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  Johann von Kolb, der Dämon Andreas Hofers
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Eine der merkwürdigsten in der Geschichtsliteratur des Jahres Neun noch gar nicht biographisch behandelten Gestalten des Tiroler Befreiungskampfes ist Johann Kolb. Ihm wird allgemein die Haupturheberschaft mi der zwecklosen Fortführung des Kampfes Andreas Hofers nach dem Friedensschlusse (14. Oktober 1809) zugeschrieben. Allgemein nennen ihn Hirn, Rapp, Voltelini den „tollen" oder „verrückten" Kolb.

Die Familie Kolb ist ein altes Tiroler Adelsgeschlecht, das am 25. März 1752 von der Kaiserin Maria Theresia die Bewilligung zur Führung des Prädikates „zu Kolbenthurn" erhielt. Auf einem waldigen Hügel im Volderwald zwischen Hall und Volders am rechten Innufer, steht ein alter, niederer, viereckiger, schon im Jahre 1255 erwähnter Turm, das Überbleibsel der alten Stammburg der Edlen Kolben von Gasteig. Als diese 1435 ausstarben, kamen 200 Jahre später, nämlich 1648, die Kolb in den Besitz des Schlosses. Am 20. September 1790 (unter Kaiser Leopold II.) wird Anton von Kolb (geb. 1757) Vertreter des Viertels Unterinntal im Tiroler Landtage, in die ständische Matrikel eingetragen, am 8. September 1808 wird ein Josef v. Kolb zum Fiskalamt-Adjunken in Innsbruck ernannt, 1812 fungiert ein Johann von Kolb als Polizei-Unterkommissär bei der Polizei-Oberdirektion in Innsbruck, 1848 stirbt der k. k. Kammerprokuraturs-Adjunkt Dr. Josef von Kolb und um 1880 stirbt die Familie im Mannesstamme vollständig aus.

Johann Nepomuk Maria von Kolb zum Kolbenthurn wurde am 18. Dezember 1757 in Wilten bei Innsbruck als Sohn eines geachteten Innsbrucker Advokaten geboren. Er genoss eine einfache Erziehung, trat, volljährig geworden, in landschaftliche Dienste und wurde Steuereinnehmer im Viertel am Eisack und dann beim Hochstift Brixen. Wegen „Rechnungsreste" (Malversationen) wurde er kassiert. Er war mit Ottilie von Anreiter-Ziernfeld (geb. 1765, gest. 1826) verheiratet, deren beträchtliches Vermögen er jedoch bald durchbrachte, und Vater eines im Jahre 1795 geborenen Sohnes Johann Nepomuk. In seinem Verhörsprotokolle bei der Wiener Polizei (12. März 1810) bezeichnet er sich als „Jesuiten-Ex-Kandidat". Schon 1797 nimmt er an dem Feldzuge in Tirol teil und kämpft unter Feldmarschalleutnant Freiherr von Kerpen in der Schlacht bei Saturn (20. März 1797). Im Jahre 1805 kämpfte er unter General Prinz Viktor Rohan (Pass Strub, 2. November 1805).

Kolbs erstes Auftreten in Tirol datiert gegen Ende März 1809, als er mit Andreas Hofer den durch Kärnten nach Tirol vorrückenden kaiserlichen Truppen entgegengeht. Am 8. April taucht er in Innichen auf und mobilisiert das Pustertal. Als am 14. April der Intendant Baron Hormayr seinen feierlichen Einzug in Bozen hielt, ritt ihm als „Herold" Kolb voraus, mit einem alten großen Schwert an der Seite, zwei schwere Pistolen im Gürtel und mit einer Pelzmütze bedeckt. Er soll wie Don Quixotte ausgesehen haben. In der Folge finden wir Kolb stets an der Seite Andreas Hofers. Am 24. Mai überreicht ihm Feldmarschallleutnant Marquis J. G. Chasteler die goldene Ehrenmedaille, die ihm für eine am 9. April 1809 vollführte Waffentat, da er mit 15 Tiroler Bauern die bayerische Avantgarde aufhielt und hierbei sechs bayerische Soldaten, drei Kavalleristen und drei Infanteristen, gefangen nahm, vom Erzherzog Johann mit Dekret, dedato St. Daniel (Kärnten) den 11. Mai 1809 verliehen wurde. Am 4. Juni wird er von Hormayr und General von Buol zum Kommandanten des Pustertales mit dem Distriktssitz in Lienz ernannt, nachdem er schon seit 5. Mai die Stelle eines ersten Defensions-Kommandanten im Pustertal bekleidete.

