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  Über Josef Edler von Hofer, ein Enkel Andreas Hofers
 

Das Kaiserjägergrabdenkmal in der Innsbrucker Hofkirche
von Dr. O. Gschließer

Der Krieg, den Österreich in den Jahren 1848 und 1849 gegen das Königreich Sardinien-Piemont und die italienischen Revolutionäre führen musste, gab dem im Jahre 1816 aufgestellten Tiroler Kaiserjägerregiment erstmals Gelegenheit, sich in einer Reihe von größeren Kampfhandlungen zu bewähren. Von den vier Bataillonen des Regiments waren das 2., 3. und 4. in Oberitalien eingesetzt, während das 1. im Jahre 1848 die Südwestgrenze Tirols in mehreren Gefechten verteidigte und im folgenden Jahre am Feldzug gegen die Aufständischen in Ungarn teilnahm. Die Gesamtverluste des Regiments in den beiden Feldzugsjahren betrugen an Toten 12 Offiziere und 155 Mann. 1)

1) L. Potschka, Geschichte des Tiroler Jägerregiments Kaiser Franz Joseph, Innsbruck 1885, I, S. 318.

Ein schweres und verlustreiches Gefecht hatte das 4. Kaiserjägerbataillon am 8. April 1848 gegen große feindliche Übermacht bei Goito zu bestehen. Es gehörte zur Brigade Wohlgemuth, die nach dem Rückzug der Armee Radetzkys aus Mailand am rechten Ufer des Mincio einen Brückenkopf gegen die anstürmenden Piemontesen zu halten hatte. Nachdem die 22. und 24. Kompanie am Vormittag jenes Tages drei feindliche Angriffe abgewiesen hatten, wollte der bereits an der rechten Hand schwer verwundete interimistische Kommandant des Bataillons, Josef Knezich den Rückzug über die zu sprengende Brücke antreten, weil sich seine Truppe in dem von schwerer Artillerie beschossenen Ort nicht mehr halten konnte. Als Knezich vor dem geplanten Rückzug, den Säbel in der linken Hand, seine Jäger nochmals gegen den nachdrängenden Feind zum Sturm vorführte, wurde er von mehreren feindlichen Kugeln in den Kopf tödlich getroffen. 2) Noch bis Mittag verwehrte das Bataillon in heftigstem Geschütz- und Gewehrfeuer den Piemontesen den Übergang über den Mincio 3). Dabei fiel u. a. der 25jährige Unterleutnant der 22. Kompanie Josef Edler von Hofer, ein Sohn des einzigen Sohnes Andreas Hofers Johann von Hofer 4). Außer Knezich und Hofer beklagte das 4. Kaiserjägerbataillon nach dem Gefecht bei Goito auch zehn Tote aus dem Mannschaftsstande, darunter den Kadetten Wilhelm von Gasteiger 5), ferner verlor es durch Verwundung zwei Offiziere und 15 Mann vom Oberjäger abwärts, unter diesen einen zweiten Enkel Andreas Hofers, den Kadetten Johann Edlen von Hofer, der mit 35 anderen Kaiserjägern nach heftiger Gegenwehr in piemontesische Gefangenschaft geriet 6). Am 30. Mai 1848 stand das 4. Kaiserjägerbataillon abermals bei Goito im Feuer, seine Verluste betrugen damals sechs Tote, 24 Verwundete und 29 Vermißte 7).

