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  Andreas Hofers Rechtsanwalt
 


Wie jeder vermögende Wirt hatte auch Andreas Hofer seinen Hausarzt. Als solchen finden wir den Dr. med. Alois von Gasteiger, geb. 22. 10. 1777 Villanders, gest. 18. 2. 1854 Meran, der sich selbst im Gedenkbuch am Sandhof im Jänner 1836 mit dem Beisatze „Hausarzt der Familie v. Hofer“ eintrug. Unter seinen 17 Kindern finden wir auch jenen Wilhelm von Gasteiger, gefallen bei Goito am 8. 4. 1848, der auf einer Gedenktafel in der Innsbrucker Hofkirche verewigt ist. Zur Zeit der Innsbrucker Regierung Hofers war Dr. Christian Hummel, geb. 24. 8. 1787 Bürs, gest. 5. 3. 1868 Nenzing, vom Mai bis Oktober 1809 sein behandelnder Arzt.

In Rechtsangelegenheiten, mit denen jeder Pferde-, Weinhändler und Gastwirt rechnen muss, stand ihm der Landrechtsadvokat Dr. v. Gasteiger zur Seite. Dr. Karl Timotheus (Fürchtegott) von Gasteiger-Rabenstein wurde am 23. 3. 1776 in Villanders als Sohn des Landrichters Karl Kajetan von Gasteiger und der Anna Maria Isser geboren, war somit ein Bruder des Villanderer Schützenhauptmanns, späteren Kreishauptmanns von Schwaz Doktor Anton von Gasteiger (geb. Rechegg bei Villanders 31. 5. 1780, gest. Innsbruck 16. 7. 1860) und des früher erwähnten Arztes Dr. Alois von Gasteiger. Nach Erlangung des Doktorates der Rechte wurde Karl Gasteiger Advokat in Meran und dort durch seine Brüder mit Andreas Hofer bekannt.

Andreas Hofers Mutter, Maria Aigentler (geb. 26. 3. 1733 in Matrei am Brenner), starb am 22. 12. 1770. Damals hatte Vater Hofer noch auf der Passeirer Seite des Jaufens eine Herberge (Leitneben, Gemeinde Walten) für Maultiertreiber und Sämer, ferner das Wirtshaus „Zur goldenen Krone“ am Sand und den „Sandhof“, der um 1600 auch „Bucher- oder Aufleger-Hof“ genannt wurde.

Die unwirtschaftliche Stiefmutter Hofers

Vater Josef Hofer (geb. 8. 3. 1723) heiratete, 14 Monate nach dem Tode seiner ersten Frau, die Anna Frick, geb. 2. 6: 1740, Tochter des Georg Frick und der Charitas Pfitscher; die Hochzeit fand am 11. 2. 1772 statt. Nach weiteren zwei Jahren starb Vater Hofer am 3. 3. 1774. Die Witwe musste nun die vier Kinder ihres Gatten aus dessen erster Ehe und ein Kind (Katharina, geb. 1772, gest. 1839) aus ihrer Ehe mit Josef Hofer erziehen und die Wirtschaft führen. Da sie aber wenig vom Wirtsgeschäfte und gar nichts vom Weinhandel verstand, verhauste sie bald 1700 Gulden. Siebzehn Jahre „regierte" Anna Frick den Sandhof, unterstützt nur von ihrer Stieftochter Anna Grinner (geb. 1758, gest. 1802).

Am 6. Mai 1791, zwei Jahre nach seiner Hochzeit (21. 7. 1789) mit Anna Ladurner, übernahm der damals 24jährige, also eben großjährig gewordene Andreas Hofer die Wirtschaft um 11095 Gulden, jedoch mit einer Hypothek seiner drei Geschwister von 9000 Gulden belastet. Unter dieser von seiner Stiefmutter Anna Frick verursachten Verschuldung und unter der Zinsenlast der Hypothek litt Hofer schwer. Bald fiel ein kleines Bauerngut diesen finanziellen Schwierigkeiten zum Opfer. Anna Frick scheint vom Sandhofe weggezogen zu sein, denn ihr Sterben erfolgte am 15. 11. 1797 im Kolberhofe zu St. Leonhard.

Das Wirken Karl von Gasteigers

Den Namen Dr. Karl von Gasteigers finden wir zum ersten Mal am 8. 1. 1805, als ihm Hof er für einen Prozess gegen den Krämer Johann Schwaighofer in St. Leonhard eine Vollmacht erteilte, auf der er eigenhändig die Worte schrieb: „Für mich und meine Erben“. Es soll sich um Forderungen Hofers gegen Schwaighofer aus Weinlieferungen gehandelt haben. Die Kriegswirren 1796 bis 1805 hatten auf Hofers Beruf einen ungünstigen Einfluss und nach einer späteren Meldung des Passeirer Landrichters Dr. Johann Jakob Staffler (des bekannten Topographen) soll Hofer damals in „weitschichtige Rechnungsgeschäfte verflochten" worden sein, so dass die Zahl seiner Gläubiger bei seinem Tode auf 90 gestiegen war. Anfangs des Jahres 1809 waren bedeutende Passiven vorhanden (August Lewald, 1837).