Nun beginnt eine lebhafte Korrespondenz zwischen Kolb und Erzherzog Johann, der so manchen Bericht Kolbs auch dem Kaiser vorlegte. Diese Briefe Kolbs sind wohl das unglaublichste, von Lügen strotzendste, was im Kriegsjahr 1809 geschrieben wurde. Voll Phantasie, Fanatismus, Prahlerei, blinder Wut und Hass gegen Napoleon lassen diese Lügenberichte die geistige Zurechnungsfähigkeit des Verfassers stark in Zweifel ziehen. Er schlägt Hofer vor, Napoleon durch einen Zug nach Salzburg gefangen zu nehmen usw.

Am 22. Juli erlässt Kolb zusammen mit Hofer von Lienz aus den berühmten Aufruf, in dem er alle Nachrichten von einem Waffenstillstand (Znaim, 12. Juli) als unwahr bezeichnet und die Bauern zu den Waffen ruft. Solche Aufrufe verfasste er dann noch mehrere, als er auch schon (28. Juli) die offizielle Nachricht vom Waffenstillstand erhalten hatte. Am 13. August berichtete er, dass er beinahe „den französischen General Rusca gefangen hätte". Nach der dritten Schlacht am Berg Isel wird Kolb am 18. August 1809 zum Platzkommandanten von Lienz ernannt, am 7. September aber wegen „Übergriffe", Umtriebe und Quertreibereien von Hofer seiner Stellung wieder enthoben, am 23. September 1809 aber vom Unterintendanten Dr. Philipp von Woerndle wieder eingesetzt.

Um diese Zeit beginnt er wieder sein tolles abenteuerliches Geschreibsel an Erzherzog Johann. Er teilt ihm (am 4. September) mit, die österreichische Kaiserin (Maria Ludovika) habe entbunden, Kaiser Alexander sei Taufpate und widme seinen Anteil an Polen als Patengeschenk. Natürlich stritt sich Kolb, der unverbesserliche Stänkerer, mit dem Chef der Schutzdeputation im Pustertal, Dr. Philipp von Woerndle, fortwährend herum.

Ende Oktober 1809 beginnt die eigentliche „große Rolle" Kolbs. So oft Andreas Hofer wankelmütig wird und von Unterwerfung spricht, ist es Kolb, der ihn rasch umstimmt und zum Ausharren drängt. Was andere durch Besonnenheit und Beschwichtigung aufbauten, riss Kolb nieder. Er bläst das erlöschende Feuer Hofers mit seinen Trugbildern und Lügen an, fabelt von neuen Siegen, von der Ohnmacht der Feinde, von Visionen, die ihm geworden, und bringt den verzweifelten Hofer stets wieder in kriegerische Wallung. Wenn er durch Überredungskunst nichts erreichte, verlegte er sich auf Drohungen sowie er schon in einem Aufrufe vom 30. Oktober allen Widerspenstigen, die sich dem Aufgebote nicht fügen, mit dem Tode droht.

Nun greift Kolb selbst in den Kampf ein. In der Mühlbacher Klause wird er nach einem erbitterten Kampf von General Rusca am 8. November besiegt und flüchtete, als Bauer verkleidet, nach Lüsen bei Brixen, um nun dort sein Lügengewebe fortzuspinnen. Aber bald tauchte er wieder auf, lässt Hofer durch Boten zur Wiederaufnahme des Kampfes bestürmen, schürt selbst den Aufstand im Puster- und Eisacktal und erreicht so den neuerlichen Kampfaufruf Hofers am 10. November.

Das von General Moreau besetzte Brixen will nun der tolle Kolb erobern. In seinem Größenwahn fordert er von Moreau die Übergabe der Stadt. Im Vintler'schen Edelsitz in Platsch bei Miland-Brizen „residierend", leitet er die Belagerung. Aber das Feuermeer, das die Franzosen durch Anzünden (6. Dezember) aller Ortschaften und Gehöfte in Brixens Umgebung schufen, beleuchtete in schauriger Weise die Niederlage Kolbs mit seiner geringen Bauernkämpferschar. Kolbs Haufe wurde zersprengt, die Stadt Brixen musste die Wut des grausamen französischen Divisionsgenerals Severoli und die Abenteuer eines Fanatikers büßen. Kolb, der Anstifter solch namenlösen Unglücks, entkam glücklich ins Pustertal, um dort noch ein größeres anzurichten.