2) Knezich war am 22. 11. 1802 in Belovár, Kroatien, als Sohn eines Offiziers geboren. (J. Svoboda, Die Theresianische Militärakademie zu Wiener-Neustadt und ihre Zöglinge, I., Wien 1894, S. 441.)
3) Über das Gefecht bei Goito am 8. 4. 1848 siehe L. Potschka, a. a. O., I., S. 139 ff.
4) Josef Edler v. Hofer wurde am 15. 2. 1823 in Fischamend, N.-Ö., geboren; sein Vater Johan Edler von Hofer, Tabakhauptverleger in Wien, ist dort im Jahre 1855 gestorben (Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich, 9. Bd., S. 150, und R. Granichstaedten-CZerva, Andreas Hofer, seine Familie, Wien 1926, S. 42).
5) Wilhelm v. Gasteiger war am 3. 3. 1828 in Mais bei Meran als 15. Kind des dann im Jahre 1854 als Distriktsarzt in Meran verstorbenen Dr. Alois v. Gasteiger zu Rabenstein und Kobach geboren worden und ein Neffe des bekannten Freiheitskämpfers und Kreishauptmannes Dr. Anton v. Gasteiger (Wiener Genealogisches Taschen-Buch, VIII. Bd., 1937, S. 56).
6) Er wurde später Leutnant im Tiroler Kaiserjägerregiment und ist am 7. 11. 1869 in Wien gestorben (Tiroler Schützenzeitung 1850, S. 134, Bote für Tirol und Vorarlberg 1869, S. 431, und R. Granichstaedten-Czerva, a. a. O., S. 45).
7) L. Potschka, a. a. O., I., S. 189f.

Die Einleitung der Schlacht von Sommacampagna und Custozza, die vom 23. bis 25. Juli 1848 geschlagen wurde und den Feldzug dieses Jahres in Oberitalien zugunsten der Armee Radetzkys entschied, bildete der Angriff des 3. österreichischen Armeekorps auf den nördlichsten Punkt der gegnerischen Linie, das Dorf Rivoli, südlich des Monte Baldo, etwa 8 km östlich von Garda und 1 km westlich der Etsch gelegen. Unter den zum Angriff bestimmten Truppen befand sich das 3. Kaiserjägerbataillon. Bei dem im heftigsten Feuer entlang der Etsch erfolgten Vorgehen der 17. und 18. Kompanie gegen die Höhen nördlich von Rivoli wurde der Kommandant dieser beiden Kompanien, der erst 22jährige Hauptmann Anton Freiherr von Pirquet, von einer Kugel in die Brust getroffen und starb mit den Worten „Gott mit Österreich" auf dem Transport nach Avio. Er war der Sohn des Zweiten Inhabers des Tiroler Kaiserjägerregiments, des Feldmarschallleutnants, später Feldzeugmeisters Peter Freiherrn Pirquet von Cesenatico und Mardaga, und hatte sich selbst Ende April 1848 bei Pastrengo so ausgezeichnet, dass ihm nach seinem Tode das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresienordens verliehen wurde. Außer Hauptmann Pirquet hatte das 3. Bataillon an jenem Tage zwei Mann an Toten und 17 Verwundete verloren 8).

8) L. Potschka, a. a. O., I., S. 214; Wurzbach, a. a. O., 22. Bd., S. 339 f.

