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  Josef Patsch
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Ein feuriger Tiroler, ein glühender Patriot, war der Schullehrer von Wilten, Josef Patsch. Als Sohn des Schulmeisters von Wilten dort am 17. November 1780 geboren, ergriff er schon jung den Wanderstab, erlernte in Offenburg (Baden) die Schriftsetzerei und kehrte nach längerer Gesellenwanderung im Jahre 1807 nach Wilten zurück, wo er anfangs 1809 „Schulgehilfe" wurde. Seine Beteiligung an dem Aufstand 1809 hat Patsch im Jahre 1838 in den „Beiträgen zur Geschichte des Tiroler Krieges 1809" niedergeschrieben. Da er sich am Märzrummel in Axams (14. März 1809) indirekt beteiligte, flüchtete er anfangs April 1809 nach Wildermieming (bei Silz), von wo er am 9. April die Axamer Mittelgebirgsbewohner alarmierte. Patsch wurde dann Hauptmann der Wiltener Schützenkompagnie.

Am 11. April zechten mehrere Ellbögner Schützen mit ihrem kühnen Hauptmann Johann Penz, genannt Schandl, und dessen beiden Söhnen nachts beim Bierwirt (Bierstindl) ober dem Stifte Wilten. Sie machten dabei soviel Lärm, dass die nächstliegende bayerische Wachabteilung aufmerksam wurde und sich, 24 Mann stark, anschickte, die Landstürmer auszuheben. Josef Patsch, der im Stifte wohnte, bemerkte die anrückende Mannschaft, schlich sich rasch zur Schenke, rief die Leute heraus, stürzte sich mit ihnen auf die Soldaten und nahm einen Grenadier gefangen, die übrigen entkamen durch schleunigste Flucht.

Am 12. April wurde Patsch von der bayerischen Kavallerie überfallen und entging den tödlichen Hieben der Dragoner nur durch die schnelle Flucht in ein Haus, dessen Türpfosten die ihm geltenden Hiebe aufnahmen. Am 13. April nahm der Hitzkopf und Wagehals dem kapitulierten General Georg Freiherrn v. Kinkel bei der Innsbrucker Hauptwache den Säbel ab. Schweigend und bleichen Antlitzes überreichte ihm der greise General die Waffe mit den Worten: „Ich gebe mich gefangen!" Am 14. April zog Patsch mit einer alten österreichischen Fahne, die er in der Wiltener Pfarrkirche fand, und die er unaufhörlich schwang, den einziehenden Österreichern entgegen.

Am 15. Mai 1809 stellte sich Patsch, der „Wagehals", mit seinen Wiltenern zur Verteidigung von Schwaz bei Stans auf, musste aber beim Anzug des Feindes die Stellung räumen. Auch sein Versuch, die sogenannte „Lähnbrücke" bei Schwaz vor dem Feinde abzubrechen, misslang. An den Mai- und August-Kämpfen am Isel-Berge konnte Patsch wegen Erkrankung nicht teilnehmen. Er blieb in seiner Wohnung im Kloster Wilten und beobachtete vom Kirchturme aus die furchtbaren Kämpfe.

Am 1. Oktober 1809 führte Patsch seine Wiltener Kompagnie in die Scharnitz zur Grenzverteidigung, begab sich dann zu Andreas Hofer, der den Patsch ein „hitziges Vötterle" zu nennen pflegte. Am 27. Oktober, als die Bayern schon in Innsbruck eingezogen waren, leisteten die Landstürmer noch an verschiedenen Punkten der Stadt Widerstand, weshalb die feindliche Kavallerie die Tiroler Schützen attackierte. Patsch, der beritten war, und in der Stadt beruhigend wirkte, konnte nur durch Schwenkung eines weißen Tuches und den Friedensruf seine Leute retten. Am 5. November riet Patsch zu Sterzing dem Sandwirt zur Flucht und hatte schon Rasierzeug und Handtuch bereitgestellt, um den Sandwirt den verräterischen Bart abzunehmen. Aber Hofer, dem neue Siegeshoffnungen eingeflüstert wurden, gab den Fluchtplan wieder auf. Am 6. November sandte Hofer den Patsch herum, die Bauern wieder aufzubieten, was ihm aber nicht mehr gelang.

Nachdem der Aufstand der Tiroler niedergerungen war, wurden die bekanntesten Schützenhauptleute für vogelfrei erklärt und auf ihren Kopf hohe Prämien ausgeschrieben. So auch auf unseren Josef Patsch, für dessen Habhaftmachung 300 Gulden versprochen wurden. Patsch flüchtete ins Sellraintal, irrte in unbeschreiblicher Not unter Ertragung von Hunger und Kälte herum, bis er schließlich am 22. März 1810 auf der Ögg in Oberperfuß einen Zufluchtsort fand, von dem natürlich nur ein paar seiner vertrautesten Freunde Kenntnis hatten. Am ersten Faschingdienstag kam nun ein angeblicher Tiroler auf das Mittelgebirge und forschte nach unserem versteckten Patrioten, dem er geheime Aufträge des Sandwirtes zu überbringen vorgab. Niemand wollte etwas von Patsch wissen, doch wies man den Ankömmling an den Bürgermeister von Grinzens, Josef Abfalter. Dieser glaubte des Verräters Worten und führte ihn noch des Abends nach Oberperfuß in dem guten Glauben, dem armen Flüchtling damit einen guten Dienst zu erweisen.

