SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Johann Spielthenner, Leibarzt Speckbachers

   
 
  Johann Spielthenner, Leibarzt Speckbachers
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Der Mann von Rinn, Josef Speckbacher, war im November 1809 von den Franzosen in die Acht erklärt und 700 fl. als Preis auf seinen Kopf gesetzt. Da gab es für ihn nur eines — die Flucht in die geliebten Berge. Von Schlupfwinkel zu Schlupfwinkel verkroch sich der von Spähern, Gendarmen und Soldaten eifrigst gesuchte Held. Am 2. Februar 1810 bezog er die Speckbacher-Gufl bei Gamshag, ein unzugängliches Felsennest. Am 15. März 1810, bei föhnigem Wetter, verließ er um 2 Uhr nachmittags die Höhle, um sich Holz zu holen. Da geriet er plötzlich in eine Lawine, die ihn fortriss; nur mit der größten Anstrengung konnte er sich herausarbeiten, wobei er sich den linken Schenkelknochen luxierte (verrenkte). Unter furchtbaren Schmerzen schleppte er sich sieben Stunden lang bis halb 10 Uhr abends zum Walderhof des Walderbauern Kassian Klingenschmied. Der Walderhof ist ein hochgelegener Hof des Großvolderberges, der einzige der ganzen Berggemeinde, der ein hölzernes Glockentürmchen auf seinem Giebel trägt. Das Wetterglöcklein des Walderbauern wurde nach alter, frommer Sitte jedesmal geläutet, wenn ein Unwetter über das Rosenjoch heraufzog, bis am 1. August 1880 Maria Nagiller, die Tochter des damaligen Walderbauern, beim Wetterläuten vom Blitz erschlagen und das Glöcklein dann nicht mehr geläutet wurde. Hier saß, wie erwähnt, im Jahre 1809 jener Kassian Klingenschmid; sein erstes Weib, aus Weerberg „zu Maurach" gebürtig, war bereits vor 1809 gestorben: er heiratete zum zweiten Male die Notburga Penz aus Navis, vielleicht eine Schwester des Helden von Ellbögen Johann Penz.

Klingenschmid holte schnell den eine halbe Stunde entfernt wohnenden weitbekannten Bauern-Doktor (Feldscher) Johann Spielthenner, vulgo „Gruber-Hansl", der am Großvolderberge ein Haus (jetzt „beim Gruber" Nr. 18) besaß und Speckbachers Hausarzt war. Der Name stammt wohl von Spiel-Thenne (Spiel-Bühne, Volksschauspiel).

Spielthenner richtete rasch Speckbachers Gelenk wieder ein und trug mit Klingenschmid den Schwerverletzten nach Rinn, wo man ihn in einem Loche seines Stalles versteckte. Zu nächtlicher Stunde machte ihm Spielthenner in der nächsten Zeit noch einige „Visiten", bis der „Spöck" nach sechs Wochen endlich genas.

Johann Spielthenner war 1774 geboren und Bauer zu Schweighof am Großvolderberg. Er hatte sich schon am 2. April 1797 in dem Gefecht bei Spinges sehr ausgezeichnet und war auch verwundet worden. Dafür genoss er eine kleine jährliche Pension von 25 fl. von Österreich, die auch Bayern bei der Besitzergreifung Tirols (11. Februar 1806) übernahm. Spielthenner besaß chirurgische Kenntnisse und heilte mit größter Aufopferung die in den Schlachten 1809 verwundeten Tiroler. Diese Tätigkeit war nach dem Abzuge des österreichischen Militärs (30. Juli 1809) besonders schwierig, da das Militär weder Feldspitäler noch Medikamente zurückgelassen hatte. In der Berg-Isel-Schlacht (13. August) nahm er als Oberleutnant der Schützenkompagnie von Volders (Hauptmann Andreas Angerer) teil. Deshalb strichen die Bayern im November 1809 seine Pension und Speckbacher, der für seinen Hausarzt in Wien (1810) intervenierte, konnte trotz vorgewiesener Rechnungen , über gemachte Barauslagen des Arztes für ihn nichts erwirken. Auch Josef Ignaz Straub, auf dessen Befehl Spielthenner, der Bauerndoktor, verwundete Landsleute kuriert hatte, die sonst „mangels eines Chirurgen sicher das Leben gelassen hätten", setzte sich für Spielthenner im Jahre 1811 beim Wiener Ausschuss für die Verteilung der englischen Hilfsgelder ein und schloss seine Eingabe mit den lakonischen Worten: „Niemand gibt ihm nichts!" (Er hatte 300 fl. verlangt.) Erst am 8. März 1824 erhielt er 150 Gulden.

Spielthenner starb als Witwer, 68 Jahre alt, am 29. Juli 1842 in Großvolderberg (Pfarre Volders) infolge Sturzes von einem Baume. Nach seinem Tode wurde das „Gruber-Gut" durch seinen Bruder Josef Spielthenner an einen Jakob Klingenschmid, welcher mit einer Verwandten des Johann Spielthenner, namens Therese Angerer verehelicht war, verkauft. Josef Spielthenner heiratete „zum Koreth" nach Kleinvolderberg.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 392 - 393.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.