SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  293 - Bisson und Wreden
 

 

Diese Franzosen bildeten die erste Staffel jener Truppen der italienischen Armee, deren Durchmarsch nach Deutschland bereits angesagt war, denen man in München auch die Bestrafung der tirolischen Rebellen zugedacht hatte. Den Befehl über diese erste Kolonne (2500 Mann) führte General Bisson, in kurzem Intervall folgte eine beiläufig gleich starke unter Lemoine. Am 9. April hatte Bisson, von Verona kommend, Bozen passiert, war am 10. abends in Brixen eingetroffen und wollte am folgenden Tag den Marsch nach Innsbruck fortsetzen. Sein Erscheinen wirkte auf die bäuerlichen Kämpfer überraschend und bestürzend. In der bisher ununterbrochenen Feuerattacke trat ein Stillstand ein. Bissons Marschformationen waren 1) schon als solche, und überhaupt nur mit wenig Munition versehen, nicht auf einen ernsten Kampf vorbereitet. Der General war es zufrieden, wenn ihm die Straße nicht verlegt war; die heiß umstrittene, nach Pustertal führende Brücke kümmerte ihn nicht. So setzte er, den Bayern nicht helfend, die Tiroler nicht herausfordernd, ziemlich unbehelligt seinen Weg fort. Wreden, in seiner Hoffnung getäuscht, entschloss sich, Bissons Nachzug bildend, demselben zu folgen. Aber die Ladritscher Brücke sollte noch abgebrochen werden. Wieder gingen seine Bayern stürmend auf dieselbe los, die Widerstandskraft der Bauern schien erschöpft. Deren Blick entdeckt da auf einmal, dass Soldaten in österreichischer Montur auf der Straße von Mühlbach her sich nahen. Es war zwar nur eine Handvoll Leute, einige Jäger und zwanzig Reiter, mit denen der Oberleutnant Gerardi, vom Gefecht im Eisacktal avisiert, Chastelers Avantgarde ohne Rast vorangeeilt war. Dieses Erscheinen der sehnsüchtig erwarteten Freunde gießt neues Blut in die Adern der Ermatteten. Jubelrufe erfüllen die Luft, mit frischer Kraft wirft man sich den Bayern entgegen, die nichts anderes vermuten können, als dass das österreichische Korps bereits eingetroffen sei. Wreden lässt von der Brücke ab und tritt den nächtlichen Marsch nach Sterzing an. 200 Mann, die seinen Nachtrab bilden, werden noch abgeschnitten und müssen sich den siegesfrohen Bauern ergeben. Um dieselbe Stunde war die zweite Kolonne unter Lemoine in Brixen angekommen. Sie vernahm da den missglückten Versuch gegen die Brücke und wandte sich daraufhin alsbald wieder zurück nach Bozen. 2)

Diese Affäre vor der Brixener Klause vollzog sich genau in den Grenzen jener Aufgaben, welche das in Wien vereinbarte Programm den Bauern gestellt hatte. Aber schon hatten sie dasselbe an eben diesem Tage überschritten. Was bei den Besprechungen mit dem Erzherzog und

1) Napoleon hatte reichliche Munition angewiesen. Saski, I, 393.
2) An Aufzeichnungen von tirolischen Teilnehmern besitzen wir Lantschners Bericht a. a. O. und den handschr. Bericht des Kaplans von Schabs Paul Wassermann, eines Konventualen von Neustift, H. M., beide aber vielfach sehr verworren.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 293
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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