadurch ab, dass er sich den Bauern als Geisel antrug für die baldige Ankunft. Von vier Männern ließ er sich zum Kloster zurückgeleiten, wo einer vor der Pforte die Wache übernahm. In der Dämmerstunde ging Danei nach Hause, ohne vom Wachposten bemerkt

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 332
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.