259 - Hormayr gegen Graff


er nicht ganz verscheuchen, er fürchtet, durch Instruktionen von irgendeiner Seite in seiner Tätigkeit beengt zu werden. „Jetzt, nachdem der Hauptplan wegen Tirol sanktioniert ist, wäre nichts übler, als im einzelnen noch selbst Anfragen, Bedenken und Auslegungen zu veranlassen, die der Ruin alles Energischen und Guten und die Wiege des Verderbens sind. Selbst im Bureau des Grafen Zichy sind diese Grundsätze laut betont, und Minister Stadion ist der erste, welcher sich zu dieser Fahne bekennt und nichts besser einsieht als das Lächerliche und Verderbliche von Detailvorschriften unter diesen Umständen.“ 1) Und noch etwas kam dem Freiherrn in die Quere. Das waren jene Ratschläge des Baron Graff, mit denen sich dieser dem österreichischen Hof anzubiedern suchte. Sobald Hormayr darüber durch den Erzherzog erfahren hat, gerät er in hellen Zorn: „Graffs Unverschämtheit übersteigt alle Vorstellungen. Er, welcher zwei von den Deputierten 2) durch schändlichen Verrat in die größte Gefahr der Hinrichtung brachte, welcher sie nur durch die Flucht entgingen, welcher uns heimlich und öffentlich mit Wut und Geifer entgegengearbeitet, gibt dann in das Kabinett, wie man sich in Tirol benehmen soll, worin nichts unschädlich ist als seine flache Allgemeinheit und Erbärmlichkeit, in welcher auch dessen ungeachtet viel Gift und die tolldreiste Hoffnung verborgen liegt, auch noch nach allem, was dieser Nichtswürdige begangen hat, bei uns nach unserer Okkupation fortan eine Rolle zu spielen. Ich ersuche Eure Hoheit, bei Dero Herkunft darüber dem Kaiser ein nachdrückliches Wort zu sagen, denn der Mensch ist reich genug, um zahlreiche Konzessionen zu erkaufen und sich fortwährenden Einfluss oder doch Straflosigkeit zu sichern, und das hieße alle redlichen Tiroler, besonders die Bauern des Eisack- und Etschkreises, einem Schurken zulieb gegen sich aufhetzen. Aber um noch mehr hinter die Geheimnisse zu kommen, ist es nötig, den Graff oder seine Bestellten nicht das Geringste merken zu lassen.“ 3) Es ist bekannt, welchen Eindruck die Ereignisse in Spanien auf Europa machten. 4) Man besprach sie selbst in den tiefsten Alpentälern. 5)

1) Diese Gedanken, sagt Hormayr, kommen ihm in Erinnerung an „goldene Worte“, die er vorher einmal vom Erzherzog vernommen.
2) Es war wohl nur einer, Nessing.
3) Hormayr an E. Johann, 24. März 1809. Hier meldet Hormayr auch: „Heute habe ich mich auf Stadions Rat dem E. Karl zu Füßen geworfen und wurde von ihm sehr gnädig empfangen.“ S. üb. Graff ob p. 211, Anm. 3.
4) Rechberg schreibt aus Wien, 26. Nov. 1808, alles blicke nach Spanien und erwarte mit Ungeduld den Ausgang „de cette terrible tragedie". M. St.
5) Bei Schaller, Fragmente aus dem Feldzug gegen Österreich (Augsb. 1810) p. 15 ist ein Wiener Brief vom 2. Febr. 1809, der nach Pustertal ging, abgedruckt, wo beschrieben ist, wie Napoleon in Spanien in der Klemme sei. Dann heißt es: „Fast alle Mächte Europas schließen sich gegen Napoleon zusammen; der bayrische König, welcher sich von Napoleon betrogen fühlt, bietet sich schon öfter zur Allianz mit Österreich an, wurde aber bisher nicht angenommen." — Die Spanier sandten ihre Aufrufe auch nach Österreich.



Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 259

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.