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  Andreas Hofer und die Innsbrucker Stadtgarde
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

„Überzeugt von der Notwendigkeit, für die öffentliche Sicherheit der Stadt in Abwesenheit des Militärs durch eine geregelte und verlässliche Mannschaft zu sorgen, die allgemeine Ruhe aufrecht zu halten und den häuslichen Herd zu schützen, müsse man in Innsbruck eine Stadtgarde schaffen." So wollte es am 9. September 1796 der damalige Buchdrucker und Magistratsrat Felizian Rauch. Er teilte diese Anregung dem damaligen Bürgermeister (1795 — 1807) Josef Riß und den übrigen Magistratsräten mit und schlug vor, aus den angesehensten Bürgern und Hausherren der Stadt und ihres Burgfriedens eine Kompagnie zusammenzustellen, deren Pflichten und Aufgaben es sein sollte, in den Zeiten der Gefahr die Torposten zu besetzen und die Hauptwache zu beziehen.

Gesagt, getan. Der Vorschlag Rauch's fand allgemeine Zustimmung und der damalige Kriegs-Hof-Kommissär Reichsgraf Ludwig von und zu Lehrbach, das Landesgubernium und die ständische Schutzdeputation forderten Rauch auf, die sich freiwillig meldenden Bürger dem Namen nach dem Magistrat anzuzeigen. In kürzester Zeit hatte Rauch seine Getreuen beisammen und man schritt zur Wahl. Zum Hauptmann wurde Bürgermeister Riß, zum Oberleutnant Rauch, zum Unterleutnant Karl Carnelli und zum Wachtmeister Jakob Hofer gewählt, der bald die wichtigste Person der Garde wurde.

Die Uniform der Stadtgarde bestand in einem lichtgrauen Frack mit hellroten Aufschlägen, lichtgelben Hosen, schwarzen Riemenzeug und dreieckigem Hute. Am 7. September 1797 rückte die Garde das erste mal aus, als sie von dem in Innsbruck eingetroffenen Erzherzog Karl (Bruder des Kaisers Franz) paradierte. Als 1797 Feindesgefahr die Stadt Innsbruck bedrohte, verließen die wackeren Bürger ihr Gewerbe, ihr Kontor, um als Stadtgardisten bei Tag und Nacht auf Patrouillen über die Sicherheit der Stadt zu wachen: aus ihrer Mitte wurden sogar Berittene gewählt, welche den Nachrichtendienst zwischen der operierenden Armee und den Stadtbehörden vermittelten. Namentlich Gardewachtmeister Hofer war unausgesetzt am Werk, die Garden zu verteilen und jeden an den richtigen Platz zu stellen. Der Landeshauptmann Paris Graf Wolkenstein und Graf Lehrbach stellten der Garde glänzende Zeugnisse aus, verliehen ihr die große landschaftliche Ehrenmedaille und Erzherzog Johann spendete ihr eine prachtvolle Fahne, die der Fähnrich Ferdinand Riß trug. Einen Sold erhielt diese Heimwehr nicht.

Im Jahre 1808 (12. Oktober) wurde die Stadtgarde in mehrere Kompagnien geteilt unter dem Stabe Major Josef von Atzwangers und einem Unterstabe. Die Kompagnien unterschied man in solche von Grenadieren, Füsilieren und Schützen. Hauptmann der Grenadiere war Karl Carnelli, Hauptmann der 1. Füsilierkompagnie Felizian Rauch. Unter den Offizieren finden sich Namen der angesehensten Innsbrucker Bürgerfamilien, wie Leonhard Oberlindober, Simon und Johann Georg Tschurtschentaler, Leopold Ferstl, Anton Carnelli, Franz Josef Habtmann, Johann Gamper, Franz Wopfner, Franz und Josef Raggl, Anton Katzung, Stocker, Schaufler, J. Stettner, Lechthaler, Josef Mörz, Dr. Johann Schaffer, Schöller, Baader usw.

