SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Johann Penz, der Held von Ellbögen

   
 
  Johann Penz, der Held von Ellbögen
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Einen interessanten Beitrag zur Geschichte des Mittelgebirges bietet uns ein (aus den Brandresten des Justizpalastes geretteter) Akt des Wiener Staatsarchivs. Die dem Akte beigeschlossenen Zeugnisse sind wegen der Originalschriften der Aussteller wert, veröffentlicht zu werden. Es handelt sich um ein Gnadengesuch der Witwe Maria Penz.

Johann Penz, geb. am 19. Juni 1763 in Navis bei Matrei am Brenner, als Sohn des Philipp und der Maria Penz, geb. Mößl, heiratete am 13. Februar 1786 in St. Peter-Ellbögen die Erbtochter des Schandl-Hofes in Ellbögen, der heute noch besteht, die Nr. 23 trägt und durch die schönen großen „Schandl-Felder", in der Nähe der Pfarrkirche, zu den schönsten Höfen dieser Gegend gerechnet werden muss. Johann Penz, wegen dieses Besitzes in Ellbögen „Schandlbauer" genannt, war am 11. April 1809 als Kommandant der Bauernscharen von Ellbögen, Patsch, Igls und Vill ausgerückt und hatte den Berg Isel bei der Sillbrücke besetzt, nachdem er die dort postierten Feinde vertrieben und auf die Wiltener Ebene gedrängt hatte. Dann schlug er über den Sillfluss eine Notbrücke, über die er mit seinen Getreuen auf das andere Ufer setzte und von dort die Bayern im Sturme verjagte, so dass am späten Nachmittag diese wichtige Position vom Feinde ganz gesäubert war. Aus Freude über den errungenen Sieg zechte Penz die ganze Nacht hindurch mit seinen beiden Söhnen und Mannschaften im Bierstindl (heute Klostergasse Nr. 6) und machte seinen Kumpanen den tollkühnen Vorschlag, noch in der stockfinsteren Nacht die Stadt anzugreifen, doch wurde dieser Plan von den hinzugekommenen Hauptleuten Josef Patsch, der den Penz vor einem Überfall durch eine bayerische Patrouille rettete, und Michael Pfurtscheller abgelehnt. Als Angriffstag wurde vielmehr der frühe Morgen des 12. bestimmt.

Um 5 Uhr früh des 12. April rückte Penz mit seinen kampfbegeisterten Scharen über den Paschberg der Sillbrücke zu. Ohne auf die ihm von den dort postierten Feinden drohende Gefahr zu achten, stieg er mit den hitzigen Ellbögnern in die Ebene hinab und ging in aller Stille in das Dorf Wilten vor, wo die bayerische Kavallerie auf dem Feld hinter dem Schnellschen Hause (heute Fischergasse Nr. 6) aufgestellt war. Einige Schützen schlichen sich in die Gärten und schossen über die Mauer auf dir Kavallerie, der größere Teil griff den Feind auf offener Straße an. Auf die ersten Schüsse fielen gleich einige Reiter von den Pferden, allein die anderen, hierdurch erbittert, sprengten mit verhängten Zügeln auf die Bauern los. Diese stoben auseinander und flüchteten in die nächsten Häuser. Auf der Straße wurden mehrere Schützen, die keine Schutzwehr mehr fanden, niedergehauen, so auch Johann Penz, der unter den Säbelhieben dreier Dragoner, die von der Foldgasse heransprengten, beim Oberrauchschen Hause (jetzt Leopoldstraße 35) tot zu Boden sank, nachdem ihn schon vorher zwei feindliche Kugeln schwer verwundet hatten. Nach einer anderen Angabe soll Penz in der Banderlgasse (heute Liebenegggasse) zusammengehauen worden sein. Nach Penz' Tode übernahm Paul HiIber (geb. 26. Jänner 1786 in Igls, gest. 28. September 1857 in Ebelsberg, Oberösterreich) das Kommando über die Ellbögner. Penz, der, wie die Sterbematriken sagen, am 12. April 1809 zwischen 7 und 8 Uhr früh starb, wurde mit Erlaubnis des Pfarrers von Wilten nach Ellbögen gebracht und dort feierlich beerdigt. Als man ihn begrub, feierten seine Kampfgenossen drunten in Innsbruck bereits den Sieg über die feindliche Besatzung, die sie zum Teil verjagt, zum Teil gefangen genommen hatten. Anton Knoflach (geb. 16. Mai 1783 in Deutsch-Matrei, gest. 26. Mai 1842 in Linz an der Donau) schreibt in seinem Tagebuch, Penz sei, nachdem er zwei Dragoner vom Pferde geschossen hatte, von einem dritten zusammengehauen worden. Um den toten Vater zu rächen, seien seine beiden Söhne Josef (geb. 10. März 1789, gest. 19. Februar 1859) und Johann (geb. 16. Mai 1792, gest. 11. April 1852) tags darauf dem Feinde entgegen gezogen.