Mit einem Schreiben vom 12. März 1849 dem Tage der Kündigung des Waffenstillstandes durch die piemontesische Regierung - aus Parma, wo damals das Kommando des Tiroler Kaiserjägerregimentes lag, machte in dessen Namen der Oberst und Regimentskommandant Thomas Baron Zobl dem Landesdefensionskomitee in Innsbruck sich erbötig, die Gebeine der gefallenen Hauptleute Knezich und Baron Pirquet und des Leutnants von Hofer, die in italienischer Erde ruhten, die aber „unter deutschem Boden bestattet sein sollten", mit den Gebeinen eines oder des anderen auf dem Felde der Ehre gefallenen Kaiserjägers, womit die tapfere Haltung des ganzen Regiments Anerkennung finden sollte, nach Innsbruck hinauszuschaffen, damit sie dort an würdiger Stätte, an der Seite Andreas Hofers, beigesetzt werden. Das Landesdefensionskomitee begrüßte mit Schreiben an das Regimentskommando vom 11. April 1849 diesen Vorschlag sehr, „denn durch Realisierung desselben wird das tapfere Landesregiment Kaiserjäger, das so viele Lorbeeren errang, und mit ihm das Vaterland geehrt, und die auf dem Felde der Ehre stehenden Söhne desselben erlangen die erhebende Überzeugung, dass auch die gefallenen Brüder fortleben in der warmen dankbaren Erinnerung der Heimat". Doch riet das Landesdefensionskomitee die Ausführung des Planes aus sanitären Gründen und weil von kirchlicher Seite es nicht gerne gesehen werde, „wenn die Ruhe der Gräber vor der völligen Beendigung des Auflösungsprozesses gestört wird", bis zur Vollendung der Verwesung, wozu in der Regel zwei Jahre erforderlich sein dürften, zumindest aber bis Eintritt der kalten Jahreszeit zu verschieben. Auch empfehle es sich, den Abschluss des Krieges und den Zusammentritt des künftigen Landtages abzuwarten 9), damit die Vertreter des Landes und zumindest ein größerer Teil der wackeren Kaiserjäger der feierlichen Bestattung ihrer Kampfgenossen beiwohnen und „die Feier im vollen Sinne des Wortes zu einem vaterländischen Akt machen" könnten. Mit Bericht vom 18. November 1849 legte dann das Präsidium der Statthalterei in Innsbruck den Antrag des Regimentskommandos im Einvernehmen mit dem Landesdefensionskomitee befürwortend dem Ministerium des Innern mit der Bitte vor, „höheren Orts die Bewilligung zu erwirken, dass die Gebeine einiger vor dem Feind Gefallener vaterländischer Krieger aus der italienischen Erde erhoben, in Innsbruck in der Hofkirche bestattet und denselben ein einfaches Denkmal gesetzt werde". Begründet wurde diese Bitte damit, dass das Kaiserjägerregiment „für seine Bewährung und anerkannte Tapferkeit im italienischen Feldzug diese Auszeichnung verdiente und sich dadurch die ganze treue Provinz samt dem Regiment geehrt finden würde" 10). Am 4. Februar 1850 genehmigte dann das Ministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Ministerium für Kriegswesen und für Kultus, dass die Gebeine der drei vorgenannten Offiziere des Kaiserjägerregimentes und eines oder des andern der vor dem Feinde gefallenen Gemeinen vom genannten Regiment aus italienischer Erde nach Tirol übertragen, in der Hofkirche beigesetzt werden und die Begräbnisstätte durch ein entsprechendes Denkmal gekennzeichnet werde 11).

9) Der Landtag trat erst nach der neuabsolutistischen Periode im Jahre 1861 zusammen.
10) Landesregierungsarchiv Innsbruck, 1849, Militare Nr. 19.981.
11) Ebendort 1850, Militare Nr. 2391.

Darauf begab sich im Auftrag des Regimentskommandos im April 1850 der Hauptmann Anton Regensburger nach Goito. Unter seiner Leitung und in Anwesenheit der Gemeindedeputierten wurden auf dem dortigen Friedhof zwei Skelette ausgegraben, von denen das eine an der kleinen Statur und einem Loch in der Hirnschale als jenes des Leutnants von Hofer, das andere an der größeren Statur, dem durchbrochenen Hirnschädel und den Verletzungen an Arm- und Fußknochen als jenes des Hauptmanns Knezich erkannt wurden. Aus demselben Grabe hob man auch noch die sterblichen Reste des Kadetten Wilhelm von Gasteiger der 22. Kompanie 12), vermutlich im Hinblick auf die schon angebrochene warme Jahreszeit und wegen noch nicht vollständiger Verwesung - vom Leichnam Knezichs waren noch Fleischteile vorhanden - sah man von einem weiteren Transport zunächst ab, legte die Skelette in drei Truhen und deponierte sie in ein und derselben Grube 13). Erst im Jänner 1851 besorgte dann Hauptmann Regensburger über Auftrag des Regimentskommandos die Überführung der drei Särge von Goito nach Innsbruck, wo sie zunächst in der Landhauskapelle zusammen mit den auf dem Friedhof in Ala exhumierten und nach Innsbruck übertragenen Gebeinen des Hauptmanns Baron Pirquet aufgebahrt wurden. Am 20. Februar 1851, an dem sich Andreas Hofers Tod zum 40. Male jährte, wurden dann die irdischen Überreste dieser vier gefallenen Kaiserjäger in einem langen, feierlichen Leichenzuge in die Hofkirche übertragen und in deren rechten Seltenschiff unter dem Monument für die gefallenen Vaterlandsverteidiger mit militärischen Ehren in Anwesenheit Karl von Hofers, eines jüngeren Bruders des bei Goito gefallenen Josef von Hofer, beigesetzt 14).

