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  In den Kasematten von Mantua
 

Von Dr. R. v. Granichstaedten-Czerva

Zum ersten Mal soll hier versucht werden, eine Liste der in der Zeit von 1809 bis 1811, also um die Zeit der Einkerkerung Andreas Hofers, in Mantua inhaftierten Tiroler oder solcher Personen, die an der Seite der Tiroler Landstürmer kämpften, zusammenzustellen. Die Hauptquellen boten Hans Kramers Werk „Die Gefallenen Tirols“ (Innsbruck 1940, Schlern-Schriften Nr. 47), A. Simeoners „Die Stadt Bozen“ (S. 751, 778), eine in der kleinen Broschüre „Hofers Leidensgenossen in Mantua“ v. F. Steiner-Hauenstein (Meran 1910, Pleticha) enthaltene „Consignation über die im Jahre 1810 zu Mantua in der Kriegsgefangenschaft befindlich gewesenen Tiroler Landesvertheidiger“, ferner die Akten des Staatsarchivs Wien, von denen aber gerade jener Akt 243/1811, S. 9, Pol. Hofstelle VII/A/16, der ein Verzeichnis der in Mantua Inhaftierten enthielt, beim Brande des Justizpalastes (15. Juli 1927) zugrunde ging, eigene Notizen und spärliche Nachrichten in der Literatur über das Jahr 1809.

In den Kriegsjahren 1796 — 1800 wurden die kriegsgefangenen Tiroler nach Verona gebracht, wo im dortigen Spitale allein 225 Tiroler starben. Hier interessiert uns hauptsächlich das „KZ“ Mantua, das durch Hofers Opfertod für die Geschichte Tirols 1809 eine Bedeutung erlangte. Im Al-Vaso-Turme, über der Schleuse des Mühlendammes, der im Erdgeschosse die Torwache, im Obergeschosse die Gefängnisräume enthielt, befand sich das große Militärgefängnis der Festung. In der Nordwestecke des 1. Stockes des (1850 demolierten) Al-Vaso-Turmes lag die 5,70 m breite, 5 m tiefe und 4,70 m hohe Zelle Nr. 11, in der Hofer und Kajetan Sweth interniert waren. Auch in den Zellen 2, 3, 7, 8 und 9 lagen Tiroler. Mantua war nach dem Aussterben der Herzoge von Mantua (letzter: Karl IV. von Gonzaga, gest. 1708) an Österreich gefallen, 1785 zur Lombardei geschlagen und am 2. Februar 1797 von Napoleon erobert. Zur Zeit Hofers stand also Mantua unter französischer Herrschaft.

Immer, wenn den vorrückenden Napoleonischen Truppen Landstürmer in die Hände fielen, wurden sie in die oberitalienischen Festungen, meistens nach Mantua, abgeführt. Später vermehrte sich die Zahl der in den Kämpfen gefangenen um jene, die noch nach dem Frieden von Schönbrunn (14. Oktober 1809) sich der neuen Herrschaft nicht unterwerfen wollten. Hunderte von Tirolern erlagen in Mantua ihren Kriegswunden, den Unbilden der strengen Haft und dem ungewohnten heißen Klima (Malaria). Später musterte man die Schar der Gefangenen, die älteren Jahrgänge wurden allmählich in die Heimat zurückgeschickt, die jüngeren, weniger als 40 Lenze zählenden, steckte man in die Fremdenbataillone (z. B. Kajetan Sweth). Viele wurden nach Sardinien, Korsika und Elba deportiert. Kaiser Franz ließ zwar durch den Staatsminister Fürsten Metternich den österreichischen Gesandten in Paris, Philipp Fürsten Schwarzenberg, anweisen, die Freilassung der kriegsgefangenen Tiroler zu erwirken (21. November 1810 und 3. April 1811), aber alle Bemühungen blieben ohne Erfolg.

Aus Bozen allein wurden am 23. Dezember 1809 16 Mann, am 29. Dezember 1809 sechs Bauern und der Kurat von Vals, Peter-Jakob Spreng, nach Mantua abgeführt. Im folgenden bringen wir nun eine gewiss unvollständige Liste der „Mantuaner“ mit den Abkürzungen: gef. = gefangen, M. = Mantua. Die in Klammern gestellten Namen sind der früher genannten „Consignation“ von 1810 entnommen.

Aichner Matthias, Baumann in Moritzing. gest. 2. 10. 1809 in M.

Bachleitner Josef.

Bechler Josef, Neustift-Baumann.

Bernbrunn Karl, geb. 17. 7. 1787 Krakau. gest. 14. 8. 1854 Bad Ischl, Gründer des Carl-Theaters in Wien, hatte in M. seine Zelle oberhalb jener Andreas Hofers, wurde in Bassano am 6. 6. 1809 gefangen.

