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  Gründe, die zur Erhebung Tirols führten
 

 

Der "Bairischen Rechtfertigung" stellt der Chronist die Gründe, die zur Erhebung Tirols führten, gegenüber.

Diese sind seiner "Nachlese für den Bezirk Kufstein" entnommen, erschienen anlässlich des Tiroler Gedenkjahres 1984, verfasst von SR. Ekkehard Hofbauer, Vorstand des Vereins für Heimatkunde und Naturschutz in Kufstein.

Vorgeschichte:

Die Ereignisse des Jahres 1703 hatten grundlegend das Vertrauen zwischen Bayern und Tirol, aber auch zwischen den beiden Herrscherdynastien der Habsburger und der Wittelsbacher erschüttert, aber auch das Vertrauen des Tiroler Volkes auf seine eigene Kraft, gestützt auf die Grundlage des Landlibells Kaiser Maximilians von 1511, gestärkt.

Als Kurfürst Karl Albrecht im Polnischen Erbfolgekrieg (1733 - 35) durch Truppenaufmärsche die Unsicherheit vergrößerte, musste trotz der Bedrohung der Südgrenze Tirols auch gegenüber Bayern erhöhte Vorsicht beachtet werden. Dies war eine zusätzliche Belastung für das Land.

1741 versuchte der selbe Kurfürst Erbansprüche auf ganz Osterreich zu stellen und fiel in Oberösterreich ein. Wieder musste Tirol seine Grenzen sichern. Als der Kurfürst als Kaiser Karl VII. von seinem Kriegszug nach Prag in sein Land zurückkehrte, war wieder mit einem Angriff auf Tirol zu rechnen, bis er 1745 starb.

Wenn es auch in der Folge keine weiteren Verwicklungen und kriegerische Abenteuer für 50 Jahre gab, so blieb doch das Misstrauen gegenüber dem bayerischen Nachbar erhalten. Obwohl noch 1800 Bayern mit Osterreich verbündet war, schloss 1805 Kurfürst Max I. Joseph mit Napoleon ein Schutz- und Trutzbündnis, was allgemein als Verrat eines deutschen Fürsten gegen seinen Kaiser angesehen wurde und auch in Tirol Empörung hervorrief.

Im selben Jahr 1805 erlitt Österreich die schwere Niederlage von Ulm, in deren Folge das Land von allen regulären Truppen geräumt wurde und Marschall Ney ohne Widerstand in Innsbruck einzog.

Das besiegte Osterreich musste im Frieden von Preßburg ganz Tirol an das am 1. 1. 1806 zum Königreich erhobene Bayern abtreten, das allerdings lieber Salzburg, Oberösterreich oder das abgetretene Würzburg für sich erworben hätte; das Diktat Napoleons lautete aber anders.

Am 22. Jänner wurde das bayerische Besitz-Ergreifungs-Patent erlassen und am 11.Feber wurde das Land von den Franzosen an die Bayern übergeben.

Der bayerische König sicherte den Tirolern die Beachtung aller Vorrechte und die Beibehaltung der alten ständischen Verfassung zu.

Graf Arco als Hofkommissär, später Generalkommissär, ein Welschtiroler, vertrat oft die Interessen Tirols gegen die Münchner Absichten.

Als am 6. Jänner 1808 das bayerische Königspaar mit dem Kronprinzen Ludwig nach Innsbruck kam, wurde diesem ein großartiger Empfang bereitet und es wurden zahlreiche Huldigungsreden gehalten. Die Stimmung im Volke war aber anders:

1. Bayerische Reformen in der Verwaltung:

a) Ende der bisherigen Land-, Urbar- und Hofmarksgerichte:

Die neuen Gerichte hatten eine viel größere Zuständigkeit. So umfasste das neue Landgericht Kufstein auch den Bereich von Kitzbühel bis zum Pillersee. Das brachte einen wesentlich erschwerten Zugang zum Recht. Da das Personal im Umfang (1 Landrichter, 1 Aktuar) gleich geblieben war, wurde der Geschäftsgang umso umfangreicher. Die Zahl der Geschäftsnummern stieg von 1.600 im Jahr auf 4.000l Die Abwicklung war daher denkbar schleppend. Zum Landgericht Kufstein gehörte damals auch das Gericht Auerburg (= Kiefersfelden, Ober- u. Niederaudorf). Erst später wurde Kitzbühel abgetrennt.

b) Einführung der bayerischen Konstitution am 1. Mai 1808:

Durch diese neue Konstitution wurde Tirol in drei Kreise eingeteilt:
Innkreis - Innsbruck: Kreiskommissär Graf Lodron,
Eisackkreis - Brixen: Kreiskommissär Graf v. Aretin,
Etschkreis - Trient: Kreiskommissär Graf Welsperg.
Der bisherige Generalkommissär Graf Arco, der durch seine vorsichtig taktierende Vorgangsweise manche harte Maßnahme gemildert hatte und oft für Tirol auch Forderungen gestellt hatte, ging als Chef der Polizei-Sektion ins kgl. Ministerium nach München zurück. Die drei Kommissare hatten untereinander keine Kontakte, trafen zu verschiedenen Fragen verschiedene Entscheidungen. Diese Kreiseinteilung brachte das Ende der ständischen Gliederung Tirols und damit auch dieser Verwaltung. Auch die städtische Selbständigkeit war bedroht.

c) Die Beamtenschaft:

Bei der Übernahme Tirols durch Bayern verließen nur wenige Tirol und übersiedelten nach dem übrigen Österreich. Der König erließ aber den Befehl, dass den Beamten jeder Verkehr mit den bisherigen Amtsstellen in Österreich strengstens untersagt sei. Die diesbezügliche Strafe war der Verlust des Dienstplatzes. Viele Beamte und Funktionäre, denen man aber misstraute oder die den Treue-Eid auf den neuen Landesherrn nicht leisten wollten, wurden entlassen oder frühzeitig in die Pension geschickt. Freigewordene Stellen wurden von bayerischen Beamten besetzt. Bei den untersten Beamten machte sich bald Denunziantentum und Wichtigtuerei bemerkbar. Ein Beispiel für einen schlechten Beamten: Kreishauptmann Graf Max Nyss von Schwaz: Er verbot z.B. den Namen "Kaiserbirne" und forderte dafür den Namen "Königsbirne" zu verwenden. Er verlangte den Abbruch eines Kachelofens, weil er den Tiroler Adler trug. Als 1807 eine Überschwemmung des Lahnbaches die bereits verarmten Bewohner schädigte, rief der König selbst zur Sammlung auf und stiftete dazu Geld. Diese Hilfsgelder wurden von Nyss veruntreut. Auf Grund einer Untersuchung kam man darauf und er wurde zu 15 Jahre Haft verurteilt. Hormayr sagte von dem Beamten:
"Bei den Bayern hängt alles vom Beamten ab, in Österreich hängt der Beamte von allen ab".

Graf Aretin sagte nach den Kämpfen des Jahres 1809 zu den Reformen Bayerns in Tirol:

"Wo Osterreich alle veralteten Formen beibehielt, reformierte Bayern zu viel und zu schnell. Wo Osterreich zu wenig regierte, beging Bayern den Fehler des Zuvielregierens".

Zu den Reformen im Verwaltungsbereich muss gesagt werden, dass viele dieser von den Bayern eingeführten Reformen ganz im Sinne des absoluten Zentralstaates getroffen wurden, die auch in Bayern Unmut erregten, in Tirol aber vom nichtangestammten Herrscherhaus noch weniger akzeptiert wurden. Man hatte ja schon unter Maria Theresia und Joseph II. vieles nur mit Murren aufgenommen, und Joseph II. hatte sowieso viele seiner Reformen wieder zurücknehmen müssen.

Auch die unkluge Vorgangsweise besonders der untergeordneten Beamten, sie waren hochmütig, hart strafend, handelten nur nach dem Buchstaben des Gesetzes, hat viel zu einer Missstimmung mit dem bayerischen Regime beigetragen.

2. Die Abwertung der österr. Bancozettel (=Papiergulden):

Mit Einverständnis der Stände (noch vor 1808) wurde die Abwertung des österr. Bancozettel auf 2/5 ihres Nominalwertes durchgeführt. Das traf Bargeldbesitzer gleich wie den verschuldeten bäuerlichen Grundbesitz. Dort kam es dann zu rücksichtslosen Versteigerungen von Höfen und Grundbesitz. Dadurch wurde das Land in seinem Wohlstand sehr zurückgeworfen.

