SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  317 - Gegen die Juden
 

 

Beamten, mehr auf Ängstigung als auf Beschädigung abgesehen. 1) Gegen das raublustige Volk der „Kotlackler", die ihre Absicht schon in den mitgebrachten Säcken verrieten, schritten die Bauern, wo sie dieselben trafen, ein. Als einige von diesem Vorstadtvolk sich in Bauernkleider steckten, um ihrem unehrlichen Gewerbe ungestörter nachgehen zu können, büßten sie es mit einer starken Tracht Prügel.

Am ärgsten heimgesucht wurden die wenigen Juden Innsbrucks. Über sie ergoss sich der bäuerliche Groll gegen ihre Stammesgenossen, welche sich die Feilbietung der Kirchengeräte zunutze gemacht, dabei wohl auch ärgerniserregenden Spott getrieben hatten. Unter den sechs Familien waren drei vermögliche: jener Lazarus Uffenheimer, 2) über dessen Gewölbe Dipauli seine Wohnung hatte, Jakob Bernheimer und Jonas Nathan von Hohenems. Ihre Quartiere wurden geplündert und verwüstet, die Magazine geleert, dem Nathan auch bereitstehende Getreidefuhren verschleppt. Aber auch von diesen Exzessen berichten zeitgenössische Beobachter, dass sie vornehmlich vom städtischen Proletariat ausgegangen seien. 3) Die Personen selbst nahmen keinen Schaden, sie fanden in Christenhäusern, auch in Klöstern, Aufnahme. Ihren Klagen an den bayrischen König, dass sie dieser Judensturm gänzlich ruiniert habe, steht die Aussage eines objektiv beobachtenden Innsbrucker Bürgers gegenüber, welcher schreibt: „Übrigens war das Geschrei der Juden grösser als der angerichtete Schaden, die ihnen abgenommene Beute machte nicht 12 000 Gulden aus." 4)

1) Es ist eine starke Übertreibung, wenn Mieg in seinem Berichte sagt: „Es gab eine Liste von Beamten, welche getötet oder beraubt oder vertriebeii werden sollten."
2) Der alte Lazarus U., welcher sich 1760 in Innsbruck niedergelassen und schon beim großen Vermählungsfeste daselbst 1765 Geschäfte gemacht hatte, war 1806 gestorben. Dessen Frau Sarah hatte darauf den Hermann Löwenstein geheiratet, welcher für den noch unmündigen Sohn des Lazarus die Handlung führte. Nathan war bayrischer Militärlieferant und hatte selbst Aufnahme in die Bürgermiliz gefunden.
3) So Danei, Stettner und Eberhöfer (bei Schatz p. 81). Danei erzählt von einem Juden, der, im Ofen verkrochen, von den Bauern daselbst gefunden wurde, als sie den Kamin zertrümmerten. Wie sie aber den berußten Hebräer erblickten, meinten sie den leibhaftigen Teufel zu sehen und flohen davon. Dies dürfte der bei Eberhöfer erwähnte Fall sein.
4) Nathans Klage an den König, 15. Sept. 1809. Er versichert hier, einige Freunde hätten ihn wieder in den Stand gesetzt, Armeelieferungen zu übernehmen, und so offeriert er solche. Schmerzlich war ihm besonders, dass der 12. April die ihm vom Ärar ausgestellten Verschreibungen für frühere Lieferungen vernichtet hatte. Er hatte kurz vorher an das Militär Waren um 16 000 G. abgegeben. Im Nov. 1809 besorgt er schon wieder die Herbeischaffung von 1000 Star Getreide. Anfang 1810 zahlt ihm Bayern 31 000 G. und überträgt ihm neue große Bestellungen. Er muss aber auch einmal Rückersatz leisten wegen unrichtiger Berechnung des Verhältnisses zwischen dem Innsbrucker Star und dem bayrischen Scheffelmass. M. K. — Bei Bernheimer fanden und nahmen die Plünderer 3 reich gestickte Rauchmäntel, 6 Levitenröcke, Messgewänder und andere kirchliche Utensilien. Ein Ausschreiben des Gerichtes Innsbruck vom 24. Juli fordert zur Rückstellung auf, da Bernheimer in Konkurs geraten sei und das Entwendete seinen christlichen Gläubigern gehöre. J. St. (Ger. Akten Landeck.)

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 317
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.