Das Jahr 1809 brachte für Tirols Handel und Gewerbe ein stilles Moratorium. Während der Anwesenheit Hofers in Innsbruck konnte die am Sandhof verbliebene Gattin Hofers durch Sparsamkeit einige Gläubiger befriedigen. Am 11. November 1809 holten sich die Passeirer Schützen aus dem Rathause in Meran mit Gewalt die dort von den Meraner Bürgern abgelieferten Waffen. Karl von Gasteiger musste sich deshalb bei dem in Bozen kommandierenden französischen General Honorè de Vial namens der Stadt Meran entschuldigen. Am 16. 11. wollte General Joh. Bapt. Rusca die Stadt Meran wegen des Überfalles der Passeirer auf französische Truppen in St. Leonhard vor seinem Abzuge anzünden. Dr. v. Gasteiger begab sich demütig zum General, wurde aber schroff abgewiesen. Doch ließ sich Gasteiger nicht einschüchtern und schließlich zog der General, ohne die Stadt einzuäschern, ab.

Nach dem Heldentode Hofers beschlagnahmte die kgl. bairische Regierung das gesamte Verlassenschaftsvermögen Hofers. Die unglückliche Witwe wandte sich nun wieder an den Rechtsfreund der Familie, Dr. v. Gasteiger, der sich bemühte, die dringendsten Gläubiger zu Ausgleichen zu bewegen. Tatsächlich gelang es dem tüchtigen Juristen, einen Konkurs zu vermeiden. Die Witwe, unterstützt durch Bürgschaften der Hofer'schen Vormünder Johann Griner (geb. 11. 10. 1783, gest. 13. 3. 1812), Neffen Hofers und Unterwirtes in St. Martin, und Andreas Illmer (geb. 17. 11. 1778 Meran, gest. 15. 4. 1855 auf Schloss Tirol), Krämers in St. Leonhard, erwarb die ganzen Liegenschaften um den Schätzwert von 8700 Gulden (19. 11. 1811); die Gläubiger ließen 791 Gulden nach. Hiezu kam eine großzügige Unterstützung des Kaisers und andere Subsidien. Immer intervenierte Dr. Gasteiger für die Witwe bei den Behörden. Die wirtschaftliche Lage der Witwe besserte sich zusehends, der Schuldenstand verminderte sich, so dass um 1816 der Sandhof schuldenfrei war.

Im September 1813 widerfuhr dem angesehenen Advokaten ein Missgeschick. Als im August 1813 der Aufstand in Tirol wieder losbrach, zog auch der 37jährige P. Joachim Haspinger von seiner Pfarre in Jedlersdorf (bei Wien) aus, fuhr nach Meran und ins Passeiertal. An der Spitze von 40 bewaffneten Schützen erschien Haspinger am 13. 9. 1813 in Meran, wo er nebst dem Bürgermeister Johann Paul Buchmayr auch den Advokaten Dr. Karl von Gasteiger verhaften ließ, um ihn gefangen nach Lienz zu transportieren. Die beiden Herren waren wegen ihres Friedenswillens als Bayernfreunde verdächtig. Auf Intervention des Meraner Kapuziner-Guardians P. Benedikt Peintner ließ Haspinger den Advokaten nach zwei Tagen Haft in Saltaus wieder frei.

Am 6. 4. 1818 verfasste Gasteiger für die Witwe das Konzept für ein Majestätsgesuch um Zuerkennung einer Pension für sie und ihre Kinder und wies hiebei darauf hin, dass die Witwe, nach dem „abgebrochenen Konkurse", sich durch Sparsamkeit zwar wirtschaftlich erholt habe, aber sehr unter den am Sandhof von den Fluten der Passer angerichteten Wasserschäden leide. Der Kaiser willfahrte sofort der Bitte der Hoferin und gewährte ihr eine jährliche Pension von 500 Gulden.

Offenbar auf Anraten Gasteigers errichtete die Hoferin ein Testament, das an ihrem Todestage (6. 12. 1836) eröffnet wurde und die Bestimmung enthielt, ihre Enkelin Anna Erb habe gegen 9000 Gulden Ablösung den Sandhof zu übernehmen. Ihrem Enkel Andreas von Hofer vermachte sie die goldene Medaille Andreas Hofers. Dr. Gasteiger, der mit seiner Gattin Maria Anna von Weber (1789—1846) zwanzig Kinder hatte, darunter Theodolinde (1821 — 1858), der Hermann von Gilm mehrere seiner schönsten Gedichte widmete, starb in Meran am 28. 3. 1851. Auf seinem Grabstein findet man folgende Inschrift: „Gerader Rechts- und anspruchsloser Bürgersinn, vereint mit vielseitiger Bildung, wahrte ihm Achtung und Zutrauen von außen, von innen häusliches Glück der durch 20 Kinder gesegneten Ehe". So haben die drei Brüder Gasteiger, jeder nach seinem Berufe, dem Sandwirte und seiner Familie liebevolle Dienste geleistet.

Granichstaedten

   
  Quelle: Rudolf von Granichstaedten-Czerva, Andreas Hofers Rechtsanwalt, in: Der Schlern, Illustrierte Monatsschrift für Heimat- und Volkskunde, 28. Jahrgang, 6. Heft, Juni 1954, S. 266 - 267.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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