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  Finanzminister Holzknecht
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

„Die Joppe" hatte in der Hofburg die Herrschaft, als Andreas Hofer dort 1809 sein Bauernregiment führte. Namentlich seine Landsleute aus dem Passeier und dem Burggrafenamte bevorzugte Hofer bei der Vergebung von Ämtern in der Generaladministration. Die wichtigste Persönlichkeit neben Hofer war aber der Stroblwirt aus St. Leonhard Johann Holzknecht. Die Tiroler Wirte spielten in der Erhebung Anno Neun überhaupt eine bedeutende Rolle, dienten doch ihre Wirtsstuben als Konferenzzimmer für den bäuerlichen Generalstab. Von den Holzknechts, einer alten Passeirer Familie, war Johann „Stroblwirt", Jakob „Ortswirt", Josef sen. „Einkehrwirt", Josef jun. „Brühwirt" (Bierwirt) und Peter „Bestandwirt" in Passeier. Das Strobl-Wirtshaus gehörte 1729 dem Josef Strobl, 1777 hieß es zum „Weißen Einhorn", um 1800 übernahm es Johann Holzknecht. Er war geboren in St. Leonhard am 12. Juli 1768 als ehelicher Sohn des Franz Holzknecht, Brühwirt, und der Maria Holzknecht, geb. Hofer, und heiratete am 3. Juni 1788 die Therese Ladurner, eine Tochter der Therese Ladurner, geb. Rainer, und des Johann Ladurner, früher Rotadlerwirt, später Wirt zum „Goldenen Adler" in Meran.

Johann Holzknecht, ein politisch kluger Kopf, wurde der Kassier, Schatzmeister und Finanzminister Andreas Hofers und gehörte dessen geheimen Rate, in dem nur wenige Vertraute saßen, an. Da sich Hofer um Geldsachen wenig kümmerte, vielmehr die Rolle des obersten Kriegsherrn des Tiroler Bauernheeres spielte, konnte Holzknecht selbstherrlich in Geldsachen schalten und walten.

Holzknecht verstand aber auch etwas von der Kriegführung. Am 10. August 1796 beruft er die Landsturm-Scharfschützen von Passeier ein; aus alten Urkunden geht hervor, dass Holzknecht schon am 19. März 1797 Schützenmeister und am 3. März 1799 Schützenhauptmann war. Im April 1799 zog er an der Spitze der Passeirer mit der Kolonne des Generals FMLt. Grafen Hadik gegen die Franzosen im Engadin. Am 5. Mai 1809 warf er sich mit 400 Passeirern, die ihn zu ihrem Hauptmann gewählt hatten, bei Trient dem General Rusca entgegen. In der Berg-Isel-Schlacht fungierte er mehr als Generalstäbler in der Umgebung des Oberkommandos Hofers wie als Truppenführer. Seine Haupttätigkeit entfaltete er, wie erwähnt, als Finanzminister (neben Dr. Josef Rapp) in der Regierungszeit Hofers. Als Hofer am 1. September 1809 Innsbruck zu einem kurzen Urlaub verließ, begleitete ihn Holzknecht in die gemeinsame Heimat nach Passeier. Sein schönster Tag war, als ihm die kaiserlichen Sendboten Jakob Siberer und Josef Eisenstecken am 29. September 1809 in der Innsbrucker Hofburg 3000 blanke Golddukaten ausbezahlten, die Holzknecht genauestens überzählte, in ein hölzernes Schüsselchen legte und in seinem Kasten verwahrte.

Holzknecht war der „Alter Ego“ Hofers. Wiederholt (so am l5. Oktober 1809 beim Kriegsrat in Sterzing) fungierte er als sein bevollmächtigter Stellvertreter, wobei er in militärischer Hinsicht die Stelle eines Generaladjutanten bekleidete. Er bekannte sich zur gemäßigten Kriegspartei, und bewies besondere Tüchtigkeit und hervorragendes Verständnis bei der Mobilisierung des Landsturmes im Passeier. Am 24. Oktober 1809 besetzte er mit 1000 Passeirern die nordöstlichen Höhen Innsbrucks, fuhr am 30. Oktober nach einem Kriegsrat in Schönberg (29. Oktober) mit einer eigenhändigen offenen Ordre Andreas Hofers nach Südtirol, um dort die Waffenruhe zu propagieren. Am 2. November war er wieder in Steinach und bewog Hofer zur Niederlegung des Kommandos. Dann begab er sich in die Heimat, um sich in Ruhe seinem Wirtsgeschäfte zu widmen.

Aber schon 14 Tage später musste er wieder zu den Waffen greifen. Er übernahm wieder das Kommando über die Passeirer gegen die heranrückenden Franzosen und erfocht in St. Leonhard einen glänzenden Sieg über den Feind, der kapitulieren musste (22. November). Aber die Freude über den Erfolg war nur kurz, denn schon am 24. rückte der Franzosengeneral Barbou in das verwüstete St. Leonhard. Da schrieb (30. November) Holzknecht an „Andreas Hofer, wo er ist" den berühmten Brief, der mit den Worten beginnt: „Liebster Bruder Landwirt, rette dich . . ." und mit dem Rate schließt: „. . . . verschmähe nicht diese paar Zeilen. Sie sind gewiss aufrichtig von deinem bekannten Freund, der dich jederzeit liebt und in den Schutz Gottes befiehlt, unter herzlichem Gruß." Holzknecht hatte die Hoffnungslosigkeit der Lage richtig erkannt, ihm wurde bange um den treuen Freund, der immer noch auf Hilfe von Wien baute und so rät er ihm, allen Widerstandsgedanken zu entsagen; leider achtete Hofer den Rat des bewahrten Freundes und treuen Kampfgenossen nicht. Holzknecht begab sich zum General Baraguey nach Meran, der ihn sehr gut aufnahm, zur Tafel zuzog und ihm Schutzgarden nach Passeier mitgab (24. November).