Er erscheint schon am 7. Dezember in Percha bei Welsberg, er, der unvernünftige, exaltierte Schwärmer, dessen Mut und Wut trotz der schimpflichen Niederlage und Flucht aus Brixen noch immer nicht gebrochen war, und trotz des unermesslichen Elends, das er dort hervorrief. Kaum in Percha angelangt, schleuderte er seine Feuerworte ins Volk, begleitete seine blindwütigen Aufforderungen zu neuen Angriffen mit furchtbaren Drohungen, sandte fliegende Boten nach allen Seiten, doch diesmal glücklicherweise — ohne Erfolg. Nach dem Entsatze von Brixen ließ Moreau eine französische Kolonne zur Unterstützung des in Bruneck blockierten Generals Almeras heranrücken, bei deren Anmarsche die Pustertaler Landstürmer die Waffen niederlegten, so dass unnützes Blutvergießen vermieden wurde (8. Dezember). Kolb, den die enttäuschten Bauern in Oberlienz aus dem Wirtshaus hinauswarfen, flüchtete, als italienischer Limonihändler vermummt, über den Regensberg (Niederrasen) und Geiselsberg (bei Olang) nach Enneberg. Seine unheilstiftende Tätigkeit war zu Ende, Kolb hatte die Rolle des bösen Dämon in dem Trauerspiele Tirols ausgespielt.

Von Enneberg flüchtete der unsinnige Urheber des ganzen Schreckens wieder nach Lüsen, wohin er sich schon am 9. November rettete. Vom 19. Dezember 1809 bis 11. Februar 1810, also 54 volle Tage und Nächte — so schilderte er selbst sein Missgeschick — musste er sich dort in einer Felsenhöhle verbergen, wo er wegen der niederen „Ausknappung" der Höhle mit äußerst zusammengebeugtem Körper, einem bis auf das letzte Glied krummgeschlossenen Verbrecher gleich, sitzen und die raue Kälte aushalten musste, wodurch seine Gliedmaßen und „Flechsen" (Sehnen) sehr „eingedorrt" wurden. Am 12. Februar 1810 wanderte er, stets in Begleitung seines Sohnes, mitten im eisigen Winter als „Ochsenhändler" über das Antholzer Joch nach Defreggen. Stets hinter sich die bayerischen Häscher, flieht Kolb weiter über die Grenzen nach Österieich, nach Kärnten, kommt nach Leoben in Steiermark, reist unter dem falschen Namen Johann Pitterseller in das Innere der Monarchie und kommt endlich am 7. März 1810, 1 Uhr mittags, nach Wien. Vor seiner Ankunft hatte Freiherr von Hormayr schon die Polizei durch folgendes wegen seiner scharfen Kritik interessantes Referat verständigt:

„Ich achte mich verpflichtet, die ehrfurchtsvollste Anzeige zu machen, dass zwischen heute und morgen der berüchtigte Kolb, begleitet von sieben bewaffneten Bauern seines Gelichters, die ihm aus Tirol und durch Kärnten auf Abwegen gefolgt sind, hier einzutreffen gedenke. Dieser Mann, ein wegen Rechnungsresten kassierter Steuereinnehmer, aus einer sonst guten Familie stammend, der in der allerersten Epoche des Aufstandes aus den eigentlichen Pöbel nicht wenig gewirkt hat, in der Folge sich aber nur durch gefährliche Einstreuungen gegen alle Obrigkeiten und gegen alle gesetzliche Ordnung hervorgetan hat, ist von mir und von Herrn Kreiskommissär v. Roschmann bereits mehrmals mit buchstäblicher Treue geschildert worden. Schon sein Äußeres, das auf den ersten Blick auf einen Septembrisierer (das ist Massenmörder wie am 7. September 1792 in Paris) erinnert, und seine bösartige Narrheit, die er bei dem Volke für Visionen und geheime Unterredungen mit der Mutter Gottes und verschiedenen Geistern ausgab, lassen mich vermuten, dass man es schwerlich geraten finden dürfte, ihn zumal in diesen Tagen hier zur Schau herumgehen zu lassen. Dabei tritt aber noch der ganz besonders wichtige Umstand hinzu, dass Kolb derjenige war, der die Landesstrecke von Lienz bis Brixen noch lange nach dem Frieden und bis in die Hälfte Dezember in Aufstand erhielt, sich hierbei beständig, mündlich und schriftlich, auf neuerliche Befehle des Kaisers und des Erzherzogs Johann berief und letzterem ungescheut den Plan andichtete, durch diesen fortgesetzten Aufstand endlich doch noch zu bewirken, dass Tirol für selbständig erklärt und Höchstdemselben, einen bekanntlich von dieser Nation angebeteten Prinzen, überlassen werde.