3. Die Erhöhung der Steuern und neue Steuern:

a) Zum Unterhalt der Garnisonstruppen wurde eine Kopfsteuer eingeführt, die monatlich 200.000 Gulden einbringen sollte. Bisher war unter Österreich kein Geldmittel dafür erforderlich gewesen, da Tirol ja selbst zum Schutz seiner Grenzen zuständig war, sodass nur wenig Garnison im Lande lag, für die auch nichts zu bezahlen war.

b) Einführung eines Weggeld-Surrogats:
Auf jedes Stück Zuchtvieh wurde ein Aufschlag eingehoben, der nach München ging.

c) 1808 wurde ein Fleischaufschlag eingehoben, von allen Gewerbsleuten ward ein Klassenzollpatent eingeführt; weiters wurde eine neue Stempeltaxe eingeführt (Tirol hatte sich unter Österreich für einige Zeit mit einer Pauschalzahlung freigekauft).

d) Viele der bisher für die Zwecke des Landes eingehobenen Steuern gingen nun nach München, der Rückfluss für Belange des Landes erfolgte nur sehr spärlich. Zwei Überblicke zeigen für Tirols Bevölkerung und Wirtschaft nachteilige Entwicklung im Steuerwesen:

Gelder des Landes ins Ausland (Bayern):

Lotto-Gefälle
16.000 fl.
Salz-Gefälle 440.000 fl.
Maut-Gefälle 409.000 fl.
Post-Gefälle 51.000 fl.
Strassengelder 196.000 fl.

Landgericht Kufstein:

Steuern 1805
6.414 fl.
Steuern 1806 339.615 fl.

Österreich hatte im Steuerwesen Tirol gegenüber immer eine günstige Haltung eingenommen und das Land wegen seiner strategischen und verteidigungspolitischen Lage immer gut behandelt. Bayern dagegen suchte aus Tirol jene Vorteile zu ziehen, welche den für dessen Eroberung gebrachte Opfer entsprechen.

4. Der Niedergang des Wirtschaftslebens:

Viele Wirtschaftstreibende hatten sich vom Anschluss an Bayern eine Verstärkung der wirtschaftlichen Bindungen und damit des Handels verhofft. Die Einbeziehung Tirols in den bayerischen Mautverband ließ auf sich warten. Die Zölle blieben weiter bestehen. Obwohl 1806 an die 50.000 Scheffel Getreide von Bayern nach Tirol gingen, war die Viehausfuhr nach Bayern verboten. Die Zollschranken wurden erst 1808 aufgehoben, als Tirols Wirtschaft schon schwer geschädigt war, denn auch die Grenzen nach Österreich waren ebenso geschlossen.

Besonders nachteilig wirkte sich auch Napoleons Kontinentalsperre aus, denn dadurch erlitt der Transithandel seinen schwersten Schlag. Die Durchfuhr englischer, deutscher, österreichischer, französischer und niederländischer Waren nach Italien war verboten. Vor allem litt die Handelsstadt Bozen darunter, wo der dortige Merkantil-Magistrat, der für die Marktzeit eine eigens Gerichtsbarkeit besaß, unter die Aufsicht der Regierung gestellt wurde.

Die Schwazer Bergamtskasse war passiv, da die Funde immer mehr zurückgegangen waren. Auch der Einsatz neuer bayerischer Beamter konnte daran nichts ändern. Die Messingfabriken in Achrain bei Kramsach und Lienz gerieten wegen des Einfuhrverbots ungarischen Kupfers, denn Tirol erzeugte zu wenig, in ernste Krise. Ein 1808 abgeschlossener Tauschvertrag, durch den Kupfer nach Tirol und Messing nach Österreich geliefert werden konnte, brachte natürlich in kurzer Zeit keine entscheidenden Verbesserungen.

Die Jenbacher Eisengießerei wurde durch ein Formereihaus erweitert und modernisiert. Die Produktion konnte aber noch nicht voll anlaufen und somit kam eine wirtschaftliche Besserung erst langsam zustande.

Die Häringer Kohle wurde nunmehr ausschließlich für die Salzpfannen in Hall gefördert. Bayern rief weitere Bergknappen aus Schlesien ins Land, um den Abbau voranzutreiben. Weiters wurden im Oberinntal, wo man Kohle vermutete, Schürfungen durchgeführt, die viel Geld erforderten, aber letztlich nichts einbrachten.

