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  Sittenerlass Andreas Hofers
 

 

25. August 1809: der bekannte Sittenerlass Andreas Hofers, den er unter dem Einfluss des siebzigjährigen Josef von Stadler-Gstirner herausgegeben hat.

(Anmerkung: Pfaundler/Köfler 1984, S. 194: Hofer maß der Sache anfangs keine große Bedeutung bei, später nahm er wegen des Missbrauchs vieles vom Erlass zurück.)

Andreas Hofer Sittenerlass, 25. August 1809

Daß wir Ursache über Ursache haben dem allmächtigen gütigsten
für die durch seine außerordentliche Hilfe erfolgte Befreyung des
Vaterlandes von dem so mächtig als grausamen Feinde zu danken,
muß und wird wohl jedermann erkennen, und jedermann wünschen,
fernerhin von dieser großen Plage befreiet zu bleiben, mit welcher Gott,
so wie im alten und neuen Testament, sein Volk so oft, und also auch
unser Vaterland, heimgesucht und gezüchtiget hat, auf daß wir uns
zu ihn wenden und bessern sollen.

Mit herzlichen Dank für des gütigen Gottes so große Erbarm-
niß, und mit aufrichtigen Vorsatz einer ernstlichen Besserung müssen
und wollen wir uns also zu ihn wenden, und um fernere Verschonung
bitten. Wir müssen seine väterliche Liebe mit wahrer Gegenliebe durch
auferbaulichen, züchtigen und frommen Lebenswandel, und wie er
als Vater befiehlt, mit aufrichtiger und wahrer Liebe des Nächsten zu
erlangen uns ernstlich bestreben, und also Haß und Neid und Raub-
sucht und alles Lasterhafte verbannen, den Vorgesetzten Gehorsam,
und dem bedrängten Mitbürger so viel wir können Hilft leisten; über-
haupt aber alle Ärgernisse vermeiden.

Viele meiner guten Waffenbrüder und Landesvertheidiger haben
sich geärgert, daß die Frauenzimmer von allerhand Gattungen ihre
Brust und Armfleisch zu wenig, oder mit durchsichtigen Hudern be-
decken, und also zu sündhaften Reizungen Anlaß geben, welches Gott
und jedem christlich denkenden höchst mißfallen muß.

Man hoffet, daß sie sich zu Hintanhaltung der Strafe Gottes
bessern, widrigenfalls aber sich selbst zuschreiben werden, wenn sie auf
eine unbeliebige Art mit — — — bedecket werden.

Innsbruck den 25sten August 1809.
Andreas Hofer,
Ober-Commandant in Tyrol.

   
  Quelle: Hans Kramer, Wolfgang Pfaundler, Erich Egg, Tirol 1809, Innsbruck 1959, S. 23.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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