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  Tiroler Gerichtsbedienstete zur Zeit der bayrischen Besetzung
 

von Ekkehard Hofbauer

Im Archiv des Heimatmuseums auf der Festung Kufstein befindet sich in der Urkundensammlung unter der laufenden Zahl 591 b bzw. U 14 b eine gedruckte „Tabellarische Übersicht der bey der Landämterorganisation in Tyrol angestellten Landrichter, Rentbeamten, Aktuarien, Landgerichtsund Rentamtsdiener", die im Aufdruck als Beilage Lit. B bezeichnet ist. Zwar gibt es in dieser Liste keine Zeitangabe, doch scheint beim Landgericht Kufstein Joseph Wiesent als Landrichter auf. Dieser wiederum ist in einem Beitrag von DDr. Matthias Mayer in der 60-Jahr-Jubiläumsausgabe des „Tiroler Grenzboten" für die Zeit von 1806 bis 1813 genannt. Als dessen Grundlagen werden die damaligen Amtsschematismen angeführt. Die Landrichter waren damals die Vorsteher der gerichtlichen und politischen Verwaltung.

Am Landgericht Innsbruck wirkte Johann de Lama als Landrichter (vorher Landrichter von Sonnenburg), dem der Gubernial-Praktikant Carl von Egloff und der bisherige Hofrichter zu Schönberg, Joseph von Stolz, zur Unterstützung beigegeben waren. Joseph Natterer, bisheriger Eisenmeister in Innsbruck, war Gerichtsdiener, dem noch vier Knechte unterstanden. Der Leiter des Rentamtes war der Rentbeamte von Pfaundler, dessen Diener Johann Steinbacher aus Kundl war.

Der Landrichter von Schwaz hieß Joseph Bohonowsky, vorher Landesdirektions-Accesist in München. Als Landgerichtsaktuarius wirkte Aloys Hahn, vorher Richter zu Amras, und Gerichtsdiener war Joseph Kunde, bisheriger Probsteygerichtsdiener in Amras, dem zwei Knechte beigestellt waren. Das Rentamt Schwaz hatte seinen Sitz in Solbad Hall. Der Rentbeamte Franz Tarnozzi und der Rentamtsdiener Peter Paul Eberle waren vorher am Kreisamt in Schwaz beschäftigt.

Der Vorsteher des Landgerichts Rattenberg hieß Aloys Freiherr von Donnersberg, der aus Schwaben stammte, sein Aktuarius war Johann von Anreitter aus Innsbruck. Als Gerichtsdiener fungierte Dionys Stuhlreiter mit zwei Knechten aus Rattenberg. Der bisherige „gubernial-Concipist" Anton Innerhofer und der früher in Kufstein wirkende Urbarschreiber Matthias Steiner wirkten am Rattenberger Rentamt.

In Kufstein war Joseph Wiesent Landrichter, der schon in der Einleitung genannt wurde und vorher „Landesdirektionsaccesist" in München war; dessen Aktuarius hieß Anton von Sammern aus Imst. Gerichtsdiener war Joseph Huber, der noch drei Knechte befehligte. Aloys von Leys, zuerst Urbarverwalter in Kufstein, arbeitete nun als Rentbeamter, und als Rentamtsdiener wirkte Joseph Stuhlreiter aus Schwaz.

Das Landgericht Fürstenburg mit dem Sitz in Nauders war nur mit dem Aktuarius Joseph von Carl aus Innsbruck und dem Gerichtsdiener Joseph Fritz (mit zwei Knechten), das Rentamt Fürstenburg mit dem Beamten Anton von Mont und dem Scharnitzer Anton Aschacher besetzt.

Der frühere Pfleger von Landeck, Ignatz von Stöckel, war Landrichter, seine Beamten hießen Joseph von Traubenberg und Anton Putz (vorher Richter zu Montani). Jakob Weinberger war Gerichtsdiener (zwei Knechte). Das Landecker Rentamt hatte seinen Sitz in Ried. Dort wirkten Ignatz von Eisank (bisher Gerichtsdiener in Kufstein) als Beamter und Engelbert Forstlechner aus Taufers.

Der ehemalige Rattenberger Landrichter, Sebastian Hecher, wirkte nun am Landgericht Telf s ohne Aktuarbeamten mit dem Gerichtsdiener Franz Weinberger (ein Knecht), dem Rentbeamten Joseph Maurer aus Meran und dem Rentamtsdiener Joseph Wörndle von Gallthür.