Betta Josef v., geb. Trient um 1761, war drei Monate in M., gest. 12. 8. 1833 in Trient.

Bianchi Oktavian v., am 23. 5. 1809 in Agordo gefangen, in M. 1810 erschossen.

Bloner (Ploner) Anton, vulgo Schickmair.

Bohn Kosmas, geb. 1789 Jechtingen bei Breisach (Baden), Akademiker von Freiburg im Breisgau, verteidigte die Lienzer Klause (8. 8. 1809), wurde am 29. 9. 1809 bei Chiapuzzo an der Boite (Piave) gefangen, in M. interniert und sah dort Andreas Hof er zum Richtplatz schreiten. Im Jahre 1845 war Bohn Kommandant der Franzensfeste. Er starb als Oberst und Platzkommandant von Wien dort am 21. 11. 1867.

Bossi-Fedrigotti Kamillo v., geb. 18. 7. 1783 Sacco, 1809 gef. in M., im Jahre 1838 Wagnermeister der Tabakfabrik in Trient.

Brunner Franz.

Campi-Heiligenberg Johann v., geb. 29. 5. 1775 in Margreid bei Neumarkt, seit 24. 12. 1809 in M. gef., gest. 14. 10. 1848 Baden b. Wien.

Criesti Johann.

Degeser Anton, aus Meran, bis 16. 10. 1811 in M.

Degischer (Degesser) Anton, Tischler in Hötting.

Degischer (Degesser) Johann.

Dengler (Degler) Josef Georg, von Hötting.

Fenner v., Sohn des Johann-Josef und der Maria Elisabeth von Prunner-Hirschbrunn, Bruder des FMLT. Franz v. Fenner-Fennberg, gef. in M.

Freumel (Frenna?), Schützenleutnant.

Gamper Josef-Georg, aus Marter, Hauptmann der 2. Komp. von Castelbell.

Giovanazzi Bartlmä.

Goëß Peter Graf v., geb. 1774 Florenz, gest. 1846 Wien, vom 8. bis 22. 4. 1809 General-Intendant von Tirol, gef. 22. 4. 1809 bei Padua, gef. in M.

Gonnag (?) Johann Baptist.

Gutwenger (Gutweger) Franz, Bauer von Tessenberg b. Sillian; bei Amlach (Lienz) am 8. 8. 1809 gef., starb in M. am 4. 1. 1810.

Herrnhofer Peter, geb. Kaltern, Taglöhner, gest. 15. 4. 1810 in M.

Hitzlberger Franz, Wegmeister in Kaltern.

Hitzlberger Josef, Bruder des Franz.

Hofer Andreas, Oberkommandant von Tirol, geb. 22. 11. 1767 St. Leonhard im Pass., erschossen in M. 20. 2. 1810.

Hoffer Thomas, Bauer in Kartitsch, bei Amlach gef.

Jeller (Iller) Johann, Bauer in Tessenberg (Sillian), bei Amlach gef., aus M. entlassen, in der Heimat am 3. 8. 1810 gestorben.

Kögl, war mit Kajetan Sweth in der gleichen Zelle in M.

Kühbacher Nikolaus, aus Sterzing.

Lama Johann Ignaz von, Appell.-Rat in Trient, am 26. 9. 1809 nach M. verschleppt, gest. 17. 3. 1834 Innsbruck.

Landschner Johann-Josef, kam 4. 4. 1810 von M. nach Elba.

Langer Josef.

Lanner Alois (Luis).

Larcher Anton, von Tisens.

Lercher Anton, geb. Welsberg, Tischler, gest. M. im Kerker.

Lindner (Linter) Johann, Bauer in Gries b. Bozen, gest. 30. 12. 1809 in M.

Loferer (Locher) Josef, wurde 5. 4. 1810 von M. nach Elba deportiert.

Lusser (Loser) Kaspar, Bauer in Tessenberg, bei Amlach gef., nach Rückkehr aus den Kasematten von M. am 5. 8. 1810 in Tessenberg gestorben.

Luller Leonhard.

Mair Josef, Bauer in Meran.

Manini Dominik.

Mathei Stefan.

Mallei Franz.

Mayr Johann, Baumann in Gries b. Bozen, gest. M.

Mayrhofer Josef-Johann, Wirt in Lana, gest. Herbst 1809 in M.

Mitterwurzer Johann-Sebastian, geboren 1789 Niederdorf, gef. 30. 11. 1809 in Niederdorf, am 5. 4. 1810 von M. nach Elba deportiert.

Moretti Josef.

Mumelter (Monncleter) Johann, Bauer und Kellermann.

