SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  235 - Fortgesetzte Einwirkung auf den Erzherzog
 

 

„ohne Zwang oder Drohung" tätig gewesen. „Der Nationalgeist scheint bei uns zu erwachen, man begreift endlich, dass, wenn gekämpft werden muss, dies der letzte Kampf sei, dass nichts versäumt werden darf, wenn wir nicht lieber gleich die Hand in den Schoss legen und wir uns dem neuen Erzherzog von Österreich, Josef Bonaparte, ergeben wollen, dem dieser alte, ehrwürdige Name ebenso gut ansteht wie einst dem Esel die Löwenhaut. Er soll keinen Karl IV. bei uns finden und in Eurer Hoheit und Erzherzog Karl keinen Prinzen von Asturien. Solche Prinzen können nur mit dem Degen gefangen werden. Diese Bürgschaft des Mutes schadet ebenso wenig, als es den Franzosen geschadet hat, da zwei von ihren Königen bei Maupertuis und Pavia gefangen wurden."

Des Freiherrn Appell an den romantischen Sinn des Erzherzogs wiederholt sich und wird dringender. Höflingsphrasen und geschichtliche Anspielungen durcheinander mischend träumt er Johann ihre künftige gemeinsame Kriegstätigkeit in den Alpenländern vor: „Ich zehre noch von dem Glück, Eurer Hoheit die Hand geküsst zu haben im Augenblicke vor der Abreise am Burgtor, wo ich dicht hinter dem General Mayer war, der von Eurer Hoheit gegrüßt wurde. Die Hoffnungen vieler Patrioten sind gerichtet auf Eure Hoheit, denn in Ihr schlägt das Herz der beiden Leopolde und wiederholt sich Teuerdanks Geist. Möchte mir das glückliche Los zufallen, unter Eurer Hoheit Leitung in Steiermark und in dem dem unglücklichen Tirol so nahen Kärnten an einem Werke zu arbeiten, das nur durch den ritterlichen Geist Teuerdanks gelingen wird trotz aller Unfallos, Fürwittigs und Neidelharts. Hoffentlich wird Eure Hoheit mich nicht vergessen, wenn es wieder einmal aus den norischen in die rhätischen Alpen hineingeht." 1) Beglückt durch einen Brief des Erzherzogs, welcher in Hormayrs Gedankengang sich bewegte, antwortet derselbe zurück: „Meine Landsleute würden weinen und knirschend nach dem Stutzen greifen, um ihre Unterdrücker zu würgen, wenn sie die Züge der teuren Hand und den Geist darin wieder erkennen könnten, welcher unter anderen Umständen das Palladium der Rettung gewesen sein würde und es wieder werden kann, werden muss, so Gott will." Und ein andermal: „Eure Hoheit bleibt unser Pelajo in unserem Asturien, im norischen und karnischen Gebirg, das auch Dero Vorbild Ritter Teuerdank so sehr geliebt hat, aber mehr noch die blauen Felsen und schwarzen Wälder und das heitere Himmelsblau über dem Inn, der Drau und dem Eisack, an die ich nicht denken kann ohne Schmerz und Rachgier." 2) Auch Hormayr sieht den Stein gegen den Imperator von Spanien aus ins Rollen kommen, und die Stoffe zu seinen historischen Abhandlungen wählt er mit absichtlicher Bezugnahme auf die gewitterschwangere

1) Ders. an dens. 3. und 25. Aug. 1808.
2) Ders. an dens. 12. Okt. 1808. Wie Johann auf Hormayrs Ideen einging, zeigen die jetzt von Schlossar in der Wiener Abendpost 1908 mitgeteilten Briefe des Erzh.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 235
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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