Am meisten litt die Strehlesche Leinwand- und Baumwollfabrik in Imst unter den Ausfuhrsperren, durch die vor allem der Absatz der Musselin-Halstücher mit Stickereien fast zum Erliegen kam. Das hatte die Folge, dass die Gesamtzahl der dort beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen von 4.791 im Jahre 1804 auf 905 im Jahrs 1809 zurückging, was eine der Hauptursachen für den Aufstand im Oberinntal gewesen sein dürfte. Unter den von Napoleon befohlenen Handelsbeschränkungen waren auch die Seidenerzeugung in Welsch-Tirol und die Spinnereien in Schwaz und Reutte sehr betroffen. Infolge der Begünstigungen für Frankreich kamen Warenlieferungen von Venedig über Mailand, Chur, Elsaß pro Zentner Ware um 2 ½ fl billiger, als wenn sie durch Tirol gegangen wären. Erst 1808 wurde durch einen Vertrag zwischen dem Königreich Bayern und Italien hier im Transithandel eine Verbesserung erreicht, aber auch diese kam zu spät.

Dazu kam auch, dass zwar die Straßengelder nach Bayern flossen, aber für Tirols Straßenwesen wurde kaum etwas getan. Besonders die Verbindung über den Achenpass wurde derart vernachlässigt, dass kaum ein Fuhrwerk mehr durchkam. Da auch von der bayerischen Behörde eine Einschränkung des außer Land ziehenden Gewerbes (Holzknechte, Fuhrleute, Krämer) vorgenommen wurde, vielleicht war hier die Angst vor einer Agententätigkeit die Ursache, war vielen die Möglichkeit entzogen, außer Landes Arbeit und Verdienst zu finden.

5. Sozial- und Gesundheitswesen:

Bald nach der Regierungsübernahme Tirols wurde die Verwaltungen der Stiftungen (Kirchpröbste),der Armenkassen und der Spitalverwaltung unter Beamtenaufsieht gestellt, also der freien Wahl der Verwalter und der Aufsicht der Gemeinden entzogen. Da auch die für viele Stiftungen vorgesehenen Einnahmen aus Abgaben von Saline, Zoll und Mautstätten abgestellt wurden, konnten die karitativen Einrichtungen kaum mehr ihre Aufgaben erfüllen, wovon wieder die Ärmsten arg betroffen waren. Hart ging die bayerische Behörde auch gegen die in Tirol wirlenden "Kurpfuscher" vor. Der eingeführte Impfzwang erregte ebenfalls den Ärger des einfachen Volkes. Ungeimpft gestorbene Kinder durften nur des nachts und ohne Verwandtschaft beigesetzt werden. Sogar das Läuten der Sterbeglocke wurde verboten.

6. Schulwesen:

Das in Tirol nicht sehr gut organisierte Schulwesen sollte durch die Bayern verbessert werden. Man wollte das durch Zentralisierung der Landschulen erreichen. Die Abneigung des Staates gegen die Orden führte zur Auflösung der Ordensschulen. Die bisher von Österreich gewährten 8.000 fl für die Hochschule wurden ersatzlos gestrichen. Überschüsse der Klöster Wilten, Stams, Neustift und der aufgehobenen Ordenshäuser sollten für die Hochschule bestimmt werden. Harte Kritik wurde auch an den Kenntnissen und Begabungen der Professoren geübt; einige wurden entlassen und durch bayerische ersetzt. Die Studiensammlungen der Hochschule wurden aus den Sammlungen der Klöster und Stifte ergänzt.

7. Der Kirchenkonflikt:

Die in Bayern schon durchgeführte Kirchenreform sollte auch in Tirol durchgeführt werden und ging weit über die Reformen unter Kaiser Joseph II. hinaus, von denen viele wieder zurückgenommen werden mussten. Die Reformen der Bayern nahmen keinerlei Rücksicht auf die Tradition, das Brauchtum und den Konservatismus der Tiroler.

a) Konflikt mit den Bischöfen:

Die Bischöfe von Trient, Brixen und Chur (Obervintschgau) sprachen sich gegen die Anmaßung der bayerischen Regierung aus, selbst Pfründen und kirchliche Stellen zu vergeben und Richtlinien zur Priesterausbildung zu geben.

Reaktion der Bayern: Der wegen der napoleonischen Unruhen in Meran residierende Bischof von Chur wird in die Schweiz zurückgewiesen, der Trienter Bischof nach Reichenhall deportiert.

b) Aufhebung der Klöster:

Die sieben großen Klöster des Landes wurden aufgehoben. Nach Abtransport der wertvollen Gegenstände nach München werden Gebäude, Einrichtungen und Grundbesitz versteigert oder verpachtet.

c) Eingriffe ins Kirchliche Leben:

Verbot der Christmette, der Prozessionen und Wallfahrten, der Wettersegen, des Feierabendläutens, des Rosenkranzbetens (stattdessen Beten der Allerheiligenlitanei), der Roratemessen; Einführung eines Gebetes für den König und die Königin, Beschränkung der Predigtdauer, Reduzierungsforderung für die hl.Gräber, kein feierlicher Segen beim Hochamt, keine Kirchenmusik bei der Vesper u.v.a.