Nach der Gefangennahme Hofers war es Holzknecht, der mit einigen Getreuen bei General Graf Baraguey die Begnadigung Hofers und die Freilassung von dessen Frau und Sohn erbat. Im Jänner 1811 brachte er den des Vaters beraubten jungen Hofer nach Wien und setzte bei der bayerischen Gesandtschaft wegen seines sympathischen Auftretens manche Vorteile für die Familie Hofer durch.

Holzknecht nahm beim Großhändler Wildauer in Wien, Innere Stadt Nr. 450, Wohnung, begab sich mit seinem Bruder, der Kaufmann in Triest war, auf einige Zeit nach Triest und reichte, Ende März wieder nach Wien zurückgekehrt, am 4. April 1811 beim Kaiser ein Gesuch um eine Geldunterstützung und eine Ordensauszeichnung ein. Erst am 22. Juli 1811 nach langwierigem Aktenwechsel erhielt er vom Kaiser eine Abfertigung von 4000 Gulden in Banco-Zetteln. Nun wollte er wieder nach Tirol zurück, doch der bayerische Gesandte in Wien riet ihm selbst davon ab, da er ihm für seine Freiheit in dem besetzten Tirol nicht garantieren konnte (25. Juli). Endlich, am 11. August 1811, fuhr er mit dem Wiener Archivbeamten Ignaz Freiherrn von Reinhart nach Tirol (Akt 1215/1811 Staatsarchiv Wien).

Während der Unruhen in Tirol 1812 — 1814 erwies sich Holzknecht als besonnener Mann, der, obwohl mit allen Fasern seines Herzens sein Österreich liebend, vielleicht in Vorahnung der kommenden Befreiung, seine Landsleute vor den Hetzereien gegen die bayerischen Beamten warnte. Schon seine edelmutige Gesinnung gegen die Gefangenen in den letzten Novemberwochen 1809 wurde vom Feinde rühmend anerkannt. Am 14. September 1813 verhinderte er die von dem Verführer seines als Märtyrer gestorbenen Freundes Hofer von dem fanatischen Pater Haspinger schon angeordnete Verhaftung des Landrichters Dr. Hack in St. Leonhard. Mit diplomatischer Klugheit vermittelte Holzknecht stets zwischen den aufgeregten Bauern und den rücksichtslosen bayerischen Beamten. Am 10. Oktober riet er dem Landrichter, dem er in seinem Wirtshause Zuflucht gewährte, sich nach Meran zu begeben, damit die Ruhe in das Tal zurückkehre. Auch dem neuen Landrichter Dr. Johann Reinhard half Holzknecht im Jänner 1814 bei der Besänftigung der Unzufriedenen. Nach der endgültigen Rückkehr Tirols unter das österreichische Szepter widmete sich Holzknecht wieder ganz seinem Gastwirtsgeschäft und starb in St. Leonhard am 3. März 1820 an Lungenentzündung.

An der südlichen Kirchenwand im Friedhof steht sein Grabstein mit der Inschrift: „Hier ruht die Asche des wohledlen Johann Holzknecht, Gasthalters zum „Einhorn" dahier, welcher am 3. März 1820 im 52. Lebensjahre seines Lebens nach empfangenen hl. Sterbsakramenten ruhig im Herrn entschlief. Seinen rein religiösen, lichthellen und sanften Sinn, entfernt von stürmischem Eifer, seine treue Anhänglichkeit an Fürst und Vaterland, geläutert vom Schlamme des Eigennutzes, enthüllte das Jahr 1809. Die himmlischen Züge seines menschenfreundlichen Herzens strahlten im tätigen Schimmer, zum Troste Vieler, die ganze, aber ach kurze, Laufbahn seines gesegneten Lebens. Um den Edlen trauert eine liebend Gattin, die zärtlichen Kinder und alle echten Freunde der guten Sache, trostlos. R. I. P." Über der Inschrift prangt das Holzknechtsche Wappen.

Als erster Gehilfe des Landwirts, als dessen „rechte Hand“, als dessen erster Minister und bedeutendster geheimer Rat, verdient Johann Holzknecht, der ein Onkel des (späteren) Schwiegersohnes Andreas Hofers, Josef Holzknecht (geb. 25. November 1800, gest. 28. Dezember 1885) war, der Vergessenheit entrückt zu werden.

Wir schließen mit dem Urteile seiner Gegner: „Holzknecht hat sich um Tirol viele Verdienste erworben, viel Schlechtes verhindert, für die Gefangenen eifrig gesorgt, er war ein rechtlicher Mann, aber auch ein kluger Kopf."

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 132 - 135.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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