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  Erinnerungen aus den Kriegsjahren 1805 und 1809 in Kössen
 

Von Peter Gaim.


Heute möchte Schreiber dieses erzählen von Gedenkzeichen, welche an die Kriegsjahre 1805 und 1809 erinnern. Das sind vor allem die heute noch sichtbaren Spuren von Verschanzungen am Schmidberg und Klausenberg, an der Ostgrenze gegen Bayern. Besonders der Schmidberg im Nordosten von Kössen spielte im Jahre 1809, vor allem beim Einbruch der 8000 Bayern unter Wrede am 17. Oktober 1809, eine wichtige Rolle. Hier war es, wo der berüchtigte Landesverteidiger und Raufbold Johann Empl, Schützen-Oberleutnant aus Kirchdorf, im Vereine mit seinem Adjutanten Johann Prugger die von Rupert Wintersteller beim Stadlerwirt in Kössen versteckten zwei Kanonen mit der Kriegskasse in der Nacht vom 16. auf 17. Oktober 1809 durch List und einen kühnen Handstreich in Sicherheit brachte, um sie dann ins Kohlental zu führen und dort in die Erde einzugraben. Darüber berichtet der von Nikolaus Schweinester, † 1921, verfasste Führer von Kössen:

„Als Knechte verkleidet und durch falsche Kröpfe unkenntlich gemacht, waren die beiden beim „Stadlerwirt", jetzt „Neue Post", zurückgeblieben und wurden ihres simulierten, trottelhaften Gebarens halber von niemand beachtet. Mit Einbruch der Dunkelheit brachten sie den verwegenen Plan zur Ausführung. Während Prugger unauffällig Wagen und Pferde bereit hielt, schlich sich Empl auf die Höhe des Schmidberges, wohin er beim Rückzug Winterstellers schon eine Trommel und mehrere geladene Gewehre versteckt hatte. Gegen 10 Uhr nachts begann er zu trommeln und zu schießen. Die dadurch alarmierten Bayern umzingelten darauf den ganzen Berg, allein Empl hatte in der Finsternis sich bereits mit größter Raschheit davongemacht. Während des Vorganges am Schmidberg hatte Prugger Kanonen und Kasse auf den Wagen gepackt, darüber Heu geladen, so dass es einem Heufuder glich, und fuhr ganz unbehelligt mit feiner kostbaren Ladung durch das unbesetzte Kohlental nach Gasteig, wo Wintersteller dann die Geschütze im Walde vergraben ließ. Dieselben wurden später „auf äußerst schlaue Art nach Österreich überführt". Von diesem Einbruch der Bayern am 17. Oktober 1809 wurde ein Schadensprotokoll aufgenommen, das im Gemeindearchiv aufbewahrt wird und folgende Überschrift trägt:

„Viertl Köhsen. Schaden Beschreibung Brotokoll so Bei den Einpruch yber den Schmidperg im Jahr 1809 den 17ten oct der Gennerall Wreden mit Einer grossen macht herein geprochen. Von 7 bis 9 Tausend Mann von der gröntzen schmidperg bis auf die Krönbattau (heute Krametau) die Loger geschlagen, und seind von 17ten oct um 2 Uhr Tags herein kommen und den 18ten um 10 Uhr yber schbend (soll wohl heißen Schwendt) nach S-Johann gezogen. Als den noch geschriebenen vill geraubt und geplindert worden." Soll wohl heißen: Außer dem Aufgeschriebenen ist noch viel geraubt und geplündert worden.

Dieses Schadensprotokoll enthält auf 42 betriebenen und zusammengehefteten Bogen Pergamentpapier (31x22 ½ Zentimeter) die Aufzeichnung der an die bayerische Mannschaft und Offiziere gelieferten Naturalien und anderen Gegenstände und der von denselben geraubten Sachen. So wird der Schaden, den der Seidlwirt in Kössen allein erlitt, auf 2902 fl. 52 kr. angegeben. Dazu bekam der Vierteiler von Kössen (Vorsteher) vom Pfleger in Kitzbühel den obrigkeitlichen Auftrag, bis 20. Oktober Wagen und Pferde, Schlachtvieh, Brot, Hafer, Wein, Bier und Schnaps zu liefern. Dieses interessante Schriftstück, ebenfalls im Gemeindearchiv, hat folgenden Wortlaut:

„Dem Vehrtheiler zu Kessen und dessen Gewalthaber wird Oberkeithlich aufgethragen, bis morgen frühe um 6 Uhr folgendes hieher zu Stellen, da widerigens exekutzon einschreiten mus." „26 Pferde mit 13 Wägen; 4 Stuck Schlachtfich; 880 Laibn Broth zu 3 & (Pfund); 2 Jhrn Weinn; 2 Jhrn Branthwein; 60 Staar Habern; 30 Eimer Pier (Pier = Bier).
Kitzbichl ec 19  8ber  1809.         Joseph Keissermann Pfleger."

Im April und Anfang Mai 1809 standen an den Gemeindegrenzen von Kössen gegen Bayern bei 800 Landesverteidiger unter dem Kommando des tapferen Rupert Wintersteller, davon 439 Schützen der Kompagnien Kössen und Schwendt mit den wackeren Hauptleuten Stephan Kendlinger, Krämer in Kössen, und Michael Hölzlsauer, Bierbrauer in Kössen. Wintersteller befürchtete schon im Mai 1809 einen Einbruch der Bayern im Gebiet von Kössen und ließ daher den Strubpaß bei Loser zu schwach besetzt, was zur Eroberung des Passes am 11. Mai (Himmelfahrtstag) durch Wrede mit 10.000 Bayern und Franzosen führte. Nach Erhalt der Kunde vom Angriff der Bayern eilte Wintersteller sofort zu Hilfe, kam aber bereits zu spät. Am 15. Mai verlangte schon der Festungskommandant von Kufstein die völlige Unterwerfung und Ablieferung der Gewehre von Kössen und Schwendt. Diese Urkunde lautet:

„Den Gemeindevorstehern zu Kössen und Schwendt. Da nun heute die Gemeinde-Vorsteher zu Kössen und Schwent im Namen ihrer Gemeinden dem Unterzeichneten ihre Unterwürfigkeit eidlich zugesichert haben; so wird denselben damit nachdrucksamst aufgetragen, längstens in Zeit von 8 Tagen von ihren Gemeinden die Gewehre abzufordern, und unverzüglich anher nach Kufstein getreulich einzuliefern.

Von dem Königl. baier. Stadt- und Festungs Commandö,
Kufstein den 15ten Mai 1809.              D'Aicher Commandant."

Neben den angeführten geschichtlich denkwürdigen Schreiben liegen im Gemeindearchiv noch das Sturmaufgebot an Hauptmann Stephan Kendlinger, Rapporte von ihm und mehrere Schützenlisten aus den Jahren 1805 und 1809.

   
  Quelle: Peter Gaim, Erinnerungen aus den Kriegsjahren 1805 und 1809 in Kössen, in: Tiroler Heimatblätter, Monatshefte für Geschichte, Natur- und Volkskunde, 7. Jahrgang, Heft 1, Jänner 1929, S. 8 - 9.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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