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  War Napoleon I. in Tirol?
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Wenn man vom Kampf Andreas Hofers gegen Napoleon, wenn man von napoleonischen Truppen, von den Siegen der Tiroler über Napoleon spricht, so meint man damit historisch richtig wohl nur die Marschälle und Generale Napoleons, die über seinen Befehl Tirol in die Knie zwingen und der Herrschaft des eroberungssüchtigen Kaisers unterwerfen sollten. Napoleon (geb. 16. August 1769 in Korsika, gest. St. Helena am 5. Mai 1821), der große Korse, war persönlich im Jahr 1809 niemals in Tirol, aber im Jahr 1796.

Die französische Direktorialregierung (1795 — 1799) befahl im April 1796 dem Kommandanten der Konventstruppen und Oberbefehlshaber der französischen Armee in Italien, General Napoleon Bonaparte, damals 27 Jahre alt, von Nizza aus Oberitalien und die Lombardei anzugreifen und zu erobern. Bis zu der von den Österreichern verteidigten Festung Mantua ging der siegreiche Vormarsch Napoleons glatt vonstatten. Nun blockierte Napoleon die Festung, weshalb der österreichische Feldmarschall Dagobert Sigmund Graf von Wurmser (geb. 7. Mai 1724 in Straßburg, gest. 27. August 1797 in Wien) am 29. Juli 1796 zum Entsatz der Festung heranrückte. Aber Wurmser wurde am 5. August bei Solferino geschlagen und zog sich am 12. August nach Trient zurück. Ende August versuchte Wurmser nochmals den Entsatz Mantuas, aber bald musste er wieder retirieren, und zwar nach Calliano, Castel-Pietro und schließlich nach Trient. Aber auch Trient konnte von Wurmser nicht gehalten werden, er trat den Rückzug (4. September) bis hinter den Avisio nach Lavis an; die Franzosen folgten. Napoleon, der persönlich die unter Umgehung Mantuas gegen Südtirol vorrückenden Truppen anführte, rückte am 5. September 1796 um halb 8 Uhr früh in Trient ein und betrat an diesem Tage zum ersten und letzten Mal Tiroler Boden. Noch am selben Nachmittag nahm Napoleon eine Rekognoszierung bis Lavis vor, fand es aber nicht ratsam, sich den Kugelbüchsen der dort postierten Tiroler Landesverteidiger auf Schussweite zu nähern, sondern kehrte nach kurzem Aufenthalt nach Trient zurück, um sich dann einige Tage später durch das Sugana-Tal zur Armee nach Italien zu begeben. In Borgo (Val Sugana befindet sich in dem Hause Kirchengasse Nr. 127 des Fleischhauers Franz Orsingher in der Wand und in dem Wohnzimmer je eine Gedenktafel an den Aufenthalt Napoleons in diesem Hause am 9. September 1796. Nach dem Fall Mantuas (2. Februar 1797) drang Napoleon über die Ostalpen nach Wien vor. So hat Napoleon das Land Tirol auch mit einem, wenn auch kurzen, Besuch „beehrt".

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 224.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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