Über das eingangs erwähnte Gesuch der Witwe Maria Penz, die am 22. April 1758 in Ellbögen geboren und eine Tochter des Johann Gschlisser und der Anna Gschlisser, geb. Spörr, war, wurden nun von der Tiroler Hofkommission (Alois Freiherrn von Ceschi) Erhebungen angeordnet, die der damalige Landrichter von Steinach (wohin Ellbögen gehörte), spätere Gubernialrat Johann Bouthillier zu führen hatte. Am 10. November 1814 wurde der Bürgermeister von Ellbögen, Johann Untersperger, am 14. Februar 1815 dessen Nachfolger, Bürgermeister Simon Mayr, am 1. November 1814 und 15. Februar 1815 der Kurat von St. Peter in Ellbögen, Karl Hirn, und am 20. März 1815 der Landeskommissär Anton von Roschmann einvernommen. Ein „Attest" über die Tapferheit des Penz, ausgestellt am 1. Dezember 1814, unterfertigten eigenhändig: Franz Zäch, Bürgermeister 1809 .von Ellbögen, Georg Wiser, Bürgermeister 1809 von Sistrans, Balthasar Knoflach, Bürgermeister 1809 von Patsch, Daniel Marian, Kurat 1809 von Ellbögen, und Andreas Schmiderer, Bürgermeister 1809 von Igls. Ein besonderes Zeugnis für Penz stellte der k. k. Landesschützenmajor Josef Speckbacher am 26. Oktober 1814 zu Rinn aus, das uns im Original vorliegt und folgenden Wortlaut hat: „Zeugnis, das die Vorweiserin dieses, die Witwe des Johann Penz von Ellebogen anbeträgt. Dieser Johannes Penz war in der Kriegsepoche 1809 bei der ersten Aushebung der Bayern von Ellbögen als Sturm-Anführer und hat sich vorzüglich mit seiner Tapferkeit ausgezeichnet, indem er immer an der Spitze seiner Mannschaft war, bis er das Unglück hatte, bei Innsbruck von einer bairischen Musketenkugel tot geschossen zu werden. Hinterließ eine Witwe mit mehreren unerzogenen Kindern. Dies kann ich auf ihr Ansuchen bestätigen und zu einer Unterstützung würdig empfehlen."

Penz hatte fünf Kinder, von denen der älteste Sohn, Josef, im Jahre 1815 Fuhrknecht in Ellbögen war, die übrigen Kinder, Ursula (geb. 20. Oktober 1787), Johann, Marie (geb. 7. Februar 1794), Peter (geb. 5. Juni 1798), bei der Mutter waren. Ein direkter Urenkel des Helden ist der jetzige Stadtpfarrer von Landeck, Dr. phil. Josef Penz (geb. 23. Jänner 1879 in Ellbögen).

Der Akt bietet uns eine wertvolle Quelle für die Namen der Bürgermeister, die im Jahre 1809 den Gemeinden des Mittelgebirges vorstanden und für die Biographie eines heldenmütigen Tiroler Landesverteidigers.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 351 - 353.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.