Eine besonders schwierige Rolle hatte die Stadtgarde, auch Bürgermilitär genannt, im Jahre 1809. Viermal in diesem Jahre wechselten die Beherrscher der Stadt, jedesmal wurde die Garde einem anderen Machthaber unterstellt und immer hat sie, ob österreichisch, bayrisch oder französisch, ihre Pflicht unparteiisch und korrekt erfüllt. Nach dem Rücktritt des Bürgermeisters Riß (22. Juni 1807), der weiterhin als Altbürgermeister nur mehr einmal — über Zureden Andreas Hofers (23. August 1809) als Mitglied der Generaladministration — hervortrat, wurde Felizian Rauch zum Hauptmann erwählt, der — nach dem Rücktritt Kasimir Schumachers — seit 1. September 1809 auch als Bürgermeister von Innsbruck fungierte.

Schon nach der ersten Berg-Isel-Schlacht hatte die Stadtgarde vollauf zu tun, da große Exzesse in Innsbruck entstanden. Nach dem aus Anlass der Befreiung des Landes am 23. April 1809 in der St. Jakobs-Pfarrkirche abgehaltenen feierlichen Hochamt paradierte die Stadtgarde auf dem Pfarrplatze und marschierte dann zu dem vom Erzherzog Johann gegebenen Freischießen auf den Schießplatz. Am 26. Juli 1809 zog sie nach der Scharnitz.

Zufolge Weisung Andreas Hofers wurde die Bürgergarde am 23. August 1809 neu zusammengestellt, bezog am 27. August die Stadt-Wachposten und hatte besonders gegen den städtischen Pöbel, der angesichts der Kriegsereignisse eine große Neigung zu Krawallen zeigte, einzuschreiten. Bei der Mühlauer Brücke und in Wilten lieferte sich Innsbrucks Jugend, „Andreas Hofer und Lefebure" spielend, förmliche Gefechte, bis die „Verwundeten" auf „Gratten" weggeführt werden mussten. Exzesse, Plünderungen des Mobs waren damals an der Tagesordnung und die Innsbrucker wussten nicht, ob sie sich mehr vor dem eindringenden Feind oder vor dem städtischen Janhagel fürchten sollten. Wenn es mit Hilfe der Stadtgarde gelang, der raufenden Horden Herr zu werden, so war dies nicht nur ein Verdienst des Ruhe stiftenden Regenten Andreas Hofer, sondern auch der Stadtgarde, die durch ihre besonnene und energische Tätigkeit ein strenges Polizeiregiment führte. Am 29. Oktober verhandelte Felizian Rauch mit dem General Fürsten Karl Wrede hinsichtlich der Übergabe der Stadt; am 3. November musste Rauch seine Bürger verhalten, die napoleonischen Kokarden zu tragen.

Im Jahre 1813 wurde die Stadtgarde in Nationalgarde oder Bürgerwehr umbenannt. Eine nicht sehr rühmliche Rolle spielte die vom General-Kreis-Kommissär Max Freiherrn von Lerchenfeld im August 1813 gebildete, in drei Kompagnien eingeteilte und unter das Kommando der Handelsleute Johann Georg Tschurtschenthaler, Karl Carnelli und Alois von Mayer gestellte Bürgerwehr anlässlich des Rott-Putsches am 10. Oktober 1813 in Innsbruck. Als die Bauernscharen gegen die Stadt marschierten, um den gefangenen Johann Rott zu befreien, befahl der Generalkommissär der Bürgergarde, die Triumphpforte zu besetzen - aber die Stadtgarde weigerte sich. Als dann die Aufrührer in die Stadt einzogen, befahl Lerchenfeld der Garde, Feuer zu geben, was aber nicht geschah. Darob erzürnt, machte Lerchenfeld den Bürger-Offizieren bittere Vorwürfe und schalt sie feige Memmen, was zu einer schweren Verstimmung der Beleidigten gegen den Stadt-Chef führte. Auch beim Dezember-Aufstand (11. Dezember 1813) musste die Bürgerwehr untätig bleiben, da ihnen die Bauern vorher aus dem Rathaus — die Waffen weggenommen hatten. Tschurlschenthaler und Carnelli mussten daher als Hauptleute der „einstigen" Bürgerwehr auftreten. Sehr verargen kann man es den friedliebend gesinnten Familienvätern allerdings nicht, dass sie wegen einiger Ruhestörer gleich ein „lebensgefährliches Blutvergießen oder gräßliches Gemetzel", wie sie es prophezeiten, gewagt hätten.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 31 - 34.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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