12) Bei L. Potschka, a. a. O., J., S. 348 (Verlustliste), wird Wilhelm v. Gasteiger als Kadett-Unterjäger, ebendort II., S. 6, bei Erwähnung der Beisetzungsfeierlichkeit in der Hofkirche aber als Kadett-Gemeiner bezeichnet; als solcher, also ohne Chargengrad, erscheint er ja auch ohne Anführung des Namens auf der unten erwähnten Grabtafel. Erst das „Organisationsstatut für die k. k. Armee" von 1857 schrieb dann die Bezeichnung „Jäger" für die bisherigen Gemeinen" bei der Jägertruppe vor.
13) Bote für Tirol u. Vorarlberg 1850, S. 640; 1851, S. 113.
14) Bote für Tirol u. Vorarlberg 1851, S. 219; L. Potschka, a. a. O., II., S. 6.

Im Juli des folgenden Jahres wurde an der rechten Langhauswand der Hofkirche, unweit des St.-Antonius-AItars, eine weißmarmorne Grabtafel mit Marmorumrahmung eingemauert und am 7. September desselben Jahres enthüllt 15). Die Inschrift hatte folgenden Wortlaut:

15) Bote für Tirol u. Vorarlberg 1852, S. 1067; R. Granistaedten-Czerva, a. a. O., S. 42.

1848 — 1849
DEN GEFALLENEN
SEINES IAEGERREGIMENTES
DAS HEIMATHLAND.
ZUR EHRE ALLER RUHEN HIER
ANTON BAR. V. PIRQUET HAUPTM.
RIVOLI 22. IULI.
IOSEPH KNEZICH HAUPTM.
IOSEPH V. HOFER LIEUTENANT
ENKEL DES ANDREAS HOFER
UND EIN GEMEINER
GOITO 8. APRIL 1848.
BEIGESETZT AM 20. FEBR. 1851.
IHRE NAMEN LEBEN VON GESCHLECHT
ZU GESCHLECHT.        SIR. 64, 14.

Im Zuge der Renovierung der Hofkirche im Jahre 1956 wurde dieser Grabstein gleich allen andern Grab- und Gedenksteinen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Wand der Hofkirche entfernt, die Marmortafel aber mit der erwähnten Inschrift - jedoch ohne den Marmorrahmen und damit auch ohne den zitierten Spruch des Jesus Sirach - in den Fußboden rechts vom Beichtstuhl neben dem St.-Antonius-Altar eingelassen.

Sie stellt das älteste Kaiserjägerdenkmal in Innsbruck dar und kann durch die nicht namentliche Anführung eines „Gemeinen" auch als ein Vorläufer der nach dem ersten Weltkrieg üblich gewordenen Grabmäler Unbekannter Soldaten betrachtet werden.

   
  Quelle: O. Gschließer, Das Kaiserjägergrabdenkmal in der Innsbrucker Hofkirche, in: Tiroler Heimatblätter, 32. Jahrgang, Heft 10/12, 1957, S. 130 - 132.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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