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  Josef von Morandell
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

In der Andreas-Hofer-Galerie des Berg-Isel-Museums fällt dem Besucher das Porträt eines Schützenoffiziers auf, der durch seine scharf geschnittenen Gesichtszüge, seine wallenden Locken, die enganliegende Jägeruniform und den eleganten Zweispitz mit dem grünen Federbusch von den übrigen Bauernköpfen dieses Saales seltsam absticht. Es ist Josef Valentin v. Morandell. Er entstammt einer alten Kalterer Familie, von der schon, dedato Innsbruck, 12. Juni 1607, Ulrich Morandell den rittermäßigen Adelstand und das bisher von seinen Vettern geführte Wappen erhielt, woraus mit Diplom vom Jahre 1786 Franz Anton Morandell als „Ratsglied“ von Kaltern neuerlich mit dem Prädikat „zu Westerhofen" geadelt wurde.

Zu Kaltern wurde Josef v. Morandell am 9. November 1770 geboren und ward schon in jungen Jahren der intime Freund des fast gleichaltrigen Andreas Hofer. Schon anfangs 1809, am 10. Jänner, kam er mit Hofer, Nössing und Huber im Weiler Frangart (bei Eppan) im „Buschen“ Bernhard von Eyrls heimlich zusammen und beschloss mit den anderen die berühmte Wiener Reise, wobei Morandell der Finanzier war, aber selbst an der Reise aus taktischen Gründen nicht teilnahm, vielmehr inzwischen die Fäden in Südtirol weiterspinnen sollte.

Am 9. April wurde er über Weisung Erzherzog Johanns zum Kommandanten über Kaltern, Salurn, Neumarkt, also der Gegend des Etschlandes südlich von Bozen, ernannt und erließ schon am 14. und 17. April 1809 die ersten Aufmarschbefehle.

Mitte Mai treffen wir Morandell bei Erzherzog Johann als Gesandten Andreas Hofers, am 21. Mai erhält er von der Gattin des Sandwirtes die Meldung Hofers von der Kooperation des Militärs mit den Bauerntruppen. Nach der dritten Berg-Isel-Schlacht wird Morandell am 4. Juni neuerlich zum Kommandanten von Kaltern ernannt, am 4. September 1809 (Bozen) bestellt ihn Hofer „ob seiner Rechtschaffenheit" zum „Chef“, der die ganze Gewalt haben, authentisierter Oberkommandant sein, Proklamationen, Befehle und Anordnungen erlassen, die Unterkommandanten ernennen und sich nur in wichtigen Dingen bei Hofer anfragen sollte. Am 9. September ließ Morandell aus Kaltern die Ortsobrigkeiten den Tatbestand über alle vorgefallenen Exzesse erheben, machte alle Offiziere für die bei ihren Kompagnien begangenen Exzesse mitverantwortlich, hielt strenge Zucht und Ordnung und ernannte Josef Schweiggl, Anton Tenig und Jakob Torggler zu Unterkommandanten im südlichen Tirol.

Morandell war Andreas Hofers rechte Hand in Südtirol und der einzige dort ständige legitimierte militärische Befehlshaber des Schützenmilitärs. Am 2. Oktober sammelte Josef nach Läutung der Sturmglocken alle verfügbaren Mannschaften des Etschlandes, konnte aber das Vorrücken der Franzosen nicht mehr verhindern. Am 12. Oktober mahnte Morandell, welcher im Krieg nur die „Stimme des Rufenden" war, von Kaltern aus auf das eindringlichste zum Widerstand gegen den die Religion und das Vaterland verheerenden Feind und ordnete einen allgemeinen Bettag .an, damit das Vaterland aus der drohenden Feindesgefahr möglichst befreit und den Landesverteidigern starker Mut wider die Feinde verliehen werde. Josef von Hormayr nennt ihn einen zaghaften, aber redlichen und patriotischen Mann.

Am 20. Oktober verlangte er Mannschaften gegen Trient und wurde in seinen Aufrufen auch durch eigenhändige Befehle Andreas Hofers unterstützt. Anfangs November begab er sich zu Hofer nach Steinach und nach der letzten Berg-Isel-Schlacht zurück nach Bozen, wo er, da sich die Stadt inzwischen dem französischen General Peyri unterworfen hatte, nach Kaltern heimkehrte.

Als sich am 22. Juli 1810 Anna von Hofer, die Witwe des Sandwirtes, nach Wien zum Kaiser begab, nahm sie Morandell, als ihren vertrautesten Freund und Begleiter, mit. Morandell benützte den Wiener Aufenthalt, um selbst beim Kaiser um eine Pension bittlich zu werden, die er auch in der Höhe von 1000 fl. jährlich erhielt. Die Hoferin bestand in Wien darauf, dass man auch Morandell zur Audienz zulasse und da Baron Hormayr und v. Roschmann diesem das beste Zeugnis ausstellten, empfing Franz I., auch den Kalterer Schützenmajor. Dieser, als gewesener Insurrektions-Kommandant, erbat die Fürsprache des Kaisers, weil die bayerischen Behörden in Kaltern von ihm die Rückzahlung aller bei der Insurrektion von ihm für Kriegszwecke gemachten Requisitionen bei sonstiger Exekution verlangten und hierfür den Betrag von 23.000 fl. forderten. Am 26. September verließ Morandell Wien und reiste nach Kaltern zurück.

Nach seiner Rückkehr hielt er einige Zeit lang Ruhe, nahm aber dann wieder an der Aufstandsbewegung 1813 teil und wurde bei dem Rückzug der Italiener nach deren Niederlage in der Mühlbacher Klause (7. Oktober 1813) von den Italienern als Geisel aus Kaltern mitgeschleppt, nach kurzer Deportierung aber wieder freigelassen. Am 30. Jänner 1841 erhielt Morandell vom Kaiser den Titel eines pensionierten k. k. Schützen-Majors.

Am 5. Oktober 1843 starb Morandell in Kaltern und wurde dort bei der Spitalskapelle unter einem einfachen Marmorkreuz beigesetzt.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 335 - 338.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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