Diese Ordres erregten in solchem Grade den Argwohn der kommandierenden französischen Generäle Baraguey und Broussier, dass sie in jedem Verhöre begierig Geständnisse zu erpressen strebten, welche diese bedenklichen Erdichtungen bestätigt und uns somit nicht wenig kompromittiert hatten. Dieses Unsinnigen wegen wurde die Gegend von Brixen mit Mord und Brand erfüllt und seinetwillen schmachten viele leichtgläubige Patrioten im Elend; ihm allein ist zuzuschreiben, dass nach der zweimal verkündeten Amnestie neuerdings Tätlichkeiten verübt wurden, dass der redliche Landwirt Hofer von schlechtem Gesindel genötigt wurde, nachdem er bereits die Unterwerfung angelobte, einen neuerlichen Aufruf ergehen zu lassen, dass er somit als ein Verletzer der Amnestie und seines gegebenen Wortes sorgfältig gesucht wurde. Das Erscheinen eines solchen Menschen und das davon unzertrennliche Aufsehen könnte leicht die gute Sache der wahrhaft verdienten Tiroler Patrioten verderben und die bereits zu ihrem Besten eingeleiteten Schritte vereiteln und erschweren. Somit dürfte dies wohl der Polizei unverzüglich mitzuteilen sein, dass dem Kolb Polizei entgegengeschickt oder allsogleich, wie er hier einträfe, bedeutet würde, er habe sich bei den übrigen Tirolern in Warasdin aufzuhalten, sich bis auf weiteres nicht zu entfernen und dasjenige, was er etwa anzubringen habe, schriftlich einzustellen. Wien, am 1. März 1810, Frh. v. Hormayr m. p."

Die Polizei verständigte daraufhin die Torwachen, und es gelang auch bald, Kolb, der in der Insurgenten-Uniform mit seinem Sohne und sieben Tirolern, Josef Ploner, Jakob Stainer, Josef Gitzl, Jakob Gitzl, Josef Kerschbaumer, Johann Kerschbaumer und Franz Estfellner mit vier Stutzen bewaffnet, in Wien einziehen wollte, an der Mariahilferstraße festzunehmen. Seine Begleitung ließ man laufen, nur Kolb und dessen 15-jährigen Sohn Johann Nepomuk beförderte man am 13. März 1810 in einer Landkutsche nach Brünn auf den berüchtigten Spielberg und von dort am 20. März aus die Güter des Statthalters von Mähren, Grafen Prokop Lazansky. Die Verhaftung Kolbs erfolgte eigentlich, um ihn den Blicken der französischen Spione zu entziehen. In Brünn wurde Kolb strenge beaufsichtigt, aber auf freiem Fuß belassen. Er entwich aber, reiste nach Wien, wurde in Wien wieder verhaftet, da auch der französische Gesandte die Auslieferung dieses für die Ruhe Tirols so gefährlichen Haupträdelführers verlangte. Der Kaiser wollte seinen unglücklichen Untertan aber nicht verraten und erließ am 3. April 1810 an den Polizeipräsidenten Freiherrn von Hager folgendes Handbillet:

„Lieber Baron Hager! Im geheimen Wege erfahre ich, dass der zu Brünn unter Polizeiaufsicht stehende Tiroler Kolb samt seinen Gefährten von Seite Bayerns in Haft genommen und dass deren Auslieferung bei Meinem Ministerium förmlich angesucht werden wolle. Um allen zuvorzukommen, lasse ich denselben unter der Hand (!) hievon verständigen und ihm zugleich die Weisung geben, sich mit allen seinen Gefährten ehestens aus Meinen Staaten zu entfernen, welcher Entfernung daher kein Hindernis zu legen ist. Franz m. p."