Obser Andreas, geb. um 1790 in Ueberlingen, Freiburger Akademiker, am 29. 9. 1809 bei Chiapuzzo gef., Oberlt., sah Andreas Hofer zur Richtstätte führen; gest. 4. 3. 1810 in M.

Orsi Josef, geb. Folgaria.

Pachler Johann.

Paravicini Rudolf Gf. v., geb. 1780 Tirano, gef. 1. 10. 1809 in M., 26. 5. 1810 in M. zum Tode verurteilt, aus dem Kerker entflohen, gest. im Militärspital zu Odessa 1835.

Pfermer (?) Josef.

Plattner Johann.

Prettner Franz.

Rainer Josef, aus Jaufenthal bei Gossensaß, geb. 1772, gef. M. Ende 1809.

Regele Josef-Matthias, Knecht aus Gries b. Bozen, am 4. 4. 1810 von M. nach Elba deportiert.

Rosner Josef.

Rottensteiner Johann, am 5. 4. 1810 von M. nach Elba deportiert. Von ihm existiert ein Porträt des Malers Johann Volser (Bozen-Quirain).

Santa Josef, Stud., geb. Petersberg bei Deutschnofen, gest. 1810 in M.

Sartori Franz Xav., geb. St. Lorenzen; gef. 2. 10. 1809 bei Ampezzo, von M. nach Elba deportiert, gest. 31. 8. 1811 im Militärspital zu Paris.

Schießling Alois (Luis).

Schießling Sebastian, aus Scheffach, Pfarre Reith. Bruder des Alois.

Schneeberger Josef, Bauer in Hollenzen (Zillertal).

Schneider Johann. Schütz.-Lt.

Schott Georg, Baumann in Gries b. Bozen, gest. 1809 in M.

Schwiwalek (?) Matthias.

Seiter, aus dem Jaufenthal, wurde am 19. 12. 1809 von Bozen nach M. eskortiert.

Senoner Anton, geb. Bozen, kam am 5. 4. 1810 von M. nach Elba.

Soll Michael, Baumann in Gries b. Bozen, gest. 1810 in M.

Sommerer Alois, Steinmetz, Ref. in der Lienzer Klause, gest. 10. 12. 1809 in M.

Spreng zu St. Anna Anton v., Gerichtsaktuar in Deutschnofen, gest. 1810 in M.

Spreng Peter-Jakob, geb. 22. 7. 1775 in Brixen, Kurat in Vals, schmachtete vom 29. 12. 1809 bis 18. 1. 1811 im Kerker zu M., gest. 27. 5. 1838 in Anras.

Stadele Josef.

Stadtler Franz, am 5. 4. 1810 von M. nach Elba deportiert.

Steidl Georg.

Steiner Johann, Kappler-Wirt in Reischach, 1809 in M., gest. 1811 in Elba.

Stoll Thomas-Josef, Kaplan in Uttenheim, wurde am 18. 1. 1810 von Bozen mit 29 gef. Landstürmern nach M. eskortiert.

Suppiei Anton, geb. Alverà, gefangen in Chiapuzzo am 29. 9. 1809. gest. 1810 in M.

Sweth Kajetan, Sekretär Andreas Hofers, geb. 18. 8. 1785 Graz, gest. 21. 3. 1864 Innsbruck, wurde am 28. 10. 1810 auf der Pfandleralpe gef., war vom 5. 2. 1810 bis 11. 4. 1810 in M., dann auf der Insel Elba.

Tschurtschenthaler Simon (Perion), Bauer in Sexten, geb. 1785 Sexten, gef. in der Lienzer Klause 8. 8. 1809, von M. nach Elba überführt, in Elba 2. 12. 1809 gest.

Unterhofer Josef, aus Antholz.

Walder Paul, Bauer in Winnebach, in Amlach gef., gest. 1811 in M.

Waldner Josef, geb. Hall.

Weggler Johann.

Weiler Michael.

Weißensteiner Bartlmä, geb. Petersberg b. Deutschnofen, Taglöhner, gest. 1810 in M.

Wießer Leonhard, am 5. 4. 1810 von M. nach Elba deportiert.

Wießer Matthias, am 5. 4. 1810 von M. nach Elba deportiert, bei Amlach gef., Bauer in Kartitsch, gest. in Korsika.

Wille (Tolle) Johann (Georg), aus Heiterwang oder Ehrenberg, Oberkommandant von 24 Kompagnien des Lechtales (Reutte).

Willmann Josef.

Wöchler Franz.

   
  Quelle: Rudolf v. Granichstaedten-Czerva, In den Kasematten von Mantua (mit Namen der gefangenen Tiroler), in: Der Schlern, Illustrierte Monatsschrift für Heimat- u. Volkskunde, 27. Jahrgang, 2. Heft, Februar 1953, S. 51 - 53.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2008.