Der Landrichter von Reutte war der bisherige Ehrenberger Landrichter Aloys von Froschauer, seine Aktuarien hießen Maximilian Ott, vorher Aktuar in Straubing, und Jos. Maria Zeisenhof, Pfleger zu Vils. Die Belegschaft des Rentamtes Reutte bestand aus dem Beamten Franz von Sammern aus Reutte und dem Diener Gab. Hepperger aus Vilsrain. Gerichtsdiener war Michael Rieger (zwei Knechte), zuvor in Ehrenberg.

Im Landgericht Lienz wirkte als Landrichter Anton Braam aus Passau. Sein Aktuarius Caspar von Ottenthal stammte aus Kufstein, der Gerichtsdiener Anton Moser aus Lienz. Der bisherige Rentmeister Huber aus Innichen und Anton Weller von Anras arbeiteten am Rentamt.

In Südtirol werden als Landgerichtsorte Brixen, Bruneck, Bozen, Klausen und Meran genannt.

In Brixen war Georg Kolb Landrichter, der dasselbe Amt von 1802 bis 1805 in Kufstein ausgeübt hatte. Sein Aktuarius Johann Ofner kam von Innsbruck. Aus Brixen waren der Gerichtsdiener Bartlme Goldbacher, der Rentbeamte von Weinberg und der Diener Joseph Seeber. Dem Gerichtsdiener unterstanden in Brixen vier Knechte.

Landrichter von Bruneck war Johann Neuner, der vorher Beamter des Haller Damenstifts in Heimfels gewesen war. Der frühere Matreyer Marktrichter, Johann Gstirner, und der ehemalige Buchensteiner Richter, Johann Piristi, arbeiten als Aktuarien. Anton Prugnaller befehligt als Gerichtsdiener vier Knechte. Aloys von Pfaundler und Jacob Hattler sind im Rentamt tätig.

Im Landgericht Bozen ist der bisherige Brixner Stadt- und Landrichter, Andre von Hellrigel, Vorsteher, sein Aktuarius stammt aus Reutte und heißt Candidus von Sammern. Peter Tschnoll ist Gerichtsdiener (ein Knecht). In diesem Landgericht bestehen zwei Rentämter, eins in Bozen und eins in Tramin. Der Rentbeamte von Bozen heißt Franz von Klebelsberg, der von Tramin Caesar von Ronchi. Als Rentamtsdiener arbeiten Jacob Thallguter in Bozen und Matthias Gasteiger in Tramin.

Anton von Klebelsberg blieb Landrichter von Klausen; Aktuarius war damals Anton Purtscher, Johann Wairberger war Gerichtsdiener (zwei Knechte), von Mayer ist Rentbeamter, Franz Kohlbauer Rentamtsdiener.

Der Landrichter von Meran war Joseph Wieser, Aktuarius Anton Eichholzer aus Imst. Dem Gerichtsdiener Lorenz Prugnaller unterstanden drei Knechte. Der frühere Kelleramtsverwalter Aloys von Strobl war Rentbeamter, Veit Jordan Rentamtsdiener.

In Welschtirol gab es die Landgerichte Trient, Mezzo Lombardo, Cles, Malé, Pergine, Levico, Cavalese, Rovereto, Riva, Tione. Der Sitz des Rentamtes von Mezzo Lombardo war Lavis, der von Malé in Cles, der von den Gerichten Pergine und Levico in Borgo. Zum größten Teil waren an diesen Gerichten Welschtiroler als Beamte beschäftigt. Trotzdem tauchen auch hier bekannte Namen auf, wie etwa Vinzenz von Tschiderer — Aktuarius in Mezzo Lombardo, Joseph von Vintler — Aktuarius in Cavalese, Johann von Lutterotti — Aktuarius in Rovereto, Caspar von Riccabona — Rentbeamter in Riva, u. a.

Bei der Durchsicht dieser Übersicht fällt vor allem auf, dass in dieser Zeit der bayrischen Besetzung sehr viele Gerichtsbeamte versetzt und auch einige bayrische Beamte in Tirol eingesetzt wurden. Dies ist besonders in den Landgerichten des Unterinntales zu beobachten. So versuchten also die Bayern, das Gerichtswesen in den von ihnen besetzten Gebieten in ihrem Sinne zu beeinflussen.

   
  Quelle: Ekkehard Hofbauer, Tiroler Gerichtsbedienstete zur Zeit der bayrischen Besetzung, in: Tiroler Heimatblätter, 48. Jahrgang, 1973, Heft 2, S. 53 - 55.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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