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  Peter Lergetporer, der Wachszieher von Schwaz
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Zu einer Zeit, wo es weder Gas noch elektrisches Licht gab, war die Wachszieherei ein einträgliches und blühendes Gewerbe; die Wachszieher brachten es daher zu großem Wohlstand und Ansehen. So auch die Wachszieher-Familie Lergetporer in Schwaz. Der Name Lergetporer (Lörgetpohrer) kommt von Lörget, d. h. Lärchenharz, und die Familie war vor Zeiten in Schwaz sehr verbreitet. Ein Urban Lörgetporer, ein „verstaendiger" Bürger aus Schwaz erschien 1720 auf dem großen Landtag zu Innsbruck.

Peter Nikolaus Lergetporer entstammte einer seit 1650 in Schwaz ansässigen Familie und wurde am 6. Dezember 1749 in Schwaz geboren. Großjährig geworden übernahm er das Kaufmannsgeschäft und die Wachszieherei seines Vaters in Schwaz. Im Juni 1796 rückte er als Oberleutnant der Schwazer Schützen zunächst an die Schweizer Grenze, hierauf ins Achental und endlich nach Südtirol, wo er die Gefechte bei Spinges (2. April 1797) und Faedo (bei Lavis, 20. März 1797) mitmachte. Am 23. April 1797 kämpfte er als Hauptmann der Schwazer Schützenkompagnie unter dem Kommando des Majors Dominik Florian von Cazan (geb. 4. Mai 1753, gest. 6. März 1835 in Neumarkt) in den Schanzen von Chrysanthen (Drautal) und befehligte den rechten Flügel der Cazan'schen Truppen. Am Pfingstmontag, 28. Mai 1798, nahm er mit einer Deputation seiner Schwazer Schützen auf dem Rennplatz in Innsbruck an der feierlichen Verteilung der Landesverteidigungsmedaille teil, die er selbst auch erhielt. Auch in den Jahren 1800 und 1805 war er als Kommandant in der „Riß" (Achental) unermüdlich tätig.

Im Sturmjahr 1809 war Lergetporer schon ein Sechziger; silberweiße Locken umrahmten das Haupt des biederen Mannes, der auch Mitglied des Marktausschusses von Schwaz und später dort Distriktskommandant war. Am 13. April 1809 abends empfing Lergetporer in Fügen das seit vier Jahren von den Tirolern sehnsüchtig erwartete österreichische Militär unter FMLt. Chasteler und geleitete den General im Triumphzug nach Schwaz. Am 18. April rüstete sich Lergetporer mit seinen Schützen zur Verteidigung des Achenpasses und als am 15. Mai die Franzosen anrückten, stellte sich Lergetporer mit seiner Kompagnie im „Tiergarten" bei Rotholz auf. Es gelang ihm auch, den Vormarsch des Generals Fürsten Wrede zu verzögern, doch nach verzweifelten Anstrengungen und einigen mit Todesverachtung durchgeführten Stürmen (an der Zillerbrücke) zwang ihn eine von Wiesing (bei Schwaz) heranrückende feindliche Abteilung, sich in die Felsschluchten von Georgenberg (bei Stans) zu retten, wo er im Stiftsgute Heuberg (bei Stans) übernachtete. Von den Höhen von Georgenberg aus musste Lergetporer am Morgen des 16. Mai 1809 sein stattliches Bürgerheim in Flammen aufgehen sehen. Ein Schaden von 38.000 Gulden war die Folge dieser furchtbaren Brandkatastrophe. Nach der Berg-Isel-Schlacht (29. Mai) erhielt Lergetporer, der im Zillertal stand, den Befehl, den zurückziehenden Franzosen in die Flanken zu fallen, viel zu spät, da der diese Depesche überbringende reitende Bote erst am 31. Mai in Fügen eintraf.

Tiefgebeugt klagte Lergetporer am 5. Juni 1809 den in Schwaz zur Besichtigung der Brandschäden eingetroffenen Andreas Hofer und Freiherrn von Hormayr sein Leid. Hormayr tröstete ihn und versprach Hilfe, während Andreas Hofer nur die lakonischen Worte sprach: „Es geat bisweiln halt a so!" Am 6. Juni kam Lergetporer zu einem Kriegsrate unter Vorsitz Andreas Hofers in das Herrenhaus zu Brixlegg.

Zu dem Schaden, den Lergetporer durch die Einäscherung seines Hauses und Geschäftes erlitt, kam auch noch der Verlust seines Bruders, des siebzigjährigen Benefiziaten Johann Lergetporer, der von den Franzosen zuerst misshandelt und dann bestialisch ermordet wurde. An den Berg-Isel-Schlachten im Mai und August 1809 dürfte Lergetporer nicht teilgenommen haben, wenigstens wird er nirgends in den Schlachtberichten erwähnt. Am 4. Oktober treffen wir ihn wieder bei der Kaiser-Messe in der Innsbrucker Hofkirche im Gefolge Andreas Hofers. Am 19. Oktober wollte er in Rattenberg mit seinen Schützen den neuerlich anrückenden General Wrede aufhalten, doch musste er der Übermacht weichen und flüchtete über Brandberg (Zillertal) ins Pustertal, um sich durch dieses und das Wipptal in Hofers Hauptquartier nach Steinach zu begeben, wo er mit knapper Not den Verfolgern entronnen am 27. Oktober glücklich eintraf.

Nach der unglücklichen Berg-Isel-Schlacht am 1. November 1809 wollte Lergetporer die Wildschönauer und Brixentaler unter die Waffen rufen, aber es war schon zu spät! Die Ouvertüre zum Totentanz hatte begonnen. Unverrichteter Ginge kam er am 11. November nach Hippach im Zillertal, wo ein kleiner Kriegsrat einiger Tiroler Schützenhauptleute abgehalten wurde, der aber infolge Nahens einer feindlichen Patrouille ein rasches Ende fand. Ende November 1809 floh Lergetporer, der stets die tirolische Schützen-Uniform trug, nach Wien, wo er sich beim Kaiser eine Hauptmanns-Pension von 600 Gulden erbat und erhielt.

Später übersiedelte Lergetporer, der auch ein wertvolles, in Handschrift im Feridinandeum aufbewahrtes Tagebuch „Kriegsgeschichte 1796 bis 1812" über das Jahr 1809 verfasst hatte, nach Linz a. D. und starb als k. k. pensionierter Hauptmann in Urfahr am 1. März 1825. Seine Gattin Eleonore (geb. 1761 in Fügen) war eine geborene von Schmuck, sein Sohn Johann hatte sich schon 1801 selbständig gemacht, diente 1809 als Leutnant bei der Schwazer Kompagnie, nach Friedensschluss brachte Johann das väterliche Geschäft zu neuer Blüte. Das alte stattliche Lergetporer-Haus stand ungefähr dort, wo sich heute die Häuser Arnold und Nußbaumer befinden. — Ein anderer Sohn (Lergetporer hatte elf Kinder), namens Alois (geb. 17. Juni 1786 in Schwaz, gest. 29. April 1851 in Salzburg), siedelte sich als Kaufmann in Salzburg an und bekleidete dort viele Jahre das Amt eines Bürgermeisters von Salzburg. Des alten Lergetporers Porträt hängt in der Speckbacher-Galerie des Berg-Isel-Museums, sein Grab in Urfahr ist unauffindbar.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 313 - 316.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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