Diese Maßnahmen erregten vor allem im einfachen Volk starken Unmut. Übertretungen wurden mit Verweisen für den Pfarrer, im Wiederholungsfall mit Absetzung bedroht. Diese Versetzungen von beliebten Seelsorgern traf das Volk oft am härtesten. Neu eingesetzte Priester aus Bayern wurden vom Volk großteils nicht zur Kenntnis genommen. Viele abgesetzte Priester mussten heimlich die hl.Messe lesen.

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass der Kulturkampf, den Montgelas gegen die Kirche mit den Waffen der Polizeigewalt führte, in Tirol am wenigsten zum Ziele führen konnte, und es war eine der wesentlichen Ursachen für den Willen der Tiroler, zu versuchen, sich von der Fremdherrschaft zu befreien.

8. Die Wehrpflicht:

Gab es anfangs noch Freiwilligenwerbung zum bayerischen Heer - z.B. 1807 wurden 888 Mann geworben, von denen aber 300 Mann bei Verlassen des Landes in die Berge flohen -, so wurde am 1. Mai 1808 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Zuerst ging man nur sehr zögernd vor; zu Beginn des Jahres 1809 wurde aber unter Druck Napoleons rücksichtsloser vorgegangen. Die Landrichter mussten schnellstens die Konskriptions-Listen erstellen. Entstehende Unruhen wurden durch Militär und durch Bestrafung der Rädelsführer niedergedrückt. In vielen Orten verschwanden die jungen Burschen, flüchteten ins Gebirge oder nach Österreich, um sich vor dem Dienst im bayerischen Geer zu drücken.

Als am 12.und 13.März 1809 bei der Aushebung der ersten Rekruten am Innsbrucker Mittelgebirge die betroffenen Burschen entflohen, wollte das Militär sie einfangen. Zwei bewaffnete Burschen schlugen dabei eine Patrouille in die Flucht. Als eine Verstärkung der Bayern herangeholt wurde, ertönte erstmals Sturmläuten. Bewaffnete Bauern nahmen die Soldaten gefangen, entwaffneten sie und schickten sie nach Innsbruck zurück. Dies war die erste Probe eines begrenzten Aufstandes.

Die Folge war: Unsicherheit auf bayerischer Seite, wachsendes Selbstvertrauen der Tiroler, die Bereitschaft zum Widerstand wuchs.

9. Propaganda:

In dem Ausmaß, als sich Österreich zum neuen Kampf gegen Napoleon entschließt und diesen vorbereitete, versucht man von Wien aus (Erzherzog Johann,von Hormayr u.a.) die Tiroler zum Kampf aufzuforden:

a) Laufzettel und Aufrufe kursieren im Land,
b) Kontakte der Tiroler mit dem Kaiser und mit Erzherzog Johann mehren sich,
c) für alle Missstände im Land werden allein die Bayern verantwortlich gemacht.

10. Relativ schwache Besatzungsmacht:

Der Grundsatz Napoleons, den Gegner immer im Herzen seines Landes anzugreifen, wozu er auch die bayerischen Regimenter heranzog, hatte dazu geführt, dass sich die Bayern mit einer verhältnismäßig geringen Heeresmacht in Tirol festgesetzt hatten. Vor allem in den kleinen Seitentälern Südtirols und des Oberinntals gab es kaum Bayern, sodass dort leicht und unbemerkt Vorbereitungen zum Aufstand getroffen werden konnten.

Aus dem Gesagten ist festzustellen, dass es eine Summe vieler kleinerer und größerer Ursachen war, die letztlich zum Entschluss der Tiroler zum Aufstand gegen die Fremdherrschaft, zum Kampf um die Freiheit des Landes den Ausschlag gab.

Siehe:
"Bayern-Tirol: Die Geschichte einer freud-leidvollen Nachbarschaft" von Michael Forcher, Herder-Verlag und "Tirols Erhebung im Jahre 1809" von Josef Hirn.

  Quelle: Fritz Kirchmair [Hrsg.], Tirol von 1805 - 1815 aus bayerischer und österr. Sicht, Schwoich 1995, Band 3, S. 88 - 93.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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