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  Ein interessanter Steckbrief
 

Dr. Hans Seewald

Im Schwazer Stadtarchiv, das sonst sehr arm an älteren Quellen ist, befindet sich unter Nummer 212/1813 ein sehr interessanter Steckbrief, der 1813 gegen den Schupfenwirt Johann Etschmann und Josef Speckbacher erlassen und im Gebiet von Schwaz verkündet wurde. Er ist handgeschrieben und zeigt, welche Angst die bayrischen Behörden noch im letzten Jahr ihrer Besetzung Tirols vor den Männern von 1809 hatten. Die Namen Speckbacher und Haspinger (Pater Joachim) hatten bei Freund und Feind ihren alten Klang nicht eingebüßt. Das Auftauchen Speckbachers im Wipptal und die von ihm unter Mithilfe der Naviser durchgeführte „Verhaftung" des bayrisch gesinnten Steinacher Postmeisters Johann Paul Cammerlander am 16. September 1813 hatte alles in Aufruhr gebracht. Es folgt der Wortlaut des Steckbriefes:

Johann Etschmann Wirth in der Schupfen Obley Mutters machte sich des Verbrechens der Teilnahme an Aufruhr, und des Einverständnisses mit dem berüchtigten Joseph Spekbacher sehr verdächtig, und entfloh.

Die wegen zu bestellender Spähe zur Habhaftwerdung dieses Wirts vom Königl. Landgericht Innsbruck mit Stekbrief vom 23.ten dieses hieher gekommene Personalbeschreibung, sowie jene des Spekbachers selbst, erhalten vom K. Generalkommisariat des Innkreises, wird daher in der Nachschrift dem Verpflichteten zu dem Ende mitgeteilt, seine Gemeinde hievon zur Aufsicht, Ergreifung, und Überlieferung zu Gericht auf betretten zu verständigen.

Zugleich wird dem Verpflichteten vernachrichtet, dass gemäß einer von Sr. Exellenz dem Commandirenden Hl. General Graf von Wrede an das königl. Truppen Corps-Commando in Rattenberg ergangenen Ordre vom 22.ten dies für denjenigen, welcher den berüchtigten Capuciner Pater Joachim tot, oder lebendig liefert, eine Prämie von Ein Tausend, Fünfhundert Dukaten bestimmt ist, weswegen auch dieses dem Verpflichteten eröfnet wird, um solches der Gemeinde zu eröfnen, und dessen Mitglieder zur Aufbringung dieses Bösewichts anzueifern. - Übrigens aber wird zur Beruhigung, und Verlautbarung eröffnet, dass in Folge einer weiteren von dem Chef commandirenden HI. General Graf von Wrede an das Königl. Truppen CorpsCommando erlassenen Ordre die Schiffahrt auf dem Innfluss, und der Handel bis auf weitern Befehle bis nach Passau bewilligt sey, jedoch alle Brüken, und Überfahrten, wie bisher besetzt bleiben müssen.

Schwatz den 27.ten September 1813

Koenigl. Baier. Landgericht Schwatz
von Vincenti

Personalbeschreibung

1./ Johann Etschmann ist ohngefähr 44 J. alt, von großer untersetzter Statur, hat ein rundes, volles Angesicht, eine gesunde Gesichtsfarbe, eine breite Stirne, graue Augen, große Nase, gewöhnlichen Mund, breites Kinn, braune Haare. Er trägt gewohnlich einen runden schwarzen Hut, einen grüntüchernen Überrock, schwarzlederne Hose, blau wollene Strümpfe, und Stiefel.

2./ Joseph Spekbacher ist ohngefähr 45 Jahre alt, von großer, etwas untersetzter Statur, hat ein längliches Gesicht, eingefallene Backen, eine schwarzgelbe Gesichtsfarbe, die in den Backen etwas roth ist, eine hohe Stirne, große, graue Augen, schwarze Augenbraunen, einen wilden Blik, große Nase, gewöhnlichen Mund, spitzes Kinn, schwarzen Schnurbart, der kurz ist, schwarzen Bakenbart, und solchen Haarn, die hinten etwas lang geschnitten sind.

Er trägt auf dem Kopfe einen runden Hut mit einer kleinen Scheibe, und einem grünen Wichstuchent überzogen, ein schwarzseidenes Halstuch, am Leibe einen grautüchernen, langgeschnittenen Überrock mit einem kleinen grüntüchernen Kragen, ein grün tüchernes Gilet mit einer Reihe Knöpfe von nämlichen Tuche, eine lange grün tücherne Hose und Stiefel. - Zur Bewaffnung trägt er einen Säbel mit einer gelben Scheide, und einem österreichischen Officier-Porte-épee, auch hat er in seinem Überroke mehrere doppelläufige Terzerole. –

Übrigens hat er eine sehr starke Sprache, und redet die Unterinnthaler Mundart. –

   
  Quelle: Hans Seewald, Ein interessanter Steckbrief, in: Tiroler Heimatblätter, Zeitschrift für Geschichte, Natur- und Volkskunde, 30. Jahrgang, Heft 7/9, Juli - September 1959, S. 92.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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