SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
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offene Feld zurückgeworfen. Den durch das Gehölz wohl geborgenen Schützen war nichts anzuhaben. Der Tag verging unter fortwährendem Geplänkel. Die am Nachmittag sich mehrenden Verwundetentransporte, die zum Innrain hereinkamen, waren deutliche Anzeichen, dass sich draußen am Wald etwas bedeutsameres abspiele als ein einfacher Dorfrummel. In Innsbruck selbst machte im Verlaufe des Tages Polizeidirektor Schubert die Entdeckung, dass eine Menge österreichischer Proklamationen verteilt sei; selbst bei Beamten wurden deren gefunden. Die leitenden Männer waren ratlos und entsetzt. Lodron rechnete noch auf die Bürgerschaft. Er ließ ihr seine Anerkennung kundgeben über das bisher beobachtete ruhige Verhalten und forderte sie auf, bewaffnet sich einzustellen, wenn der Ruf an sie ergehe. „Hatten wir also nicht recht, die Herausgabe der Waffen zu weigern?" So hörte man darauf unter den Stadtleuten sprechen. 1) Auf die vordringenden bäuerlichen Massen besänftigend einzuwirken, war ein anderer Aufruf Lodrons berechnet: „Was soll der Zweck eurer Gewalttätigkeiten sein? Was sind eure Wünsche und Hoffnungen? Offenbart sie friedlich und wartet die Entscheidung als getreue Untertanen ab. Bleibt ruhig in eurer Heimat und überlasst das Weitere der Vorsehung, die nicht will, dass der Mensch ihr vorgreift. Alles hängt doch von höheren Ereignissen ab, ohne welche alles Bemühen vergebens wäre. Dies ist der wohlmeinende Rat eurer rechtmäßigen Regierung." Völlig außer sich war Mieg. Dass Männer, die ihre Pflicht an den König band, jene Brandschriften, in denen er sogleich Hormayrs Feder erkannte, hatten in Empfang nehmen können, erschien ihm ungeheuerlich. Gleich begann er mit Untersuchungen. Keinem traute er mehr, selbst Dipauli hielt er für einen hochverräterischen Mitwisser. 2) Während dieser unruhevollen Stunden erinnerte er sich plötzlich, dass in der Generalkommissariatskanzlei, dem heutigen Landhaus, eine Sammlung österreichischer Kriegsmedaillen von früheren Kriegen her noch deponiert sei. Dieses Besitzes sollten sich die Aufständischen nicht freuen. Mieg nimmt einen seiner Unterbeamten als Zeugen und trägt die Stücke auf den Speicher des Hauses, wo sie, sorgsam versteckt, nach dem Aufstande unberührt angetroffen wurden. 3)

1) Vgl., ob. p. 276.
2) Dipauli: „Am 11. erfuhr ich von der Proklamation ,Auf, Tiroler, auf. Da sah ich, wie sehr man dem Misstrauen ausgesetzt sein kann. Mieg wollte mich diesen Aufruf gar nicht lesen lassen. Denn er wollte nicht glauben, dass ich nichts davon weiß. Erst als ich ihm feierlich beteuerte, dass ich gar nichts weiß, ließ er mich denselben lesen."
3) Es waren 80 Medaillen mit Bändern für die Landesverteidiger, aus dem Jahre 1796. 1810 wurden sie nach München geschickt, die meisten eingeschmolzen, ein paar Exemplare dem Münzkabinett der Akademie übergeben. Bericht des Registrators Joh. Harslem vom 4. März 1810.  M. St.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 301
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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