Der Bauer Paul Haider (geb. 24. Jänner 1785 in Gries im Sellrain, gest. 28. Jänner 1877 in Umhausen), der Hofers Gefangennahme bereits erfahren hatte, traute der Sache nicht recht und eilte, als er von diesem verdächtigen Besuche gehört hatte, ebenfalls nach der Ögg, wo er sich unter dem Vorwand, Schlachtvieh für das Militär zu kaufen, Eintritt zu Patsch verschaffte. Er wusste den Patsch über den wahren Charakter des Spions zu verständigen und riet ihm zur schleunigsten Flucht; für diese Nacht sollte er bei ihm in Grinzens bleiben, wohin auch beide noch in der Dunkelheit gelangten. Doch der Spion hatte genug erfahren.

Patsch hatte sich nach kurzer Labung ermüdet mit Haider und dessen Knechte in einer Schlafkammer zur Ruhe begeben, als um 3 Uhr morgens laut an der Haustüre gepocht wurde und Haiders Schwester meldete, dass der ganze Hof von Soldaten umzingelt sei. Vergeblich suchte Haider einen Ausweg für seinen Freund, jedoch immer drohender forderten die Offiziere Einlass. Nun flüchtete Patsch unter das Dach und verkroch sich in einem Kamin, während unten geöffnet wurde. Haider hatte sich wieder in sein Bett gelegt, da trat schon der Kommandant des Piketts in die Kammer. Den in der ersten Bettstätte liegenden Knecht fragte er, ob er der Haider sei, was dieser verneinte und, auf die zweite Bettstatt zeigte. Haider leugnete, dass der gesuchte Patsch im Hause sei und nun wurde das ganze Haus von unten bis oben durchstöbert, jeder Winkel unter Fluchen durchsucht, aber man fand den Flüchtling nicht. In der Stube suchte der Offizier abermals den Haider und seine Leute durch Drohungen einzuschüchtern, aber es verriet niemand den Versteckten.

Nun verließen die Soldaten unverrichteter Dinge das Haus. Patsch, der in dem Kamin fast erstickt war, schlüpfte aus seinem Versteck hervor und verkroch sich unter dem Strohhaufen — das war sein Unglück! Denn kaum hatte er sein neues Versteck erreicht, da polterten die Soldaten nochmals die Stiege herauf, mit den Bajonetten wurden die Futtervorräte durchstochen — da, ein Schrei, ein Bajonettstich hatte Patschens rechte Wade durchbohrt ,— er war in der Gewalt der Feinde!

Patsch und Haider wurden nun gefesselt nach Götzens geführt. Unterwegs hatte man sie tüchtig mit Kolbenstoßen traktiert. Mit wildem Fluchen empfing der Major Frank in Götzens die Delinquenten. Er brüllte sie an: „Hätte ich Vollmacht, so tat ich euch augenblicklich erschießen lassen!" Dann warf er dem ohnehin durch den Blutverlust arg erschöpften Patsch einen Stuhl derart an den Kopf, dass Patsch bewusstlos zu Boden sank. Nun ließ er beide mit Heuseilen binden, so dass sie kein Glied rühren konnten, auf einen Wagen werfen und nach Innsbruck führen. In der Stadt wurden die Gefangenen wie Verbrecher zur Schau herumgeführt, man kündigte ihnen baldiges Erschießen an, endlich führte man sie zu dem französischen General Grafen Johann Bapt. Drouet d'Erlon.

Inzwischen hatten die Schwestern des Patsch in Wilten von der Gefangennahme ihres Bruders gehört und eilten zu dem Prälaten von Wilten Markus Egle (geb. 26. Juni 1736 in Innsbruck, gest. 24. Jänner 1820 in Innsbruck), seine Hilfe zu erbitten. Dieser riet ihnen, sich an die Gräfin Maria Anna von Wolkenstein-Rodenegg (geb. 1775, gest. 26. November 1843) zu wenden, und diese hochherzige Name, eine geborene Gräfin Thurn und Taxis, säumte nicht, beim Höchstkommandierenden für die Beiden Fürbitte einzulegen, so dass wenigstens das vom Stadtkommando am 24. März 1810 beschlossene Todesurteil an ihnen nicht sofort vollzogen wurde. Beide erhielten strengste Haft, Patsch wurde, an einen Wagen gekettet, nach München abgeführt, wo er im Korrektions-Hause (Roten Turm) durch fünf Monate, bis Ende August 1810, alle Qualen schwerster Gefangenschaft erdulden musste. Nach seiner Freilassung trat Patsch wieder in seinen Beruf als Schulgehilfe in Wilten, trug am 21. Februar 1823 Hofers Sarg in die Hofkirche, erhielt eine kaiserliche Pension von 150 Gulden und starb in Wilten am 23. Mai 1847. Sein Name bleibt mit den ruhmvollen April-Kämpfen der Tiroler im Jahre Neun immer verbunden.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 347 - 351.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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