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  Eine Erinnerung an das Jahr 1809 im Achental
 

Aus einem, alten Zeitungsausschnitt

Achental, Mai 1905

Der treffliche Wundarzt von Achental, Josef Hochmayr, der in den Jahren 1800, 1805 und 1809 Oberleutnant in der Achentaler Schützenkompanie war und sich als solcher durch Unerschrockenheit und Klugheit auszeichnete, war im Frühjahr 1813 von der damaligen bairischen Regierung auf die Liste der zu Verhaftenden und Abzuurteilenden gesetzt worden.

Hochmayr aber hielt sich, wie sein Freund Aschbacher, verborgen und wollte sein heimatliches, schönes Tal und die ihm anvertrauten Kranken nicht hilflos verlassen, was ihm bei der unbedingten Ergebenheit der Achentaler, von denen er absolut keinen Verrat fürchten durfte, sehr erleichtert war. Er riskierte es sogar häufig, seinen kleinen botanischen Garten bei hellichten Tag selbst zu pflegen und sich die nötigen Arzneien selbst zu bereiten, niemals ohne Gefahr, vom Feinde entdeckt und ergriffen zu werden.

Eines Tages arbeitete er, auf ein Knie gestützt, in seinem Gärtchen, als plötzlich Andrä Hecher, der achtjährige Sohn des Nachbarn, der sich zufällig auf einem an der Ecke des Gartens stehenden Eschenbaum postiert hatte, von ferne königlich bairisches Militär sah, und nun, mit lauter Stimme den Trommelschlag nachahmend, sich vernehmen ließ:

Prr pump, pump, pump,
Der Kaiser kummt!
Prr pump, pump, pump,
Der Kaiser kummt!

Hochmayr sah. sich schnell um, erblickte durch die Ritzen des Gartenzaunes eine kaum 30 Schritt entfernte Truppe auf der Straße heranziehen und warf sich erschrocken platt auf die Erde nieder, sich hinter einer Gartenstaude versteckend. Der Knabe im Baum über ihm fuhr unverdrossen fort mit seinem:

Prr pump, pump, pump,
Der Kaiser kummt!
Prr pump, pump, pump,
Der Kaiser kummt!

Ein Korporal rief nun zu dem Buben in den Baum hinauf: "Still da oben, oder ich schieße dich herab!" "Schiaß zua!" war die Antwort des unerschrockenen Knaben und ohne anzuhalten, wiederholte er:

Prr pump, pump, pump,
Der Kaiser kummt!
Prr pump, pump, pump,
Der Kaiser kummt!

Laut lachten nun die Soldaten und zogen ihres Weges. Hochmayr aber war gerettet. Ohne den ihn warnenden kleinen Tambour auf dem Baum wäre er sicherlich entdeckt und ergriffen worden.

Andrä Hecher starb am 29. November 1876 im 72. Lebensjahre. In jüngeren Jahren wurde er durch einen Arbeitsunfall zum Krüppel und trug bis zu seinem Tode einen Stelzfuß. Er war ein Vogelkenner wie kein zweiter in der Gegend und überall bekannt, da er es verstand, die seltensten Vögel während ihres Durchzugszeit zu fangen. Er erhielt dafür öfters größere Geldbeträge. Er betrieb auch das Drahtflechten und verdiente sich so seinen Lebensunterhalt.

   
  Quelle: Zeitungsausschnitt 1905, zitiert in: Achentaler Heimatbuch (= Schlern-Schriften Band 241), HG. Katharina Staudigl-Jaud, Innsbruck 1965. S. 52 - 53.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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