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DIE TRUD

Zu einem Burschen kam fast allnächtlich die Trud. Er wandte die verschiedensten Mittel gegen sie an, allein vergebens. Alle Lebensfreude ging ihm verloren; still und bleich schlich er umher und jeder, der ihn sah, schüttelte den Kopf und sagte: "Der hat's beieinander!" Er wollte es aber noch einmal versuchen sich aus der Macht der Trud zu befreien und beschloß einen Kampf auf Leben und Tod mit ihr zu wagen. Als er nun wieder zu Bette ging, nahm er ein scharfgeschliffenes Messer mit und bohrte es über sich in den Balken. Die Trud kam wieder und drückte ihn. Schnell griff er nach dem Messer und fuchtelte kreuz und quer in der Luft herum. Mit einem Male hörte jeder Druck auf; die Trud war verschwunden.
Am anderen Tage begegnete ihm eine Nachbarin mit einigen Schnittwunden im Gesicht. Die Trud hat ihn sein Leben lang nie wieder gedrückt.

Michael Waltinger, Niederbayerische Sagen