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  249 - Ausbreitung der Bewegung
 

 

Gegend von Hall, 1) dieser sorgte bei Zeiten dafür, dass die Absamer Pulvermühle ihre Erzeugnisse nicht mehr an das Ärar ablieferte, sondern für den kommenden Augenblick zurückhielt. 2) Wintersteller, Sieberer und ihre Genossen besorgten das Agitationsgeschäft talabwärts bis zur Landesgrenze. Als Mieg von seiner Münchener Reise 3) zurückkehrte, sagten ihm alle Beamten von Kufstein, die Leute seien bereit, die Österreicher, wenn sie ins Land kommen, bewaffnet zu unterstützen. 4) Die durch die Militärstellung hervorgerufene Erregung hatte den Boden für die im Namen des Erzherzogs Johann betriebenen Werbungen noch besonders vorbereitet. Im Oberinntal drohte Teimers Frucht vorzeitig zu reifen. Die Bevölkerung von Imst sahen wir schon eine besorgniserweckende Haltung gegen bayrisches Militär, eine durchziehende Abteilung des Bataillons Bärenklau, einnehmen. Bayrische Meldungen sprechen von einem dortigen geheimen Komitee und dass die Gerichtsuntertanen ohne Scheu von einem bevorstehenden Aufstand sprechen, für denselben Kugeln gießen und sich mit Pulver versehen. 5) Als zur selben Zeit ein Trupp Franzosen in Füssen Quartier nahm, rottete sich in Reutte alles Volk zusammen zum Ausmarsch, um, wie sie sagten, die Landverderber zu vertreiben. Mit großer Mühe und unter Lebensgefahr stellten die Beamten die Ruhe her. 6) Unter den Augen des Richters von Landeck ließ der Wirt und Anwalt von Zams Hermenegild Holer durch einen ehemaligen österreichischen Soldaten die waffenfähige Mannschaft des Dorfes einexerzieren, damit sie, wie er sagte, zunächst bei der Rekrutierung die bayrische Gewalt mit Gewalt abtreiben, aber auch für „den Augenblick des Bedarfs“ in Bereitschaft sein könnten. 7) Ähnlich war es jenseits des Brenner. In den Dörfern um Brixen besprach man ungescheut die baldige Ankunft kaiserlicher Truppen, welche durch drei Signalschüsse werde kund getan werden, die gleiche Parole gab der Kaffeesieder Wenzl Kahl in Bruneck aus; beim Kaufmann Oberhuber in Lienz entdeckte das Gericht

1) Das Verzeichnis Straubs über die „echten und wahren Landesverteidiger“ (Straganz, Straub p. 5) bezieht sich in seiner Reichhaltigkeit sicher noch nicht auf diese Vorbereitungszeit. Der darin angeführte Lergetporer von Schwaz sagt in seinen Aufzeichnungen ausdrücklich, dass er von den vorbereitenden Schritten nichts gewusst habe.
2) Angabe des alten Salzbergoffiziers Jos. Posch vom 20. Nov. 1852. J. St.
3) S. ob. p. 190.
4) Miegs Bericht a. a. O.
5) Mautamt Martinsbruck an Lodron auf Grund der Aussagen des aus Imst zurückkehrenden Jakob Giamara von Tarasp, 25. März 1809. M. St.
6) Bericht des Assessors Ott in Reutte, 30. März 1809, ebend. Am 4. April befiehlt Lodron strenges Einschreiten. M. K.
7) Senn an Hormayr, ohne Datum. A. G. Ein Emissär von Zams bearbeitete die Bursche talaufwärts; eine Gemeinde soll der andern zu Hilfe kommen. In Landeck hatte der Richter Spuren nächtlicher Konventikel. Rieder Ger. Akt. J. St.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 249
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.