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  Josef Lutz
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Auf jener Erdzunge, die sich durch den gewaltigen Schlangenzug des Rheinstromes unfern seines Eintrittes in den Bodensee bildet, liegt das Dorf Gaißau, gerichtlich zu Dornbirn gehörig, mit (seit 1789) einer Pfarrkirche und einer Schule.

Hier wurde am 28. Juni 1791 Josef Anton Lutz als Sohn des Jakob Lutz und der Maria Ida Lutz, geb. Helbok, geboren. Mit 18 Jahren schloss er sich als Vorarlberger freiwilliger Landesverteidiger, als einer der ersten „vor dem Arlberge", den Tirolern an und machte am 29. Juni 1809 den Beutezug nach Konstanz mit. Eine Kompagnie Landesverteidiger rückte am Nachmittag des 28. Juni nach Hard und Fußach und bestieg die fünf bereitliegenden Schiffe, um im Dunkel der Nacht den See zu überqueren. Das Wagnis gelang und beim Morgengrauen wurde die ahnungslose und nur von wenigen badischen Truppen besetzte Stadt Konstanz überrumpelt, worauf die tapfere Schar wieder nach Vorarlberg zurücksegelte.

Am 12. Juli 1809 nahm Lutz an den Kämpfen bei Kempten teil, bei welcher Gelegenheit er den von den Franzosen umringten Adjutanten der Hofsteiger Kompagnie namens Schwärzler aus der Umklammerung heraushaute und vor der Gefangennahme rettete. In der Folgezeit nahm Lutz an mehreren Scharmützeln teil und wurde im Gefecht bei Schruns am 31. Oktober 1809, bei dem die Vorarlberger unter Führung ihres tapferen Majors Bernhard Ridmiller (geb. 5. Juni 1757 in Memmingen, gest. 9. Jänner 1832 in Wien) die Franzosen überfielen, durch einen Bajonettstich am Arm schwer verwundet.

Als der aussichtslose Widerstand auch in Vorarlberg gegen Ende des Jahres 1809 zu erlahmen schien, flüchtete Lutz nach St. Gallen und fand dort als Sattlergehilfe sein Fortkommen. 1812 reiste er mit einem Schweizer Pass nach Wien und arbeitete dort als Hutmacher. Im Jahre 1826 übernahm er eine Gastwirtschaft am Spittelberg Nr. 91 (heute VII., Schrankgasse 18, Ecke Burggasse 21), arbeitete sich zu bedeutendem Wohlstand empor und erhielt am 6. Mai 1841 das Bürgerrecht der Stadt Wien. Außerdem war er Armenvater, Kriminal- und Gerichtsbeisitzer, Cholerakommissär, Veteran und Stifter des Tiroler Veteranenvereines in Wien, Ehrenmitglied des Feldmarschall Graf Radetzky-Vereines in Innsbruck, Besitzer der Silbernen Tapferkeitsmedaille, der Goldenen Preußischen Huldigungsmedaille mit der Kette und der Päpstlichen Großen Silbernen Erinnerungsmedaille. Bekannt wurde Lutz in Wien im Jahre 1840 durch die Stiftung des Seelenamtes für immerwährende Zeiten für die im Jahre 1809 gefallenen Tiroler und Vorarlberger Landesverteidiger, das alljährlich bis auf den heutigen Tag am 20. Februar an Hofers Todestag in der Peterskirche in Wien I., Petersplatz, feierlich abgehalten wird. Über dem Altar wird ein großes schwarzes Tuch mit weißem Kreuze aufgehängt, in dessen vier Ecken sich vier rote Tiroler Adler in Wappenform befinden. Am Hauptaltar wird unter großer Assistenz ein Hochamt und an allen Seitenaltären gleichzeitig mehrere Messen gelesen. Fast immer zelebrieren Tiroler Priester die Messen, während Jünglinge aus den in Wien lebenden Tiroler Familien in der Tiroler Nationaltracht ministrieren. Der „Bund der Tiroler in Wien" und alle in Wien lebenden Tiroler, sowie Freunde Tirols wohnen dieser historischen Messe bei. Die Orgelbegleitung und den Messegesang, den stets das Hofer-Lied beschließt, besorgen Tiroler Komponisten und Tiroler Sänger. Die Predigt hält gewöhnlich ein in Wien weilender Tiroler geistlicher Parlamentarier.

Über die Feier der ersten von Lutz gestifteten Andreas-Hofer-Messe in Wien enthält der „Bote für Tirol und Vorarlberg" vom Jahre 1841, Seite 292, folgenden Bericht:

„Am 13. August 1841 wurde zu St. Ruprecht, der ältesten Kirche Wiens, der von Josef Lutz, bürgerlichem Gastgeber am Spittelberg Nr. 91 in Wien, mittelst milder Beiträge von den in der Hauptstadt anwesenden Tirolern und Vorarlbergern, sowie sonstigen den Tirolern und Vorarlbergern günstigen Freunden auf ewige Zeiten im Jahre 1840 gestiftete Trauergottesdienst für die während der Landesverteidigungskämpfe im Jahre 1809 in Tirol gefallenen tapferen Tiroler und Vorarlberger von dem pensionierten Seelsorger Joachim Haspinger (Kapuziner), im Jahre 1809 gewesenen Oberkommandanten, als Pontifikant, erbaulich und feierlich abgehalten, wobei Anton Gärtner, Direktor der St. Ruprechtskirche in Wien und pensionierter Chorherr des Stiftes Gries, Michael Perktold, Pfarrer zu Neudorf, und Pater Bernhard Majer, Kooperator, Schul- und Kirchenkatechet der Pfarre Alservorstadt, allhier als Assistenten fungierten, dann Jakob Primaschütz, pensionierter Pfarrer von Stixneusiedl, und Peter Obkircher, Pfarrer von Ober- und Unterdöbling, zwei Seelenmessen lasen; sämtliche sechs Priester sind Tiroler. Dieser Feierlichkeit wohnten bei: Johann Edler von Hofer und dessen Familie, Baron von Reinhart, Gutsbesitzer von Innsbruck, und einige Veteranen der in Wien anwesenden, in der Epoche von 1809 tätig gewesenen Offiziere und Krieger als: Josef Untersteiner, Kammerdiener Sr. k. Hoh. Erzh. Johanns, gewesener Oberleutnant, Georg Hauger, provisorischer k. k. Strafhausverwalter, gewesener Adjutant, Lorenz Brand, k. k. Amtsdiener, gewesener Adjutant, Johann Fleck, Privileg.-Inhaber, gewesener Unteroffizier, und Peter Edler von Mayrl, Seidenzeugfabrikant und Hausinhaber, dann der Sohn des verstorbenen Hauptmanns Frick, Martin Frick, bürgerlicher Handelsmann, ferner Franz Lechner und dessen Söhne von Dornbach, mit allen seinen Dienern, geborenen Tirolern."

Zu diesem Berichte ist zu bemerken: Die erste Hofer-Messe wurde nicht, wie die späteren, am Todestag Andreas Hofers (20. Februar), sondern am Jahrestag der Berg-Isel-Schlacht, am 13. August, abgehalten. Die St. Ruprechtskirche ist tatsächlich die älteste Kirche Wiens, sie soll um 740 gebaut worden sein. Pater Haspinger war damals (1841) Pfarrer in Hitzing bei Wien. Johann Michael Perktold (geb. 29. September 1781 in Pfunds, gest. 21. Mai 1843 in Wiener-Neudorf) war Pfarrer in Wiener-Neudorf, Johann von Hofer ist Andreas Hofers einziger Sohn (geb. 26. August 1794 in St. Leonhard, gest. 25. April 1855 in Wien), Johann Freiherr von Reinhart zu Thurnfels und Ferklechen (geb. 5. Februar 1784 in Fernstein, gest. 22. Dezember 1845 in Innsbruck), Josef Untersteiner (geb. 22. Februar 1786 in Sterzing, gest. 5. Februar 1844 in Wien), war Mitkämpfer Pater Haspingers in der Brixner Klause am 3. August 1809, Georg Hauger (geb. 23. Jänner 1792 in Freiburg i. B., gest. 13. November 1859 in Wien) war Adjutant im Luxheimschen Freikorps und eroberte am 8. August 1809 die Lienzer Klause bei Leisach, Lorenz Brand (geb. 1793 in Innsbruck, gest. 26. August 1870 in Wien) war ein Anführer des Dezember-Aufstandes 1813 in Innsbruck, Johann Fleck war aus Schwaz, Johann Georg Frick aus Frastanz, nahm an allen Kämpfen 1796 bis 1809 in Vorarlberg teil und wurde Hauptmann; er war früher österreichischer Offizier, dann Mauteinnehmer in Neudorf und ließ sich 1810 in Wien nieder. Peter Freiherr von Mayrl war 1809 Merkantilrat in Bozen und entstammt einer Altbozener Patrizierfamilie, Peter Obkircher war 1834 bis 1869 Pfarrer in Döbling (geb. 1782 in Brixen im Tale, gest. 25. Februar 1869 in Wien). Bei dieser ersten Messe war also eine eigenartige Schar von Priestern, Adeligen, Beamten und einfachen Leuten beisammen, die alle durch die Kriegskameradschaft aus dem Jahre Neun verbunden waren.

Josef Lutz, der die Erinnerung an die großen Tage des Jahres 1809 nicht nur selbst stets wach hielt, sondern auch bei anderen eifrig zu nähren wusste, ließ als Andenken an den Heldenkampf eine Denkmünze prägen, die auf der Reversseite Andreas Hofer und zwei Schützen, auf die kaiserliche Fahne schwörend, zeigt. Als Medailleur zeichnete L. Kaestner.

Lutz war zuletzt Gastwirt „Zur Weintraube" in Wien, VII., Burggasse 21, nach dem Tode seiner Frau verkaufte Lutz sein Gasthaus, zog sich ins Privatleben zurück und kaufte sich ein Haus in Wien-Heiligenstadt Nr. 59, wo er am 9. Juli 1862 um 4 Uhr früh starb. Er wurde am Schmelzer Friedhof im eigenen Grab beerdigt, und zwar in der Nähe des Grabes Johanns von Hofer, des einzigen Sohnes Andreas Hofers. Lutz war in erster Ehe mit Elisabeth Edlen von Wippior (geb. 1787, gest. 29. November 1855 in Wien) vermählt und hinterließ einen verheirateten Sohn Franz. Nach Auflassung des Schmelzer Friedhofes wurden Lutzens Gebeine in einem Massengrab rechts vom Eingang des (jetzigen) Parkes in der Hütteldorferstraße beigesetzt. Im Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz, Museal-Akten, erliegt eine Selbstbiographie von Lutz; der „Bund der Tiroler" in Wien besitzt ein ihm am 10. November 1906 von Anna Lutz, Lutzens zweiten Frau, gespendetes Ölbild des Wohltäters und Mitkämpfers Andreas Hofers.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 316 - 319.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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