Nun wurde Kolb mit seinem Sohn am 10. April über Brünn, Göding, Preßburg, Agram, nach Gradiska abgeschoben. Den Pass stellte ihm die österreichische Regierung auf den Namen „Johann Pitterseller, Salzburger Handelsmann", aus, welches Pseudonym er schon auf seiner Flucht aus Tirol nach Wien angenommen hatte. Mit Reisegeld und Empfehlungsschreiben versehen, reist Kolb als „wandernder Pilger", wie er sich selbst bezeichnet, mit seinem Sohn durch das Dunkel Osteuropas und langt schließlich in Travnik (Bosnien) an, wo er am 3. Juni 1810 vom österreichischen Konsul in Travnik, Oberstleutnant v. Mitesser, freundlich empfangen wurde. Aber auch hier duldete es den Ruhelosen nicht, er pilgerte am 4. Juni in Begleitung von zwei ihm mitgegebenen Janitscharen weiter, bis er in Pera bei Konstantinopel endlich ein dauerndes Obdach findet. Auf Grund der ihm im Jahre 1797 verliehenen goldenen Medaille und eines aus Slawonisch-Brod, dedato 2. Mai 1810, an den Kaiser gerichteten Gesuches, erhielt er vom Kaiser noch Geldunterstützungen (6. Jänner 1812, 400 Gulden W. W.) und von dem kommandierenden General von Slawonien, FMLt. Johann von Hiller (1748 bis 1814) manche Förderung. Beim Brand des Gesandtschafts-Palastes in Konstantinopel leistete Kolb dem damaligen österreichischen Gesandten bei der hohen Pforte, Ignaz Lorenz Freiherrn von Stürmer treffliche Dienste.

Nicht lange genoss dieser unruhige Geist die Ruhe des Exils. Am 27. September 1813 raffte ihn die Cholera hinweg und fern von Tirol, das stets das Ziel seiner heißblütigen, ehrgeizigen Pläne war, wurde sein Leichnam nach erfolgter Einsegnung in der Pfarre zu St. Anton in Pera in fremder Erde bestattet.

Seines Sohnes Johann nahm sich der englische Gesandte in Konstantinopel an, schickte ihn nach Tirol zurück, wo er später durch Verwendung des Hofrates Anton von Roschmann beim Kreisamt in Lienz, an der Stätte des unseligen Wirkens seines Vaters, eine Stelle als Kanzlist erhielt (März 1814). Der junge Kolb soll als Gubernial-Sekretär in Mailand gestorben sein.

Vor seiner Flucht in die Türkei hatte Kolb dem Hofe noch die Schlüssel zu zwei Ledertaschen zugeschickt, die seine Korrespondenz enthielten und die er bei Bauern in Afers bei Brixen und Aßling bei Lienz vergraben hatte. Einen kleinen Teil seiner Papiere hatte er gerettet und dem Grafen Lazansky übergeben. Anfänglich förderte Kaiser Franz Kolbs Bitte um Herbeischaffung der Akten, da sie dienen sollten, die Rechnungslegung über die von Kolb im Kriege gemachten und nun von ihm jetzt (dedato Brünn 19. März 1810) zurückgeforderten Auslagen zu erleichtern. Als jedoch Freiherr von Hormayr auf die bedenkliche Kompromittierung so vieler gutgesinnter Tiroler durch Kolbs Briefe hinwies, als ferner Fürst Klemens Metternich auf die Gefahr der Zerstreuung hinwies, da die Bündel zerlegt werden müssten, ließ der Kaiser mit Entschließung vom 10. November 1810 den Plan endgültig fallen. Erst im Jahre 1832 entdeckte man in Aßling unter dem Kirchendach die dort verborgenen Schriften Kolbs. Ein Mantelsack voll Briefe wurden aber von Kolb schon auf seiner Flucht Mitte Dezember 1809 in Enneberg zurückgelassen, vom Feinde gefunden und dem General Moreau überliefert. Auch in Platsch fanden sich Korrespondenzen, durch die viele Tiroler Landesverteidiger, zum Beispiel Kolbs Sekretär Karl TritschIer (gest. 1. Mai 1863 in Wien) kompromittiert wurden, vor.

So endete das Schicksal eines Mannes, der gewiss im besten Glauben gehandelt und für die Sache Tirols gekämpft hat, der aber bei der Wahl seiner Mittel keine Überlegung kannte und sich so mitschuldig machte an dem Totentanz des Jahres Neun.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 298 - 305.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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